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Geländewagen Mercedes G 500 : Das ist die G-rönung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Dieser Goliath muss keinen David fürchten. Der Mercedes-Benz G 500 kommt wirklich überall hin. Wir konnten ihn bei seiner Jungfernfahrt in der Sierra Nevada erleben. Nur eine Hürde muss er noch nehmen.

          Mehr G geht nicht: Der 6×6 ist gewaltiger, und der 65er hat mehr Kraft – aber kein anderes G-Modell in der Mercedes-Palette ist so dynamisch wie der neue 4×4 ² – und zwar egal, auf welchem Untergrund.

          Was dieses Auto zur Krönung der G-Klasse macht, sind vor allem die Portalachsen. Die kennt man zwar schon vom Unimog und vom dreiachsigen Wüstenschiff 6×6. Doch erst bei dem um einen guten Meter und eine Achse gekürzten Zauberwürfel kommen sie so richtig zur Geltung. Denn so fügen sich die mehr als verdoppelte Bodenfreiheit und das handliche Format zu einer glücklichen Einheit, die kaum mehr Grenzen kennt. Eine Gemse jedenfalls ist nichts gegen diesen G.

          Noch bevor sich der 4×4 ² als kolossaler Blickfang von 2,25 Meter Höhe und 2,10 Meter Breite aufs glatte Messeparkett in Genf begab und dort auf dem Mercedes-Stand mit dem neuen Pullman einen Kampf der Giganten probte, konnten wir ihn zur Jungfernfahrt in der Sierra Nevada ausführen und die Vorzüge des einzigartigen Konzepts eindrucksvoll erleben.

          Mit mehr als 200 km/h über die Autobahn

          Dass dieser Koloss zum König der Berge taugt und Steilhänge schneller erklimmt als weiland Luis Trenker, das glaubt man ihm unbenommen. Dass es einen bei 50 Zentimeter Bodenfreiheit nicht einmal an den Fußsohlen kitzelt, wenn man mit ihm durch eine Fichtenschonung pflügt; und man umsonst nach den Gummistiefeln greift, wenn er Wasserläufe von einem Meter Tiefe durchwatet – all das ist imposant, aber nicht überraschend.

          Eng dürfen die Wege bei 2,10 Meter Breite nicht sein.

          Sondern was man diesem G viel weniger zugetraut hätte, das ist sein aufrechter und ausgesprochen zielstrebiger Gang auf dem Asphalt. Im leichten Drift um die Kurven, mit Verve über eine enge Pass-Straße oder mit Vollgas und mehr als 200 km/h über die Autobahn – da wirken die um 30 Zentimeter breite Spur, die doppelten Verstelldämpfer aus dem Rallye-Sport und der zweite Radsatz mit 22- statt 18-Zöllern Wunder. Denn wo der normale G selbst in der AMG-Version bisweilen ungemütlich und bockig wird, bleibt der 4×4 ² die Ruhe selbst. Kein Wunder, dass Gunnar Güthenke, der Leiter des Produktbereichs in Graz, von der Quadratur des Kreises spricht und der G-Klasse mit Bedacht die Potenz ans Typenkürzel gehängt hat.

          Die einzige Mercedes-Benz-Klasse ohne Verfallsdatum

          So behende der Gigant aus Graz durchs Vorgebirge klettert und so schnell er über die Straße stürmt – eine Hürde muss die potenzierte G-Klasse allerdings noch nehmen. Und zwar nicht in den Bergen, sondern im Büro. Denn noch nennt Baureihenchef Güthenke das Riesenbaby beharrlich ein „Showcar“, man wollte in Genf die Publikumsreaktionen abwarten. Diese waren außerordentlich gut. Den Scheichs und Oligarchen und allen, die mit ausreichend Barschaft munitioniert sind, hat der ultimative G mehr als gefallen. Da braucht es keine prophetischen Fähigkeiten, um dieser Geschichte ein Happy-End vorauszusagen – zumal der 4×4 ² gegenüber dem immerhin rund 150 Mal verkauften 6×6 so handlich ist, dass man ihn durchaus auch in Europa fahren kann.

          It is showtime, Baby: Auch im Stand macht und hat der neue G eine gute Figur.

          „Happy End“ ist allerdings ein Stichwort, das Güthenke im Zusammenhang mit der G-Klasse sonst gar nicht gerne hört. Nicht dass er nicht „happy“ wäre. Schließlich hat der Dinosaurier 2014 in seinem 36. Jahr – mal wieder – einen Absatzrekord erzielt und wurde rund 14.500-mal verkauft. Doch „Ende“ hat der Bereichsleiter aus seinem Sprachschatz gestrichen und feiert die G-Klasse als einzigen Mercedes-Benz ohne Verfallsdatum. Während es für alle Baureihen von der A- bis zur S-Klasse einen ausgeklügelten Cycle-Plan gibt, fährt die G-Klasse einfach immer so weiter: „Wir hatten schon so oft das Produktionsende terminiert. Aber danach wurde das Datum genauso oft verschoben, dass wir jetzt gar keines mehr festlegen.“

          Mit neuem V8-Motor

          Dass die G-Klasse anders als etwa der Land Rover Defender offenbar einen ewigen Bestandsschutz hat, hat einen einfachen Grund: „Wir sind immer mit der Zeit gegangen“, sagt Güthenke und tut das auch beim aktuellen Modell. Nicht umsonst steckt unter der Haube kein gewöhnlicher AMG-Motor, sondern ein neuer V8, der im 4×4 ² seinen Ersteinsatz hat. Abgeleitet von Vierliter-Biturbo aus dem AMG GT, soll er mit 422 PS und bis zu 610 Newtonmeter Drehmoment jetzt schrittweise auch in den Personenwagen-Baureihen verbaut werden.

          So ein Berg ist doch keine Herausforderung.

          Egal ob neue Motoren, Assistenzsysteme oder Firlefanz wie einen W-Lan-Hotspot und klimatisierte Sitze – den Charakter des Klassikers hat Daimler dabei aber nicht verwässert. Und das soll es auch in Zukunft nicht geben, verspricht Güthenke: Weder bei so spektakulären Sonderserien wie dem 4×4² , noch bei der Ausstattung oder dem Design. Die fingernagelmordenden Türgriffe gehören deshalb genauso zur G-Klasse wie das Untersetzungsgetriebe, die drei Differentialsperren und das kantige Design, das dem Wind jede Menge Angriffsfläche bietet. Sollen die Ingenieure doch nach sanften Linien schreien. Auf diesem Ohr ist Güthenke taub: „Bevor die G-Klasse rund wird, bekommt die Erde Ecken.“

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