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Hobby Optima Ontour Edition : Mit ein bisschen Luxus in die weite Welt

  • -Aktualisiert am

Nur keine Experimente: Äußerlich bietet der Hobby das gewohnte Bild eines Wohnmobils. Bild: Kirchberger

Das Reisemobil Hobby Optima Ontour Edition auf Basis des Citroën-Jumper überzeugt durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch gibt es einen Haken? Wir haben es ausprobiert.

          Das kleine Städtchen Fockbek in Schleswig-Holstein ist kaum der Rede wert. Touristische Attraktionen finden sich kaum, zu weit entfernt liegt es von Nord- und Ostsee. Aber Harald Striewski hat hier 1967 ein Wohnwagenwerk gegründet und es bis an die Spitze der Branche geschafft. Längst trägt die Straße, an dem der Unternehmenssitz verortet ist, seinen Namen, und längst zählen auch Reisemobile zum Portfolio von Hobby. Anfang 2019, auf der CMT in Stuttgart, haben die Fockbeker in bewährter Manier einen Akzent gesetzt und das teilintegrierte Reisemobil Optima Ontour Edition vorgestellt. 6,78 Meter lang, serienmäßig bestückt mit üblicherweise teuren Extras wie Leichtmetallrädern, TV-Satellitenanlage, Navigationssystem, Rückfahrkamera und einer Markise, rollt der mit zwei Betten ausgestattete Camper auf einem Citroën-Jumper-Chassis, das ein 2,3-Liter-Diesel mit 130 PS antreibt. Das alles kostet relativ schlanke 50.600 Euro. Gibt es einen Haken?

          Wir sind der Sache nachgegangen, waren fast zwei Wochen mit dem jüngsten Hobby-Spross unterwegs. Ausprobiert wurde die Version V65GE, die zwei Längsbetten über der üppigen Garage im Heck hat. Die Variante V65GQ zum gleichen Preis setzt auf ein Doppelquerbett hinten, bietet dafür einen hochgesetzten Kleiderschrank statt in der Bettenbasis, versteckte Garderoben und eine zusätzliche Seitensitzbank auf Höhe der Dinette in Wagenmitte. Im Übrigen entspricht der Grundriss dem Standard in dieser Klasse. Beide Sitze im Fahrerhaus, dessen Scheiben nachts mit Remi-Kassettenrollos verdunkelt werden, lassen sich drehen und machen so aus dem Zweier-Ensemble eine Tafelrunde für vier. Die Polster sind bequem und angenehm straff.

          Gegenüber findet sich die Küche mit dreiflammigem Gaskocher, Spüle und einem großen, 140 Liter fassenden Kühlschrank. Sie ist jedoch mit nur einer rollengelagerten Schublade ausgerüstet, und die reicht über die gesamte Breite hinweg. Weil der Durchgang nur 47 Zentimeter misst, muss ein arger Hungerhaken sein, wer sie davor stehend zur Gänze ausziehen will. Auch herrscht hier Gedränge, wenn es zum Gegenverkehr auf dem Weg von der Koje zur Kommandobrücke kommt. Wie auf dem Nord-Ostsee-Kanal, wenn sich zwei schwere Pötte begegnen, muss einer in eine Ausweichbucht manövrieren, um den anderen passieren zu lassen. An Bord des Hobby Optima finden diese sich im Waschraum oder der Sitzbank der Dinette. Die Kombüse bietet reichlich Stauraum, nur der Platz für den Stehendtransport von Flaschen ist wie so oft nicht vorgesehen. Die Anrichtfläche lässt sich mit einer Verlängerung vergrößern, auch der Tisch der Dinette bietet diese Option.

          Den ersten Ausstattungs-Glanzpunkt setzt der Flachbildschirm mit einer Diagonale von 22 Zoll, er gehört ebenso wie Satellitenantenne mit sich automatisch ausrichtender Schüssel zum Serienstandard. Hinter der Wand, an der er befestigt ist, schließt der Waschraum an. Für eine separate Dusche hat es hier nicht gereicht, stabile Klappwände aus Plexiglas erlauben aber dennoch großes Brausevergnügen, zumal die Wasserpumpe einen druckvollen Strahl erzeugt. Ein Wandschrank mit sinnvoller Aufteilung und eine drehbare Kassettentoilette komplettiert die Einrichtung des Hygieneabteils. Der Weg ins Bett fällt leicht, eine zweistufige Treppe erleichtert den Einstieg. Allerdings sollten große Camper auf ihre Köpfe achten, denn die umlaufenden Dachstaukästen sind zwecks Platzgewinnung eher niedrig montiert, der erste Morgen im Optima dürfte für manchen durch eine ebenso ungewollte wie schmerzhafte Berührung beim Aufstehen getrübt werden. Eine 230-Volt-Steckdose fehlt im Schlafbereich ebenso wie Ablagen. Wohin mit der Brille oder dem Medizinbeutel? Dafür müssen die Dachstaufächer geöffnet werden. Bei der Bettenwahl ist ebenfalls die Größe entscheidend. Das linke bietet Maße von 1,95 mal 0,80 Meter, das rechte ist neun Zentimeter kürzer. Reichlich Stauraum findet sich in der von beiden Seiten zu beladenden Heckgarage. Hier haben Fahrräder und anderes Sportgerät ihr Zuhause, auch die Reiseausstattung wie Auffahrkeile oder Kabeltrommel kommen hier gut unter. Die Teleskopkurbel zum Ausfahren der serienmäßigen, 3,50 Meter breiten Markise hängt ordentlich in Klemmhaken an der inneren Garagenwand. Viel Komfort bringt der nebendran eingebaute Rollenauszug für zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen. Selbst die hintere Flasche kann leicht getauscht werden, sie versorgen bei Bedarf außer dem Kühlschrank die Truma-Heizung-Kombi, die auch heißes Wasser bereitet. Bis auf einen Defekt des elektrischen Antriebs der Trittstufe am Einstieg gab es keine Ausfälle, die Verarbeitung des Hobby Optima ist tadellos.

          Konstruktiv missraten ist allein die Entsorgung des Abwassers. Der Deckel vorm Abflussrohr des beheizten Tanks zeugt nicht von intensiver Hingabe der Entwickler. Der mit einem Bajonettverschluss befestigte Plastikhut lässt sich zwar leicht entriegeln und entfernen, baumelt dann aber, gehalten von einem Sicherungsbändel aus Kunststoff, direkt unter dem Ablaufstutzen. Wer nun dessen Ventil öffnet, wird Zeuge einer unkontrollierten Verunreinigung des Deckels mit Spül-, Dusch- und Waschwasser. Anschließend muss der wieder auf den Stutzen geschraubt werden, lecker.

          Der Optima Ontour Edition ist trotz seiner kleinen Nickeligkeiten ein überaus attraktives Angebot. Die Strategie der Hobby-Komplettausstattung geht auf. Für den Kaufpreis des Hobby bekommt der Wohnmobilist anderswo gerade mal eine mickrige Grundausstattung. Bei den Fockbekern nicht.

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