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Fahrbericht Fairline F 33 : Verstehen die Spaß?

  • -Aktualisiert am

Die Fairline F 33, erstes Sportboot des britischen Herstellers, will vor allem spielen. Bild: Wanke

Fairline hat einen Namen als Hersteller großer Yachten. Können die auch klein? Bei der sportlichen F 33 geht es weniger ums Wohnen als ums reine Fahrvergnügen.

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          Am Ende der „Boot“ in Düsseldorf im Januar feierte Fairline Rekordabschlüsse. Die britischen Edelyachten verkauften sich bestens. Das war nicht immer so. Vor gut vier Jahren stand das Unternehmen noch am Abgrund. Russische Investoren stiegen ein und initiierten einen Neustart. Seit Herbst 2017 reißen die Neuvorstellungen nicht ab. Mit der F-Line 33 geht die Werft neue Wege, denn bisher begann die Modellpalette erst bei 45 Fuß.

          Mit der F-Line 33 wird ein neues Marktsegment angepeilt, mit dem nebenbei auch „Einsteigern“ der spätere Aufstieg zu den Großyachten der Marke schmackhaft gemacht werden soll. Dem Designer Alberto Mancini, der gleich nach der Übernahme für die Gestaltung der neuen Yachten verpflichtet wurde, hat die Werft wohl auch ins Lastenheft geschrieben, dass die anvisierte Kundschaft spaßorientiert ist und auf moderne Linienführung steht. Beide Charaktereigenschaften wurden der Neuentwicklung eindeutig in die Wiege gelegt. Ähnlich deutlich lässt sich das bei Booten gleicher Größenordnung jedenfalls nur selten finden. Die F-Line 33 kommt im Stil schnittiger, aber kleinerer Sportboote daher und nicht als Wohnung auf dem Wasser – obwohl die Yacht durchaus bewohnbar ist. Wer einen Blick unter Deck wagt, ist überrascht über den Wohnkomfort, den die schnittige Silhouette gar nicht vermuten lässt.

          Ihrem Ruf, hochwertige, überdurchschnittlich gut verarbeitete Boote zu produzieren, wird die Werft auch im Fall des Neulings gerecht. Das reflektiert sich natürlich im Preis. Der lautet 356 870 Euro für Grundausstattung und Spitzenmotorisierung – die Konfiguration, in der wir Probefahrten unternehmen konnten. Dass die neue Linie weiterentwickelt wird, war schon in Düsseldorf zu sehen, denn da wurde die Version mit Außenbordmotoren präsentiert. Bleibt Raum für kleinere oder größere Schwestern.

          Ein bisschen Wohnwagen: unter Deck Bilderstrecke
          Fahrbericht : Fairline F 33

          Eine gute Idee fällt gleich beim Betreten der Yacht über die Badeplattform ins Auge. Denn die lässt sich manuell – auf Wunsch auch per Knopfdruck – hochklappen und bildet damit die hintere Bordwand. Neu ist diese Idee zwar nicht, denn bei Segelyachten wird das Prinzip schon länger verwendet, bei Motorbooten ist die Lösung aber bisher selten zu finden. Weniger durchdacht ist dagegen das Prinzip der abnehmbaren Badeleiter, die in einem Stauraum deponiert wird. Wer das Einhängen vor dem spontanen Sprung ins kühle Nass vergisst, hat ein Problem.

          Das Mobiliar an Deck ist zentral angeordnet. Der Gang nach vorne kann also auf beiden Seiten erfolgen. Zunächst stößt man hier auf eine Sitzgruppe mit gegenüberliegenden Polsterbänken und einem Tisch in der Mitte. Der ist auch in einer elektrisch absenkbaren Variante bestellbar, wobei dann durch Umlegen der Rückenlehnen die Lücke gefüllt wird und eine große Liegefläche zum Sonnenbaden entsteht. Davor sind eine Wetbar mit Spülbecken und ein Kühlschrank montiert. Ein zweiflammiges Elektrokochfeld und ein Gefrierschrank können in Verbindung mit einem Generator oder Lithium-Akku zusätzlich geordert werden.

          Der vordere Teil des Cockpits wird durch den Kommandostand bestimmt. Die Grundausstattung besteht aus Motorinstrumenten samt Multifunktionsanzeigen sowie einem Kompass. Joystick-Steuerung und großes Multifunktionsdisplay gehören zum Wunschkonzert. Die Glas-Windschutzscheibe fällt durch die schnittige Linienführung niedrig aus und bietet bei flottem Tempo nur wenig Schutz vor dem Fahrtwind. Auf Scheibenwischer wurde gleich ganz verzichtet. Dank hoher Bordwände ist die Crew bei schnellen Fahrmanövern recht sicher. Ein paar Haltegriffe wären dennoch von Vorteil.

          Für den Weg aufs Vordeck haben sich die Konstrukteure eine eigenwillige Lösung ausgedacht. Zwei Türen mit raffinierten Scharnieren geben den Weg auf die sehr schmalen Gangborde nach vorne frei. Griffe gibt es aber auch hier nicht, und es fehlt die Reling. Immerhin kann die als Extra bestellt werden. Darunter leidet zwar das dynamische Design, aber man bewegt sich sicherer auf dem Vorschiff, wo weitere Liegepolster warten.

          Erstaunlich viel Platz bietet der Wohnbereich unter Deck mit fast 1,90 Meter Stehhöhe und einer V-förmigen Polstersitzgruppe, auf Wunsch in zusätzliche Kojen zu verwandeln. Eine Tür gibt dann den Weg in die Unterflur-Eignerkabine frei. Die ist zwar mit nur 1,30 Meter Höhe recht flach, macht aber mit einer 2,00 mal 1,55 Meter großen Doppelkoje einen durchaus gemütlichen Eindruck. Eine separate Nasszelle mit Waschbecken, Elektro-WC und Dusche ergänzt das Ensemble. Elektrische und manuelle Bilgepumpen, komplette Feuerlöschtechnik und Notausstiegsluk sind vorhanden.

          Um Baunummer 1 in Fahrt zu bringen, bolzte die Werft zwei Volvo Penta V8-430 samt Z-Antrieben mit Doppelpropellern in den Maschinenraum. Mercruiser-Maschinen mit gleicher Leistung sind wahlweise erhältlich. Wer es moderater mag, kann sich auch Benziner vom Typ Volvo Penta V6-240 oder Selbstzünder der Baureihe D3-220 desselben Herstellers montieren lassen. Die V-8-Benziner mit 6,2 Liter Hubraum sorgen mit je 430 PS (321 kW) mächtig für Schub und einen entsprechenden Spaßfaktor. In nur sieben Sekunden ist bei 2500 Umdrehungen und 11,7 kn (22 km/h) die stabile Gleitfahrt erreicht. Der 680-Liter-Tank reicht nach Abzug einer 15-prozentigen Reserve bei effizienter Marschgeschwindigkeit von 24,5 kn (45 km/h) mit 3500 Touren für eine Distanz von 186 Seemeilen (344 Kilometer). Die Vollgasmessung endete wegen rauher See knapp vor der Nenndrehzahl bei flotten 47 kn (87 km/h). Dass an der Feinabstimmung noch gearbeitet wird, zeigten die Fahrmanöver mit enger Kurvenfahrt, denn da zogen die Propeller über 4000 Umdrehungen Luft. Bei leicht reduziertem Gas ließen sich aber saubere Vollkreise mit einem Durchmesser von vier Bootslängen fahren.

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