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Fahrbericht Jaguar XE P250 : Mit dem britischen Gefühl für Lässigkeit

  • -Aktualisiert am

Der Jaguar XE P250 Bild: Hersteller

Der Jaguar XE P250 stellt sich als gute Alternative zum deutschen Trio aus Audi A4, 3er-BMW und C-Klasse von Mercedes-Benz heraus. Das beginnt schon beim Kauf.

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          Für ein stilvolles Leben mit dem Automobil gibt es nach Ansicht unseres Nachbarn nur wenige Karosserieformen. Dazu zählen der zweisitzige Sportwagen (als Coupé oder Cabriolet) und die viertürige, mitunter absichtlich statt mit fünf, auf vier Plätze limitierte Stufenheck-Limousine. Keineswegs zufällig bilden diese Erscheinungsformen des Automobils den Kern der britischen Marke Jaguar. Dass sie zurzeit erfolgreich sportliche SUV baut und verkauft, bestätigt diese Annahme eher, als sie zu widerlegen.

          Wer an den nachbarschaftlichen Grundsätzen zweifelt, dem raten wir zu einer Tour mit einem jüngeren Jaguar. Und es kann durchaus die Basis-Limousine sein. Sie stellt sich als gute Alternative zum deutschen Trio aus Audi A4, 3er-BMW und C-Klasse von Mercedes-Benz heraus. Das beginnt schon beim Kauf, wobei es nicht auf ein paar Euro-Tausender ankommen darf. Es hatte sich aktuell der Preis des von uns gefahrenen Einsteiger-Jaguar XE S auf günstige 43.271 Euro gestellt.

          Das Anfang 2019 erfolgte Revirement hat dem im Jahr 2014 gestarteten XE etliche Verbesserungen eingetragen. Es gibt mehr Möglichkeiten zur Individualisierung. Das gesamte Entertain- und Infotainment-System wurde überarbeitet, es steht kabellose Aufladung bereit, und die Qualität von Materialien und Verarbeitung liegt auf einem höheren Niveau. In der ersten Generation sorgte der Wählknopf für die Automatik auf dem Tunnel in der Mitte für skurriles Flair, er musste aber dem konventionellen Wählhebel aus dem Sport-Jaguar XF weichen. Ausschließlich potente Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum für Diesel- oder Otto-Verfahren wurden dem XE in jeder Version beschert, was im Vergleich mit den früheren Sechszylindern überhaupt kein Nachteil ist. Denn die 250-PS-Maschine geht von direkter Benzineinspritzung und dem Abgasturbolader unterstützt mit einer gewissen Leichtigkeit ans geschmeidige Werk und wird erst jenseits von 4500 Umdrehungen in der Minute vom Geräuschpegel her etwas lästig.

          Zu den Stärken der etwa 4,70 Meter langen Limousine gehören Federungskomfort und agile Fahrpräzision. Bilderstrecke
          Fahrbericht : Jaguar XE P250

          Aber so hoch muss niemand den kultiviert laufenden Benziner drehen. Schon von 1300 bis 4500/min schiebt das gut tarierte Drehmoment mit 365 Newtonmetern an, und die famose ZF-Achtgangautomatik hat in jedem der vier möglichen Fahrprogramme die richtige Antwort. Wir waren meist im mild klingenden Eco-Modus unterwegs und haben nur in besonderen Momenten zum Sport-Programm und zum händischen Wählen der Fahrstufe gegriffen. In etwa sieben Sekunden ließ sich der über die Hinterachse angetriebene Testwagen aus dem Stand auf 100 km/h bringen, maximal waren die versprochenen 250 km/h zwar möglich, aber 200 bis 220 km/h sind einfach gemütlicher. Im Schnitt waren für 100 Kilometer 9,6 Liter verbraucht worden, 8,2 Liter für ein Reisetempo von 120 bis 140 km/h und 10,4 Liter je 100 Kilometer bei schärferem Fahren.

          Zu den Stärken der etwa 4,70 Meter langen Limousine gehören Federungskomfort und agile Fahrpräzision. Wirklich hart und unhöflich reagieren Dämpfer und Federung nur auf Grobheiten, Querfugen sind zwar zu vernehmen, sie verlieren aber auf dem Weg ins Innere ihren schüttelnden Schrecken. Mit hoher Munterkeit akzeptiert der etwas mehr als 1,6 Tonnen wiegende Jaguar XE P250 Kurven jeglicher Art und bleibt dabei mit katzenhafter Lässigkeit in der Spur. Dafür sorgt die raffinierte Verteilung des Drehmoments in Kurven. Weil die Motorkraft über die Radbremse des kurveninneren Hinterrads dosiert verringert wird, entsteht eine begrenzte Tendenz zum Übersteuern.

          Mit der Folge einer frechen und dennoch soliden Leichtigkeit des Kurvenfahrens. Dass der Fahrer zum Wohl seiner Passagiere auf unserer Fahrstrecke im Spessart in Kurven Verzicht übte, gehört auch zu dem Stil-Paket, das der überarbeitete Jaguar XE P250 mit sich führt. Und dass die Anhängelast 1800 Kilo betragen darf, wird hier nur für akribische Naturen erwähnt. Unser Nachbar käme nie auf die Idee, seinen bereits etwas älteren Jaguar mit einer Anhängekupplung zu belästigen.

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