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Fahrbericht Lexus RX 450 hL : Kindliche Freude mit dem unhöflichen Lulatsch

Schiffsverkehr: Dem langen RX mangelt es an freudvoller Beweglichkeit. Bild: Hersteller

Elf Zentimeter länger als die Normalversion: Der Lexus RX 450hL bietet Platz für sieben Passagiere. Mit umgeklappten Sitzen wird er zum Transporter mit Luxusgefühl.

          Wenn das Auto kein Omni- oder Kleinbus ist, dann sind mehr als zwei Sitzreihen immer eine Unhöflichkeit. Natürlich für die nach ganz hinten verwiesenen Passagiere. Das gilt besonders für SUV-Siebensitzer, bei denen im Vergleich zur Normalversion lediglich eine Extraportion Länge angestückelt wurde. So ist auch der Lexus RX 450hL, um elf Zentimeter ohne Wachstum beim Achsabstand, lediglich im Heck maßvoll auf fünf Meter verlängert worden. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Felgen.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Zum Beispiel in alten deutschen Parkgaragen, deren Spindelrampen noch in den Zeiten des Goggomobils entstanden sein müssen. Wohl scharf kalkulierte 79.800 Euro verzeichnet die Preisliste für den Testwagen RX 450hL als Luxury-Line-Version. Die elf Zentimeter kürzere Luxury-Line-Ausführung stellt sich auf 76.550 Euro, kommt als geräumiger Fünfsitzer mithin 3250 Euro billiger. Nur bedingt einsatzfähig sind die zusätzlichen Sesselchen ganz hinten und sollten als Notsitze interpretiert werden, allenfalls für Kinder oder klein und schmal gewachsene Mitfahrer. Allerdings gelingt der Zustieg nach hinten ohne artistische Fähigkeiten.

          Denn die mittlere Reihe lässt mit einem Handgriff ihre beiden äußeren Sitze gehorsam etwa 15 Zentimeter nach vorne gleiten und öffnet einen ausreichend breiten Zustieg. Die Trittbreite in der Einstiegsfläche misst vierzig Zentimeter mit einer zwanzig Zentimeter breiten Engstelle. Wir hatten versucht eine 178 Zentimeter große, sehr gelenkige, aber langbeinige Weibsperson hier unterzubringen, was gerade noch gelungen war. Allerdings scheuerte dann ihr Scheitel trotz der konstruktiv eingefügten Delle im Dachhimmel unangenehm. Zudem waren für die Testfahrt auf welliger Straße unangenehme Kontakte von Kopf und Dachverkleidung kaum zu vermeiden: Es mangelt hinten wegen der höheren Sitzposition an Kopf- und an Beinfreiheit, der Versuch wurde abgebrochen. Kindern dagegen gefiel auf kurzen Strecken vom Baggersee zur Burgerbrotzeit der Aufenthalt im Heck. Über zwei Tasten im Laderaum für links und rechts wird die dritte Reihe geteilt oder komplett im Boden versenkt, die Lehnen falten sich nach vorne, und es harrt eine völlig flache, gut zu beladende Ebene: Dabei legt die Ladetiefe von sparsamen 55 Zentimetern bei aktiver dritter Reihe auf generöse 108 Zentimeter zu. Werden zusätzlich die mittleren Plätze nach vorne geklappt, dann mutiert der RX 450hL zum Transporter mit Luxusgefühl: Gut 200 Zentimeter Ladelänge und eine -breite von bis zu 130 Zentimetern sind gut für anspruchsvolle Staufahrten.

          Verlängertes Heck ohne Wachstum beim Achsabstand. Bilderstrecke

          Weniger erfreulich ist die Beschränktheit auf der technischen Charakterseite des langen RX: Weil Lexus als Markenkern auf den Mischbetrieb setzt, wird das geräumige SUV ausschließlich mit Hybridtechnik ausgerüstet. Und in Verbindung mit dem einst eher berüchtigten denn berühmten CVT-Getriebe. Es geht mittlerweile viel komfortabler und spontaner ans Werk, und die einstige Neigung des Hochdrehens ohne entsprechende Leistungssteigerung ist kaum noch anzutreffen. Dennoch mangelt es dem langen RX an Agilität und freudvoller Beweglichkeit. An der schieren Leistung kann es kaum liegen.

          Immerhin bringen es der Benziner-V6 mit 262 PS aus 3,5 Liter Hubraum und die beiden Elektromotoren (Leistung vorne 167 PS und hinten 68 PS) auf eine Systemleistung von 230 kW/313 PS. Damit kam der fast 2,3 Tonnen wiegende RX 450hL bei uns in etwa neun Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, und der Tacho zeigte maximal 191 km/h an, dann wurde abgeregelt. Dank Hybridtechnik wird der überwiegend frontgetriebene Lexus in bestimmten Betriebszuständen zum Allradler, denn der E-Motor hinten wirkt zum Beispiel bei abruptem Beschleunigen auf die Hinterachse. Die im großen Display anschaulich gezeigte Tätigkeit des mit Energiegewinnung durch Rekuperation aufwartenden Hybridantriebs blieb ohne Sensation. Wir errechneten einen Durchschnitts-Benzinkonsum von 9,2 Liter für 100 Kilometer. Auf Teilabschnitten waren 7,0 bis 7,3 Liter gute Minimalwerte, der Tank fasst 65 Liter.

          Auch in diesem schon nach WLTP geprüften Hybrid-Lexus wird die weit überwiegende Menge der Vortriebsenergie nicht durch Rekuperation, sondern durch das Verbrennen von Benzin erzeugt. Aber mit Fahrverboten in deutschen Städten wird man im RX 450hL wohl nicht rechnen müssen.

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