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McLaren 600 LT und 720S Spider : Offen und eilig

  • -Aktualisiert am

Der neue Mc Laren 600LT Bild: Mclaren Automotive / Beadyeye

Sportwagenhersteller McLaren startet mit zwei neuen Open-Air-Modellen in die Saison, dem 600 LT und dem 720 S Spider. Erste Probefahrten an der frischen Luft.

          Von wegen Brexit. Während sich das Vereinigte Königreich so langsam in die Isolation verabschiedet, gibt sich Sportwagen-Hersteller McLaren um so offener. Mit zwei neuen Modellen wird die Cabrio-Saison 2019 eröffnet. Als müssten sie bei McLaren den verschlossenen Kurs in London konterkarieren, sind die zwei weiteren Spider schon die Nummern sechs und sieben in der Riege der offenen Autos aus Woking. Obwohl McLaren erst seit zehn Jahren Straßensportwagen für jedermann baut, haben sie somit mehr Cabrios entwickelt als mancher Hersteller mit einem größeren Portfolio und einer längeren Geschichte.

          Das beweist nicht nur die großen Ingenieur-Kapazitäten der Briten, sondern auch deren Geschäftssinn, weil sie so immer neue Kaufimpulse setzen und den Markt durch eine geschickte Limitierung der einzelnen Modelle weiter anheizen. Rund die Hälfte der verkauften Autos – das waren im vergangenen Jahr rekordverdächtige 4809 Einheiten – sind Cabrios.

          Im 600LT Spider aus der sogenannten Sport Series, vereint McLaren zwei Erfolgsrezepte. Das Grundkonzept mit dem versenkbaren Hardtop stammt vom 570 Spider und das Tuning mit der gestrecktem Karosse, dem auf 600 PS und 620 Newtonmeter erstarkten V8-Motor und den im Heck spektakulär weit nach oben gerückten Endrohren vom geschlossenen 600 LT. Das Ergebnis ist ein eiliger Extremist, der dem vor über 20 Jahren in LeMans zur Legende gereiften Namenspatron F1 GTR Longtail alle Ehre macht – und zwar nicht nur wegen der sieben Zentimeter, um die sie die Karosserie gestreckt haben.

          Im 600LT Spider aus der sogenannten Sport Series, vereint McLaren zwei Erfolgsrezepte. Bilderstrecke

          Sondern der Zweisitzer ist deutlich engagierter als das Grundmodell, strammer und sportlicher: Ein bretthartes Fahrwerk, Bremsen mit dem Biss des P1 und eine ausgeklügelte Aerodynamik mit deutlich mehr Abtrieb – so fühlt sich der Spider auch auf der Rennstrecke wohl. Am nötigen Vortrieb jedenfalls mangelt es dabei nicht. Immerhin schießt der 600LT in 2,9 Sekunden auf Tempo 100 km/h, nimmt die 200er-Marke nach 8,4 Sekunden und ist bei Vollgas selbst mit offenem Dach so schnell, dass einem um die Frisur Angst und Bange wird: 315 km/h bezwingen jeden Haarfestiger. Und wer vor dem Kickdown das Dach schließt, schafft sogar 324 Sachen.

          Natürlich hat dieses Vergnügen auch seinen Preis: 250 000 Euro verlangen die Briten für den 600 LT und reiben sich dabei freudig die Hände. Denn das sind 20 000 Euro mehr als für den geschlossenen Longtail und rund 40 000 Euro mehr als für den offenen 570er. Zwar ist der 600LT im Gegensatz zu den auf exakt 500 Exemplare beschränkten und binnen weniger Wochen ausverkauften Longtail-Modellen aus der Super Series offiziell nicht limitiert. Doch weil ihn McLaren nur ein Jahr lang bauen will und das im Herbst präsentierte 600 LT-Coupé bereits ausverkauft ist, scheint ein wenig Eile bei der Bestellung geboten. Oder auch nicht.

          Klappt schneller weg als bei der Konkurrenz

          Denn wer beim 600er leer ausgeht, muss nur noch einmal 30 000 Euro mehr ausgeben, und bekommt dann die zweite Open-Air-Neuheit für diese Saison: Den 720S Spider. Der spielt eine Liga höher in der sogenannten Super Series und will sich gegen Super-Autos wie den Ferrari 488 oder den Lamborghini Hurracan behaupten.

          Das tut er mit einem Faltdach aus Karbon, das mit seinen elf Sekunden nicht nur schneller wegklappt als bei der Konkurrenz, sondern dass auch deutlich leichter ist. So wiegt der Spider kaum 50 Kilogram mehr als das Coupé und unterbietet seine Konkurrenz um etliche Kilo, die man in jeder Kurve, bei jedem Sprint und bei jeder Bremsung spüren kann. Befeuert von einem auf vier Liter aufgebohrten V8-Motor mit 720 PS und 770 Newtonmeter maximales Drehmoment ermöglicht das Fahrleistungen weit jenseits aller Vernunft: Aus dem Stand auf 100 km/h in 2,9 Sekunden, nach 7,9 Sekunden 200 km/h und bei Vollgas bis zu 341 km/h. Damit ist der Spider dem Coupé absolut ebenbürtig. Nur dass man den ominösen Reiz des Rasens im offenen Auto noch viel intensiver erlebt, weil einem die Welt damit offensteht und einem der Motor noch näher ist: Nicht nur die Sonne kitzelt auf der Haut, und der Wind zerrt an den Haaren. Auch der Schall dringt ungehindert in die Kabine und streichelt wohlig das Trommelfell.

          Das funktioniert sogar bei englischem, mithin also schlechtem Wetter, wenn der Deckel drauf bleibt. Dann kommt das Licht durch ein elektrochomes Glasdach, das auf Knopfdruck transparent wird, und der Lärm durch das Heckfenster, das sich unabhängig vom Dach bewegen lässt.

          Zwar ist der Spider das emotionalere Auto, und der Reiz des Rasens ist größer denn je. Doch entdeckt man in diesem Supersportwagen auch eine ganz neue Tugend. Die Lust an der Langsamkeit. Denn bei allem Engagement ist der 720S derart komfortabel und alltagstauglich, dass man sich auch lässig zurücklehnen und die Fahrt dafür umso länger genießen kann. Und wenn es langweilig wird, ist der nächste Sturm ja nur einen Kickdown entfernt.

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