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Kawasaki Ninja H2 SX SE : Green Porsche Killer

Bild: Kawasaki

Kawasaki stellt mit der Ninja H2 SX SE ein einzigartiges Stück Technik in die Verkaufsräume. Nicht um Vernunft geht es, sondern nur darum: Zeigen, was geht.

          4 Min.

          Verrückte Kerle haben sie bei Kawasaki. Daran gibt es keinen Zweifel. Doch wenn nicht bei Kawasaki, wo denn sonst? Erstaunlich, wie jung manche von denen sind, die im Konzern die Verantwortung für ein Projekt übertragen bekommen. Typen wie Hiroyuki Watanabe: korrekte Brille, akkurater Haarschnitt und das höfliche Auftreten eines Musterschülers mit Einsen in Mathematik und Sozialverhalten. Aber, mannomannomann!

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Hauptständer und Launch Control, Koffer und Kompressor hat sonst noch niemand unter einen Hut gebracht. Watanabe und seine Mit-Verrückten taten genau das, als sie sich zum Ziel setzten, ein Reisemobil zu entwerfen, das zugleich eine Rakete ist, mit abenteuerlichem Beschleunigungsvermögen und 299 km/h Höchstgeschwindigkeit. Selbst mit angehängten Seitenkoffern gilt kein Limit. Das zeugt von viel Vertrauen in die Konstruktion des schnellsten Sporttourers der Welt, eines einzigartigen Motorrads, das wie ein Shinkansen klingt, wenn es unter Volllast vorbeirauscht, und zudem pfeift und zwitschert wie ein ornithologisches Wunder.

          Als vor etwa drei Jahren eine Kawasaki-Delegation mit Motorrädern durch Europa tourte, um die Gepflogenheiten auf hiesigen Straßen zu erkunden, wurden die Japaner auf der deutschen Autobahn von einem Porsche abgehängt. Das hat sie beeindruckt, aber es gefiel ihnen nicht. Daher präsentieren sie nun die Ninja H2 SX SE, die 22 000 Euro kostet. Damit soll einem so etwas nicht passieren.

          200 PS Nennleistung produziert ihr 1000-Kubik-Reihenvierzylinder, der von einem Kompressor beatmet wird. Von der gefräßigen Schnauze der Maschine aus führt ein mächtiger Luftkanal links unterhalb des 19-Liter-Tanks entlang fast geradlinig zu dem Lader, der über die Kurbelwelle angetrieben wird und dessen Verdichterrad mit der zehnfachen Kurbelwellengeschwindigkeit rotiert, bei einer Motordrehzahl von 10 000/min beispielsweise mit 100 000 Umdrehungen in der Minute. Unter bestimmten Umständen bringt das eine Vervielfachung des Erlebniswerts mit sich.

          200 PS Nennleistung produziert ihr 1000-Kubik-Reihenvierzylinder. Bilderstrecke
          200 PS Nennleistung produziert ihr 1000-Kubik-Reihenvierzylinder. :

          In der Motorradwelt stellt der Kompressor eine Rarität dar. Kawasaki führte die Technik 2015 mit der 56 000 Euro teuren, mehr als 300 PS starken H2R ein, dem Wahnsinn auf zwei Rädern. Eine zahmere, fahrbarere Version, die H2, wurde auf 210 PS gedrosselt. Davon stammt nun der Kompressor-Motor des Sporttourers ab, im Hinblick auf die geforderten Allroundfähigkeiten der Maschine in wesentlichen Dingen angepasst. Veränderungen betrafen diverse Motorkomponenten, das Ansaugsystem und nicht zuletzt den Impeller. Davon fertigten die Ingenieure 30 Prototypen, ehe sie endlich zufrieden waren. Das kompressortypische Pfeifen und Zwitschern verstärken sie durch ein „Sound-Loch“ im Luftkanal. Was sein muss, muss sein.

          Eine Verlagerung der Schubkraft in untere Drehzahlregionen, wo es im wahren Leben gilt, sowie eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs auf akzeptables Niveau waren wichtige Entwicklungsziele. Bei moderater Fahrweise soll der Kompressor-Express mit weniger als sechs Liter Superbenzin auf 100 Kilometer auskommen. Man kann mit ihm durchaus gemütlich und genüsslich dahingleiten, schaltfaul durch die Landschaft schwingen, den Weg zur Arbeit bewältigen. Dafür bietet es sich an, die Leistung über Knopfdruck auf 75 oder 50 Prozent zu zügeln.

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