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Fahrbericht Ford Focus ST : Sternstunde der Vergesslichkeit

Der neue Ford Focus ST Bild: Hersteller

Ford entfesselt im Focus ST recht kompromisslose 280 PS. Das Auto geht wie der Teufel. Und wenn eine Farbe passt, dann ist es Race-Rot oder, heißer, Tropical-Orange.

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          Freunde knackiger Kompaktwagen fahren unter dem Eindruck der drei Buchstaben GTI. Die Macht von Volkswagen ist allgegenwärtig, doch es gibt ein paar Aufmüpfige. Neuerdings mischt Hyundai mit dem Buchstaben N mit, Seat lanciert gar die eigene Submarke Cupra, es scheint also was drin zu sein. Ford, obgleich meist sprödere Pflaumen backend, schickt zum Zwecke der Marktanteilseroberung seinen Focus ins Rennen. Der ist schon von Haus aus mit einem entschlossenen Fahrwerk gesegnet, und wenn die Ingenieure alles noch ein Stückchen fester ziehen dürfen, entsteht ein ST. Den gibt es in diversen Varianten, als Benziner oder Diesel und als Kompakten oder Kombi, doch wir ersparen dem Interessenten die Verzweiflung im Dschungel des Konfigurators und empfehlen ohne Rückfrage bei ihrem Arzt oder Apotheker: 2,3 Liter Ecoboost, 6-Gang-Schaltgetriebe, 280 PS.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Kombination macht aus dem Focus eine, wir wissen nun, wofür das Kürzel steht, STernstunde kompromissloser Ausrichtung auf das, was gemeinhin unter Sportlichkeit verstanden wird. Der Focus geht wie der Teufel. Brabbeln und Blubbern wird, etwas albern, über die Lautsprecher in den Innenraum gespielt, aber der ST mischt dies alles in sympathischer Art ohne Krawall und macht einfach Spaß.

          Außer den Bandscheiben. Die sind in den Recaro-Sitzen unter rennfahrerischen Gesichtspunkten sauber gefangen, doch das Sportfahrwerk reicht alles durch, was die Straße hergibt. Die adaptiven Dämpfer bemühen sich zwar um den Erhalt rudimentären Komforts auf Schleichfahrt, und tatsächlich kann man mit diesem Focus auch zum Aldi fahren, aber wer ST wählt, muss wissen, worauf er sich einlässt.

          Kompromisslose Ausrichtung auf das, was gemeinhin unter Sportlichkeit verstanden wird. Bilderstrecke

          Tempo 100 fällt dank kontrolliertem Katapultstart nach 5,7 Sekunden, und die Vorderräder haben trotz elektronischen Sperrdifferentials hin und wieder Mühe, die bis zu 420 Nm auf die Straße zu bringen. Noch beeindruckender ist freilich, wie die rund 10 Liter auf hundert Kilometer verfeuernde Maschine in jedem Gang zieht und zieht und durchzieht. Bei 250 km/h ist Schluss, doch schon von etwa 160 an trifft der im Rhythmus der Fahrbahnoberfläche zitternde Finger die Stationstasten am Radio nicht mehr.

          Das Gebiss sei in Ordnung, alle Plomben fest, hat der Zahnarzt noch gesagt, beruhigend. Falls der Daumen die „Sport“-Taste am Lenkrad erwischt, wird alles noch eine Spur härter, was eigentlich unvorstellbar klingt. Leute, wenn schon, denn schon, nehmt Race-Rot oder, heißer, Tropical-Orange. 39.890 Euro kostete der Testwagen, einschließlich Lizenz zum Vergessen von Alltag und GTI.

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