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Fahrbericht Mash 250 : Französisches aus China

Einfach hübsch: 250er Mash Bild: Schmidt

Aus Frankreich stößt eine neue Motorradmarke auf den Markt, die fast ausschließlich auf Retro setzt. Mash hat nur Einzylinder von 125 bis 400 Kubikzentimeter Hubraum im Programm.

          Retrostil ist in. Auch bei Motorrädern. Aus Frankreich stößt eine neue Motorradmarke auf den Markt, die fast ausschließlich auf dieses Thema setzt - Mash. 14 Modelle hat man im Programm, lauter kleine Maschinen, alles Einzylinder von 125 bis 400 Kubikzentimeter Hubraum - dazu kommen noch drei konventionelle Roller als 50er oder 125er. Vertrieben werden die Maschinen über Rastatt im Badischen, bis dato hat die Vertriebsgesellschaft „France Equipement“ gut 80 Händler in Deutschland ins Boot holen können.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Redaktion hat sich mit der 250 Café Racer näher beschäftigt und muss dem Verkaufspreis schon mal ein „heiß“ bestätigen. 3650 Euro für eine 250er, die gar nicht mal schlecht aussieht, sind schon ein Wort. Gebaut werden die Maschinen in China, bei Jinan Qingqi, im Fahrzeugschein auch als Hersteller genannt. Der Motor ist ein Lizenzbau (Suzuki), er hat 249 Kubik, bietet 20 PS bei 7500 Umdrehungen in der Minute und ein maximales Drehmoment von schmalen 20 Newtonmeter bei 6000/min. Gezündet wird elektronisch, das Benzin-Luft-Gemisch bereitet ein Mikuni-Vergaser auf, ganz wie früher. Es gibt auch noch einen Choke, der gezogen sein will, sonst springt das Maschinchen morgens nicht an. Der Motor ist luftgekühlt.

          Wenn man böse will, ist die Mash ein 50-footer Bilderstrecke

          Wenn man böse will, ist die Mash ein 50-footer. So nennt man im amerikanisch-englischen Sprachgebrauch einen Gegenstand (bezogen meist auf Gebrauchtwagen), die nur aus gewisser Entfernung gut aussehen. Und das tut die Mash. Niedrige Statur, hübsche Maske um den Scheinwerfer, Höckersitzbank. Kommt man näher, wird deutlich, dass alles etwas grobschlächtig verarbeitet ist, ohne dass es jedoch zu billig wirkt. Und man darf den Preis nicht vergessen. Die Sitzhöhe beträgt nur 78 Zentimeter, ein Rundinstrument (Tacho) muss reichen, die elektrische Ganganzeige (fünf gibt es) ist der einzige Luxus. Halt, stimmt nicht ganz. Ein Hauptständer wird ebenfalls geboten, nicht nur eine Seitenstütze. Die Fahrer-Fußrasten sind starr, die klappbaren für den Beifahrer könnte man sich sparen, auf der Höckerbank hat nur einer Platz. Im Zubehör gibt’s eine Bank für zwei.

          Fahren wir los. Gestartet wird elektrisch, wobei ein Kickstarter bei dieser Art Motorrad eigentlich ein hübsches Accessoire wäre. Schon nach den ersten Metern merkt man, wie handlich und leicht die Mash Café Racer tatsächlich ist. Dank M-Lenker hat man eine gute Sitzposition, Schalten und Kuppeln sind ein Kinderspiel. Wenig überzeugend fällt die Leistung aus. Gut, 20 PS lassen zwar nicht viel erwarten, aber jede gute 125er (15 PS maximal) hält mit der Mash locker mit. Und die sportliche Yamaha YZF-R125 des Sohnes war deutlich schneller. Mehr als die im Schein angegebenen 110 km/h sind mit der Mash nicht drin. Also sind Autobahnen mehr oder weniger tabu, auf der Landstraße macht die Mash mit ihrer Leichtfüßigkeit und ihrer präzisen Art wesentlich mehr Spaß. Allerdings sind Überholvorgänge praktisch ausgeschlossen, dazu fehlt es einfach an Reserven.

          Die Bremsen (je eine Scheibe vorn und hinten) machen ihre Sache gut, der Federungskomfort ist passabel. Bei dem Preis schraubt man logischerweise die Ansprüche herunter. In den Spiegeln kann man den rückwärtigen Verkehr gut sehen, allerdings nicht bei „hohem Tempo“ auf der Autobahn. Da vibrieren sie so stark, dass man praktisch nichts mehr erkennen kann. Wirklich schlecht ist das Licht. Das Fernlicht kommt kaum über Abblendniveau hinaus, das Abblendlicht selbst ist eine Zumutung. Zu loben ist wiederum der relativ sparsame Umgang mit Kraftstoff. Nur 3,6 Liter benötigten wir im Schnitt für 100 Kilometer, ein 14-Liter-Tank sichert in diesem Fall eine sehr akzeptable Reichweite. „Wo ist die Tankanzeige?“, fragte der sechzehnjährige Sohn. Natürlich gibt es keine, sondern einen klassischen Benzinhahn. Wenn noch gut vier Liter im Tank sind, muss schon umgestellt werden.

          France Equipement bietet auch eine 125er-Version an, die dann aber nur 11,6 PS hat, also die 15-PS-Grenze für den A1-Führerschein (ab 16 Jahre) nicht voll ausschöpft. Dieses Fahrzeug ist noch mal 35 Kilo leichter und wiegt mit 96 Kilo kaum mehr als weiland unser Mokick, eine Zündapp GTS 50. Als Gebrauchsmotorräder und Transportmittel für jeden Tag, die dazu auch noch flott aussehen, obwohl sie relativ wenig Geld kosten, taugen die Mash alle Male. Die 125er kostet nur 2650 Euro. Die 20 PS der 250er werden auf die Dauer aber gewiss Lust nach mehr wecken. Im Programm finden sich zum Beispiel auch die klassische „Five Hundred“ (4650 Euro) oder die „Adventure“ (5195 Euro), eine Enduro, die als einziges Modell im Mash-Programm nicht der Retrolinie folgt. Beide haben ein Einzylinder-Triebwerk mit 400 Kubik, das 27 PS leistet. Bei diesem Motor handelt es sich um einen Honda-Lizenzbau. Aber auch damit darf man kein Hochleistungsmotorrad erwarten, auf der Autobahn müsste zumindest die Richtgeschwindigkeit sicher drin sein.

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