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Fahrbericht Ford GT : Erbe eines Ego-Trips

  • -Aktualisiert am

Der GT40 kostet 550.000 Euro und wird nur 1350 Mal gebaut. Bild: Hersteller

Der Ford GT war der Schrecken der Ferrari. Die Neuauflage wird wegen der hohen Nachfrage nun länger gebaut als geplant.

          Der Ford GT ist nicht nur ein atemberaubender Supersportwagen, auch seine Entstehungsgeschichte vermag zu faszinieren. Denn seine Existenz verdankt der spektakuläre Bolide eigentlich der Fehde zwischen zwei mächtigen Männern, nämlich Henry Ford und Enzo Ferrari. Nach dem Rückzug der amerikanischen Automobilhersteller aus dem Motorsport im Jahr 1957 beschloss Ford fünf Jahre später, doch wieder im internationalen Rennsport mitzumischen.

          Den dominierte zu dieser Zeit Ferrari. Was lag da näher, als sich für die größtmöglichen Erfolgsaussichten gleich die gesamte italienische Sportwagenschmiede einzuverleiben? Die Kaufverhandlungen mit Enzo Ferrari liefen zunächst gut an, scheiterten 1963 dann aber letztendlich wohl am Ego der beiden Kontrahenten. Ferrari auf europäischen Rennstrecken zu besiegen, wurde nun zum erklärten Ziel Henry Fords, der nun sein eigenes, ehrgeiziges Sportprogramm auflegte.

          Das gipfelte 1964 in der Entwicklung des Rennwagens GT 40, der tatsächlich den Ferrari davonzog und 1966 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans – damals das wichtigste Rennen der Welt – gleich die drei vordersten Plätze belegte. Aus dem 4,7-Liter-V8 mit 380 PS für die Rennstrecke entwickelte Ford eine nur unwesentlich zivilere 335 PS starke Straßenversion des GT 40. 40 deshalb, weil die extrem flache Flunder genau 40 Inch (102 Zentimeter) hoch war. Nur 134 Exemplare (Renn- und Straßenwagen) wurden zwischen 1964 und 1968 gebaut. Kein Wunder, dass der kaum mehr verfügbare amerikanische Oldtimer heute als nahezu unbezahlbar gilt.

          Der Motor sitzt wie beim historischen Vorbild in der Mitte. Bilderstrecke

          Ein halbes Jahrhundert später tüftelten ausgewählte Eingeweihte im Keller des Ford-Designstudios im amerikanischen Dearborn unter absoluter Geheimhaltung an der Entwicklung eines neuen Supersportlers nach dem Vorbild des legendären GT 40, wieder mit Mittelmotor und Heckantrieb. Der 4,76 Meter langen und inklusive Außenspiegeln 2,24 Meter breiten, aerodynamisch ausgefeilten Karbonflunder wurde ein 3,5-Liter-Biturbo mit 600 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment eingepflanzt. Tatsächlich konnte der neue Ford GT nach exakt 50 Jahren 2016 den Triumph von Le Mans wiederholen und einen Sieg in seiner Klasse erringen.

          Seit Ende 2016 gibt es auch von ihm eine Straßenversion mit Rennwagen-DNS, die bis zu 347 km/h schnell ist. Sie hat nach oben hin öffnende Türen sowie Cockpit und Lenkrad wie in der Formel 1. Ursprünglich hatte Ford die Produktion auf 1000 Exemplare in vier Jahren, also bis 2020, begrenzt. Aufgrund der enormen Kundennachfrage hat der Hersteller jetzt noch einmal nachgelegt: Bis Ende 2022 sollen für die Welt insgesamt 1350 Ford GT ausgeliefert werden. Um eines der begehrten, 550 000 Euro teuren Objekte zu ergattern, können sich entsprechend betuchte Interessierte bis Anfang Dezember bewerben.

          Der nachgewiesene Besitz des ein oder anderen historischen Ford-Modells vergrößert die Chancen. Der Supersportler bleibt aber ein äußerst seltener Gast auf unseren Straßen: Nur elf GT gingen bisher überhaupt nach Deutschland, für das kommende Jahr ist kein einziger eingeplant und auch 2020/21 jeweils nur maximal 15 Stück.

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