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Lexus LC 500 Cabriolet : Aus dem Traumland der Exoten

Haube, Hubraum, Hitze: Offen gestanden ein Lexus Cabriolet Bild: Hersteller

5 Liter Hubraum, 8 Zylinder, 100 Fans: In freudig blubbernder Erregung gleitet das Lexus LC 500 Cabriolet in die Abendsonne.

          2 Min.

          Nur gleich schon mal zur Einordnung: Lexus gehört zu Toyota. Das sind die japanischen Volkswagen, nur konservativer. Sie gehen dem Image nach nie kaputt und wirken immer ein wenig eingedöst.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dann fährt das LC 500 Cabriolet vor, und es prasseln Fragen auf den Fahrer nieder. Der selbst hat erst mal eine. Wer sonst kommt auf die Idee, die Tachoab­deckung oben mit Alcantara zu beziehen? Seit unser vom Lenkrad abgespreizter Finger zufällig dort gelandet ist, streichen wir ständig dort entlang auf der Su­che nach einer beiläufigen Berührung. Ob das erotisierend ist? Rhetorische Frage. Wie die nach dem, was nach dem An­lassen geschieht. Fünf Liter Hubraum, V8, Sauger, das gibt’s doch gar nicht. Und wie.

          Mit einem fauchenden Stoß meldet sich der Maschinenraum zum Dienst, fällt sodann in sanftes Brabbeln. Der Wählhebel der Zehngangautomatik muss ein Stückchen nach links gezogen werden, bis er im ersten Vorwärtsdrang einrastet. Gut, wer das weiß, sonst schaut man schon ein wenig deppert aus. 464 PS unter der nicht enden wollenden Haube, und es geht keinen Meter voran, gut, das passiert nur einmal. Nein, dieser Lexus ist nicht hybridisiert, nein, er fährt nicht elektrisch, ja, er produziert Gänsehaut am laufenden Band. Es ist kaum zu glauben, dass solch ein Auto kürzlich erst auf den Markt gekommen ist, und auch wenn es eigentlich für die an niedrigere Kraftstoffpreise gewohnte amerikanische Klientel konzipiert wurde, sendet es auch hierzulande Botschaften der Verführung. Ihr erliegen in Deutschland nur 100 Käufer im Jahr, kein Grund zur Aufregung also, wohl aber zur Erregung, und zwar zur freudigen.

          270 km/h sind bestenfalls drin Bilderstrecke
          Fahrbericht : Lexus LC 500 Cabriolet

          Der Achtzylinder ist ein Achtzylinder, mithin feinster Motorenbau mit unverwechselbarem Blubbern. Die meiste Zeit blubbert er so vor sich hin, mühelos versetzt er die 2,5 Tonnen in einen Schwebezustand und lässt sie durch die Abendsonne gleiten. Bisweilen reizen Gasfuß und manuelle Eingriffe über die Schaltpaddel, im höheren des zwischen 7000 und 9000/min errötenden Drehzahlbereichs geht akustisch und vom Vorwärtsdrang her ab, was gern als wie die Post bezeichnet wird. Angetrieben werden die Hinterräder, 270 km/h sind bestenfalls drin, nach 4,6 Sekunden fällt aus dem Stand die 100-km/h-Marke, beides eher von theoretischer Natur.

          Wichtiger ist die der ohnehin betörenden Linie zugutekommende Entscheidung für ein Stoffdach, das sich platzsparend ins Heck legt. Es benötigt hydraulisch betätigt dafür 15 Sekunden, das Ma­növer gelingt bis 50 km/h. Lexus hat die Technik in der Entwicklung ein wenig strapaziert und ist nach eigenem Bekunden nach 18.000 Öffnungs- und Schließvorgängen an die Bruchgrenze geraten. Bis dahin schützen vier Lagen vor Wind und Wetter und Geräuschen, und weil das Dach Origami beherrscht, nimmt es nichts vom Kofferraum weg. Der ist allerdings eher für Täschchen gemacht denn für Taschen, von der dynamischen Front bis zum zackigen Heck gehen die Kons­trukteure mit Raum verschwenderisch um.

          Das gilt auch für alle erdenk­lichen Annehmlichkeiten an Bord, der Zwei-Plus-Zwei-Sitzer ist bezogen mit feinstem Material bis in den letzten Winkel, nirgends treffen Auge oder Hand auf Nachlässigkeiten. Wohl aber auf eine Be­dienung, die sich im komplizierten Nirgendwo zwischen Touchpad und Tastendruck verliert.

          Wir haben 11,2 Liter Super im Durchschnitt verbraucht. 12,6 Liter lautet die Normangabe. Wie konnte das passieren? Sommer, Sonne, entspannende Gelassenheit der herrlichen Maschine. Fehlen nur noch 125.000 Euro zum Aufbruch ins Traumland der Exoten.

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