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Fahrbericht Haibike : Stiller Fortschritt am steilen Anstieg

Da bist du Blatt: Das etwas spezielle Haibike S-Duro auf Testfahrt. Bild: Holger Appel

Das elektrische Mountainbike Haibike S-Duro Full Seven hat einen neuen Motor von Yamaha. So fährt sich die vollgefederte Geländemaschine gehobeneren Ausstattungsgrades ohne Extravaganzen.

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          Man kann den Kauf eines elektrischen Mountainbikes zur Wissenschaft erheben. Nehmen wir Haibike. Der zur Schweinfurter Winora-Gruppe zählende Hersteller hat rund fünfzig Modelle im Angebot, und wir vermuten, nahezu jeder verliert darob den Überblick. Es gibt mithin die Möglichkeit, sich einem Fachhändler anzuvertrauen oder der Empfehlung eines Freundes zu folgen. Wir taten Letzteres, dort ist ein S-Duro Full Seven LT 6.0 im Einsatz, mithin eine vollgefederte Geländemaschine gehobeneren Ausstattungsgrades ohne Extravaganzen und mit 27,5-Zoll-Bereifung, deswegen „Seven“. Die 29er-Serie heißt folglich „Nine“. Das Rad erfordert unverbindliche 4500 Euro, und weil erst Januar ist, versuchen wir uns auch an der um den Jahreswechsel herum regelmäßig auftauchenden Frage: Tut es nicht auch das in der Regel günstigere Modell aus dem Vorjahr? Im Falle dieses Haibikes würden wir sagen: Jein.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Lackierung ändert sich jede Saison, am 2020er Rahmen erkennen wir indes keine Neuerung. Das Full Seven fuhr und fährt unspektakulär gut. Im 6.0 leistet sich Haibike eine seltene Antriebseinheit. Sie stammt von Yamaha, ein Exot in der Brose-Shimano-Bosch-Welt. Bosch gibt es an Haibikes auch, dann wäre das 7.0 zu wählen, sodann auch mit Sram-Schaltwerk statt des hier verbauten Shimano Deore XT, wie gesagt, Überblick zu behalten ist eine Kunst.

          Der Motor im geprüften 6.0 also stammt von Yamaha und zeigte bislang zwei Auffälligkeiten: Er ist laut und schnell, im langen Anstieg immer einen Hauch flotter als die Konkurrenz, was den Abgehängten nervt. Derweil surrte das Maschinchen erbärmlich. Das ist mit dem neuen PW-X2 anders. Er ist frisch herausgekommen und deutlich leiser als sein Vorgänger. Außerdem ist die Leistungsentfaltung harmonisiert worden, die Fachleute sprechen von einer Anpassung der Kadenz, wodurch er nun auch mit hoher Trittfrequenz viel Leistung bringt. Neu an Bord ist zudem ein Automatikmodus, der mit Hilfe von Sensoren selbsttätig die Intensität der Unterstützung einsteuert, ähnlich dem E-MTB-Modus von Bosch.

          Der funktioniert derart gut, dass man der Automatik nach kurzer Zeit vertraut und nur noch dann eingreift, wenn der Mensch sieht, was der Automat nicht ahnen kann, Steilhang voraus etwa. Nicht eliminiert haben die Japaner das im Pedal deutlich spürbare Anfahrruckeln, warum das nicht in den Griff zu bekommen ist, bleibt uns ein Rätsel, alle anderen können es. Ansonsten bereitet der Antrieb einige Freude, mit 250 Watt und 80 Nm ist er zupackend und flott. Er macht das Haibike locker 25 km/h schnell. 23 Kilogramm wiegt das Rad mit Alurahmen, das zulässige Gesamtgewicht beträgt 120 Kilogramm, arg stämmige Mannsbilder müssen mithin aufpassen.

          500 Wh hat der Akku, das ist Standard. Er sitzt auf dem Rahmen auf, was praktische Vorteile hat, aber modisch mehr und mehr ins Abseits fährt. Die Ladebuchse unten links ist gut zugänglich, steckt dort allerdings im Dreck. Ihre Kunststoffabdeckung steht bald ab. Und der Ladestecker rastet nur in einer bestimmten Stellung ein, das führt regelmäßig zu Fummelei. Auch eine Besonderheit sind zwei Kettenblätter vorn, das kleinere haben wir genau einmal an einer Steilwand gebraucht. Der Trend geht klar zu einem Blatt vorn, der Motor zieht ohnehin alles weg. Erfreuen würde uns ein hübscherer Tacho, er ist nunmehr besser ablesbar als früher, versprüht aber immer noch null Sexappeal. Das Rad indes sehr wohl, so man ein unspektakulär gutes in der oberen Mittelklasse sucht. Falls jemand extremere Kaliber bevorzugt, es gibt ja noch 49 weitere Möglichkeiten.

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