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Kawasaki Versys 1000 : Luxustourer aus der grünen Hexenküche

  • -Aktualisiert am

Ausflug ins Grüne: Versys 1000 SE, Reisemobil nach Art von Kawasaki. Bild: Hersteller

Sämtliche Zutaten rein in den Topf: Kawasaki hievt die Versys 1000 auf ein neues Niveau. Ein gelungener Antrieb und ein gleichermaßen agiles wie stabiles Fahrwerk passen gut zum Konzept.

          Sie haben sich längst zu den Sporttourern der Gegenwart entwickelt, die im englischen Sprachgebrauch sogenannten Sports Adventure Bikes. Gemeint sind damit kompakte, mit relativ langen Federwegen ausgestattete, hochpotente Touren-Motorräder für die Straße, die für ihre Fahrer eine aufrechte und damit entspannte Sitzposition bereithalten. Zu ihnen zählt die Kawasaki Versys, seit inzwischen zehn Jahren als 650er, etwas kürzer auch als Tausender angeboten. In den Augen der Kawasaki-Marktstrategen jedenfalls lange genug, um dieses Modell gründlich zu überarbeiten.

          Die neue Generation erhält in der in Deutschland wohl stärker gefragten SE-Version nun alles, was die giftgrüne Entwicklungshexenküche zu bieten hat: Das Spektrum des (serienmäßig!) Gebotenen reicht vom Kurven-ABS über ein semiaktives Fahrwerk und LED-Vollausstattung bis zum neigungsgesteuerten Kurvenlicht.

          Freilich, das sei vorweggeschickt, lässt sich Kawasaki die außergewöhnlich umfangreiche Ausstattung der SE-Variante – es gibt, für 12.995 Euro, auch eine Basisversion – auch gut bezahlen: 16.395 Euro stehen dafür in der Preisliste und will man gar die „Grand Tourer“-Variante mit Topcase, Nebelleuchten und ein paar weiteren Kleinigkeiten, sind sogar 17.495 Euro fällig. Wir reden also nicht von einem Discountangebot. Wer die volle Schüttung an modernster Technik sucht, um – gerne zu zweit – bestens motorisiert auch lange Tagesetappen zu absolvieren, wird Kawasakis grüne Allzweckwaffe mit der sehr markanten Frontpartie in die Prüfung einbeziehen müssen.

          Eine Besonderheit unter den Sports Adventure Bikes stellt schon mal der 1043 Kubikzentimeter große Vierzylinder-Reihenmotor dar; diese Motorengattung ist in dieser Klasse überaus rar. 120 PS (88 kW) leistet das akustisch sehr präsente, aber niemals lästige Triebwerk bei 9000 Umdrehungen, bei gut 100 Newtonmetern liegt das maximale Drehmoment. Dank der sehr feinfühligen Gasannahme und der insgesamt guten Durchzugskraft ist es eine Freude, im Bereich zwischen 2000 und etwa 6000 Umdrehungen unterwegs zu sein – und dann noch den Nachbrenner dazuschalten zu können. Ein runder, gelungener Antrieb, der die Fähigkeiten des Motorkonzepts eindrucksvoll präsentiert. Mit vom Bordcomputer signalisierten 5,5 Liter Benzin für 100 überwiegend recht zügig gefahrene Kilometer ist der Spritverbrauch kein Drama. Der 21-Liter-Tank macht also lange Etappen möglich.

          Gut zum Konzept passt das gleichermaßen agile wie stabile Fahrwerk. Insbesondere auf schlechten Straßen wird die elektronische Dämpferregelung als Segen empfunden. Gut, dass die Grünen diese Technik nicht ihrem Kompressor-Supertourer H2 SX vorbehalten, sondern auch dem Versys-Fahrer diesen Genuss bieten. Trotz ihres stattlichen Gewichts von 257 Kilogramm erscheint die Tausender in der Hand des Fahrers nicht als schwerer Brocken. Leicht hüpft sie auf den serienmäßigen Hauptständer. Als Musterstück an Wirksam- und Dosierbarkeit zeigt sich die Dreischeiben-Bremsanlage mit Blockierschutz auch in Schräglage.

          An der Versys gibt es nur Kleinigkeiten zu meckern

          Und weil zudem die Sitzposition ausgesprochen gut passt und die Bedienung der meisten Hebel und Schalter logisch oder zumindest schnell erlernbar ist, gibt’s an der Versys nur Kleinigkeiten zu meckern. Die umständliche Verstellung des an sich guten Windschilds gehört dazu, und eine automatische Blinkerrückstellung wäre im Top-Touringmodell keineswegs als Luxus empfunden worden.

          Ansonsten liefert die Kawasaki Versys so gut wie alles, was das Fahren vergnüglich und sicher macht. Gespannt darf man sein, ob sich die Zielgruppe mit dem spitznasigen, sehr ausdrucksstarken Design der Versys 2.0 anfreunden kann. Den Versuch in Form einer Probefahrt ist es zumindest wert.

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