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Fahrbericht Ford Galaxy : Tief im Universum des Reisens

  • -Aktualisiert am

Der Ford Galaxy bringt die halbe Mannschaft zum Auswärtsspiel Bild: Hersteller

Womöglich ist der Ford Galaxy Titanium im Jahr 2017 eine der zwei besten Großraumlimousinen für alle und alles. Er ist die seriöse Alternative zum Trendmobil SUV.

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          Aus der Klasse der größeren Formate hat sich Ford in Deutschland längst zurückgezogen. Granada und Scorpio sind Geschichte, sie blieben ohne Nachfolger. Die Position des Marken-Flaggschiffs hat ein Langstreckenfahrzeug eingenommen: Einsam ist es um den vor rund 22 Jahren gestarteten Ford Galaxy deswegen nicht geworden, denn die jüngeren Typen C-Max und S-Max flankieren ihn, und er ist noch immer eine Bastion im Gerangel mit den aufstrebenden SUV-Modellen.

          Allerdings hat die jüngste Generation mit dem ersten, aus einer Liaison mit VW geborenen Jahrgang außer dem Namen nicht viel mehr gemeinsam. Der Testwagen Galaxy Titanium 2.0 TDCi mit 180 PS (132 kW), also bestes Ausstattungsniveau in Kombination mit dem zweitstärksten Diesel, wird von Ford mit 40 315 Euro geführt. Zehn Positionen umfasste zusätzlich die Wunschausstattung, unter dem Strich türmten sich dann 50 540 Euro auf. Aber der Galaxy ist auch ohne galaktischen Aufwand, jedoch mit allen charakterlichen Vorzügen zu haben: Ab 33 310 Euro mit Benzinmotor und 160 PS fährt der große Wagen in der Basisversion vor, Leistung, Luxus und eine hochwertigere Materialwahl haben im Titanium eben ihren Preis.

          Nach dem Hochklappen öffnet sich ein Universum des Transports

          Womöglich ist der Galaxy im Jahr 2017 eine der zwei besten Großraumlimousinen für alle und alles. Da fügen sich die feinen Extras zum Gesamtbild eines Fahrzeugs, das besonders mit inneren Qualitäten und einer neuen äußeren Schönheit überzeugen kann. Gutgetan haben ihm die sportlicher und technoid wirkende Frontpartie mit dem an Aston Martin erinnernden Kühlergrill sowie eine muskulöse Straffung des gesamten Aufbaus. Eine einzige, schärfere Kante durch die Türgriffe hindurch schnallt den Galaxy-Gürtel enger, und die dunkel getönte, seitliche Fensterfront wird von schmalen Dachpfosten kaum gestört.

          Dominiert wird das Heck von den großen, ovalen Leuchten (eine Erinnerung an das Ford-Logo) und der riesigen Heckklappe, die bis in die abschließende Prallfläche reicht. Nach ihrem Hochklappen öffnet sich ein Universum des Transports und des Reisens: Im Laderaum logieren unter ebenem Boden zwei vollwertige Sitze, sie sind mit wenigen Handgriffen aktiviert (für 180 Euro sind sie elektrisch klappbar), dann bietet der Galaxy sogar Platz für sieben, und das müssen nicht Zwerge sei. Alle Sitztiefen und -breiten sind von guten Dimensionen, Polster und Verstellung lassen keine Wünsche unerfüllt, die hohe Qualität der Sitze ist die Basis der feinen Langstrecken-Eigenschaften. Außerdem zeigt sich im Detail, dass Ford gut ist im Mitdenken: Zum Belegen der hintersten Reihe klappt man den äußeren der drei mittleren Sitze rasch nach vorne, er senkt sich ab und schmiegt sich zum Teil unter den Vordersitz, eine kleine Trittfläche bietet sich an, einfacher war der Weg für die Hinterbänkler noch nie.

          Der Zugang zu den Plätzen Reihe drei, Nummer sechs und sieben gestaltet sich würdevoller als in manchem Konzertsaal. Freilich schrumpft durch den Wandel vom Fünf- zum aktiven Siebensitzer der Stauraum, auch im Galaxy wird nicht gezaubert. Fünfsitzig liegt die Stautiefe bei 110 Zentimetern, siebensitzig sind es nur noch 32 Zentimeter, die Öffnungsbreite bleibt mit 114 Zentimetern unverändert hinter der weit über Stehhöhe hinaufschwingenden Heckklappe. Mit einem Stauvolumen von 330 bis 2330 Liter fährt der Galaxy-Eigner jeder Transport-Herausforderung selbstbewusst entgegen. Dabei helfen vor allem der durchzugstarke und sparsame Zweiliterdiesel und ein komfortabel-agiles Fahrwerk.

          Mit erwähnten 180 PS und einem Drehmoment von 400 Nm wird der Galaxy (Leergewicht 1,8 Tonnen, Nutzlast rund 800 Kilo) aus dem Stand in etwa zehn Sekunden auf 100 km/h gebracht. Knapp 210 km/h Spitze sind möglich, der sechste Gang lässt den Diesel bei 120 km/h mit etwa 2000/min zufrieden schnurren, entspanntes Reisen hat zwischen 130 und 180 km/h seinen schönsten Auftritt. Da gleitet der fast fünf Meter lange Galaxy mit der hohen Spurtreue des routiniert abgestimmten Fronttrieblers und mit geringen Fahrgeräuschen über jene Distanzen, die gar nicht lang genug sein können. Und er darf bis 2000 Kilo Anhängelast bewegen. Bei einem Reiseverbrauch von 6,3 Liter für 100 Kilometer entstehen schöne Reichweiten, insgesamt kamen wir auf 7,8 Liter im Durchschnitt, inklusive Kurzstrecke und Messfahrten.

          Wenn wir richtig gezählt haben, dann ist der Galaxy jetzt in der fünften Generation unterwegs. Seine SUV-Rivalen Ford Kuga und Edge mögen trendiger und cooler sein. Wer noch mehr Platz benötigt, die feinere Federung mag und die Seriosität ohne Langeweile schätzt, der landet beim Galaxy. Er ist im neuen Design das größere Ford-Format für die Zukunft.

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