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Fahrbericht Škoda Citigo : Alles teurer macht der Mai

Škoda hatte den überarbeiteten Citigo iV im Herbst 2019 für 20.950 Euro ins Rennen geschickt. Doch damit ist es vorbei, zum 1. Mai stieg der Preis auf 24.990 Euro. Bild: Schmidt

Der Škoda Citigo ist ein hübscher elektrischer Stadtwagen mit knapper Reichweite und hohem Preis. Eine Sache ist besonders ärgerlich.

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          Mit den praktisch baugleichen Seat Mii und VW Up bildet der Škoda Citigo iV ein Stadtflitzer-Trio von 3,60 Meter Kürze. Seit geraumer Zeit gibt es die drei Miniwagen aber nur noch als Elektriker, Škoda hatte den überarbeiteten Citigo iV im Herbst 2019 für 20.950 Euro ins Rennen geschickt. Doch damit ist es vorbei, zum 1. Mai stieg der Preis auf 24.990 Euro. Selbst unter Berücksichtigung der Elektroautoförderung und eines Endpreises von 18.420 Euro erschreckt dieser Aufschlag. Dafür gibt es allerdings die beste und nun einzige Version mit Climatronic, Sitzheizung, Tempomat, elektrischen Fensterhebern, Spurhalteassistent, Audioanlage sowie Aluminium-Felgen. Dazubestellen kann man fast nichts mehr. Was es gar nicht gibt, sind Dinge wie Totwinkelwarner, adaptiver Tempomat, Rückfahrkamera oder Lederausstattung. Fürs Navigieren ist das Smartphone zuständig, ein Halter ist inklusive.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Immerhin sind vier Türen vorhanden, der Kofferraum fällt mit 250 Liter Volumen größer aus als vielleicht erwartet. Auf der Rückbank nehmen aber besser nur zwei Kinder Platz, nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Lehne bleibt eine dicke Stufe im Laderaum. Zwar ist der Innenraum eher frugal gehalten mit etlichen blanken Blechen in Wagenfarbe, aber dennoch fehlt es dem kleinen Škoda nicht an Charme. Die hübsche Farbe „Kiwigrün“ (180 Euro extra) ist schon die halbe Miete. Dass die beiden hinteren Türen nur Ausstellfenster haben, sei erwähnt. Und gestartet wird altmodisch per Schlüssel, die Instrumente sind analog.

          Der Elektromotor mit seinen 212 Newtonmeter Drehmoment und 61 kW (83 PS) Leistung schiebt mächtig an, es macht Spaß, mit dem Citigo durch die City zu wuseln. Unter Volllast drehen sogar die angetriebenen Vorderräder durch. Gut 1,2 Tonnen wiegt das Wägelchen, davon gehen 300 Kilo auf die 35,8-kWh-Batterie im Fahrzeugboden, so wird der Nutzraum nicht eingeschränkt. Dass unser bevorzugtes Fahrprofil „Eco“ immer wieder neu eingestellt werden muss, wie auch die erste von drei verschiedenen Rekuperationsstufen, ist ärgerlich.

          Gut 1,2 Tonnen wiegt das Wägelchen.

          Und eines haben wir noch gelernt: Mit der angegebenen Reichweite sollte man im alltäglichen Stadtverkehr eigentlich zurechtkommen, doch wer auch nur in die Nähe der 252 Kilometer will, muss gut aufpassen. So wurde unsere Sparfahrt bei kühlen fünf Grad und starkem Regen auf flacher Autobahn plötzlich ein Problem. Gut 200 Kilometer galt es zu absolvieren, einmal runter und wieder rauf die A 5, vom Büro aus. Obwohl nur mit 100 km/h statt wie sonst mit 120 km/h unterwegs, wurde es am Schluss sehr eng. Strammer Gegenwind nach dem Wendepunkt auf halbem Weg war offenbar das Problem. Plötzlich schmilzt der Akku-Stand über Gebühr. Statt nur zehn Prozent der Leistung werden mit einem Mal 20 Prozent gebraucht. Als Frankfurt drei Kilometer weiter entfernt ist als die angezeigte Reichweite, geht es mit gedrosseltem Tempo weiter. Erst mit 90, später mit 85 km/h. Ab Darmstadt steht der Tempomat dann auf 78 km/h. Die Lastwagen hinter uns mögen das gar nicht.

          Schließlich retten wir uns mit fünf Kilometer Restreichweite in die Redaktions-Tiefgarage zur Wallbox. 208 Kilometer waren es letztlich, fünfeinhalb Stunden dauert das anschließende Laden mit maximal 7,2 kW am Wechselstrom. Der 100er-Durchschnitt dieser Tour beläuft sich auf 17,2 kWh, das entspricht dem Gesamtschnitt. Die Normangabe beträgt 12,8 kWh. Laden an der einfachen Steckdose dauert übrigens bis zu 15 Stunden, beide Kabel gehören zum Lieferumfang. Der Citigo kann zudem mit Gleichstrom die Akkus füllen, dann dauert es mit 40 kW Ladeleistung weniger als eine Stunde, bis 80 Prozent Akku-Füllung erreicht sind. Das nötige Kabel hängt an der Station.

          Es bleibt dabei: Die Entscheidung für ein Elektroauto will gut überlegt sein. Wo kann ich laden? Wie ist mein Fahrprofil? Genügt die Steckdose? Passt all das, dann überzeugt der bis zu 130 km/h schnelle Citigo iV durchaus.

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