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Fahrbericht Expeditionstrailer : Wohnraum gibt es überall

Campen in der Wildnis, dort, wo es Spaß macht. Bild: Hersteller

Auch abseits befestigter Wege lässt es sich gut übernachten. Wer dafür etwas Komfort haben möchte, wählt am besten den Expeditions-Trailer.

          Werbung kann zum Anbeißen sein. Zum Beispiel im Fernsehen die für den Urlaub mit Caravan. Freiheit ohne Grenzen, die Sonne lacht, und am Ufer des Sees mit Blick auf die Berge ergötzt sich das junge Glück vor seinem Camper an der Einsamkeit. Da möchte man glatt auch hin, doch die Sache hat einen Haken: Solche Plätze gibt es nicht. Jedenfalls nicht in zivilisieren Regionen, die von hier aus im Jahresurlaub erreichbar wären. Stattdessen gibt es zwischen Ätna und Inarisee für den Wohnmobilisten Frust auf überfüllen Campingplätzen, und wo es schön ist, darf man sich nicht hinstellen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für die Flucht in die freie Natur außerhalb europäischer Pisten braucht es mehr, vor allem ein geeignetes Fahrzeug, in dem es sich wohnen lässt. Die üblichen Caravans scheiden aus, ihnen fehlt das Durchsetzungsvermögen im rauen Gelände, und selbst mit Allradantrieb ist jenseits der Schotterwege rasch Schluss. Pick-ups sind da schon talentierter, eine Kabine huckepack treibt aber den Schwerpunkt nach oben, deshalb fährt sich die Kombination im Gelände grausig, außerdem ist es im Häuschen arg eng. Was bleibt, wäre ein ausgebauter Unimog oder Ähnliches, die Kosten sind aber entsetzlich, und man ist stets mit einem Lastwagen unterwegs.

          Oder man behält seinen Offroader, freut sich über den Haken und hängt einen Wohnanhänger dran. Das hat eine Reihe von Vorteilen und auch ein paar Schattenseiten, wovon noch die Rede sein wird. Als erfreulich verbuchen wir, dass man den Hänger auch wieder abhängen kann, mit dem Zugfahrzeug bleibt der Urlauber am Zielort mobil. So etwas bietet außerdem relativ viel Platz, und falls es mal Schrott gibt, lässt der Havarist sein Schneckenhaus stehen und kommt wenigstens mit dem Geländewagen nach Hause. Den Schrott gibt es freilich allzu schnell, sobald der Asphalt verlassen ist. Für den Ausflug ins Gelände sind Wohnwagen nicht gedacht, selbst wenn sie so aussehen, Fahrwerk und Aufbau machen die Belastungen nicht mit.

          Ein geländetaugliches Fahrzeug braucht man ebenso. Bilderstrecke

          Es sei denn, das Vehikel ist von vornherein für einen solchen Einsatz vorgesehen. Versuche, einen stabilen und geländegängigen Wohnanhänger zusammenzubauen, gab es schon verschiedentlich, sie sind allesamt wieder von Markt verschwunden – bis auf ein von Outdoor-Tüftler Volker Lapp konsequent konstruiertes Gerät, das wir vor drei Jahren vorgestellt haben (Technik und Motor vom 27. Oktober 2015). Seitdem wurde weiterentwickelt, das vorläufige Endergebnis ist unter der Bezeichnung Expeditions-Trailer 340 beim Produzenten VL Outdoor Karlstein erhältlich. Änderungen sind vor allem ins Fahrwerk eingeflossen. Der Rahmen besteht jetzt aus laserverschweißtem doppeltem C-Profil, alle Anbauteile sind verschraubt und können leicht ausgetauscht werden – notfalls auch durch ähnliche Komponenten, für die Parabelfedern und die Dämpfer lassen sich mehrere Anlenkpunkte wählen, so dass es irgendwie passt. Was es nicht mehr gibt, ist ein Kabinenaufbau aus verschweißten Waben aus Polypropylen. Die sind zwar leicht und nahezu unzerstörbar, isolieren aber nicht so gut wie die jetzt ausschließlich verwendete Konstruktion aus geschäumten Sandwichplatten von drei Zentimeter Stärke.

          Die halten Kälte ab, davon konnten wir uns in ein paar Tagen mit dem Trailer überzeugen. Zuvor muss man freilich erst das mobile Heim durch den Eingang in Hüfthöhe erklimmen, und weil der Autor dieses Textes im Sommerurlaub die Einstiegshilfe seines privaten Wohnwagens an einem Parkplatz hat stehen lassen, plädiert er für einen ausklappbaren Tritt, den es gegen Aufpreis gibt. Drinnen geht es so geräumig zu, wie man es auf 3,40 Meter Länge erwarten kann. Die Einrichtung besteht aus leichtem Pappelsperrholz, das mit diversen Dekors geliefert werden kann, überhaupt legen die Outdoor-Spezialisten viel Wert auf Leichtbau. So kommt es, dass der Hänger trotz des schier unverwüstlichen Fahrwerks mit leerer Kabine zum Selbstausbau nur 630 Kilo auf die Waage bringt. Bis zu 50 Stück könnten im Jahr produziert werden, erklärt Stefan Beise, der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, die Kapazitäten sind ausgebucht. Wer jetzt bestellt, bekommt den Anhänger im Frühjahr. Handarbeit und geringe Stückzahlen geben Raum für individuelle Ausstattung – gerade entsteht ein noch höher gelegtes und etwas breiteres Vehikel, das künftig von einem Mercedes-Benz G 4×42 mit Portalachsen gezogen wird. Das hat eine trickreiche Tür für den Toilettenraum neben dem Eingang, die geöffnet den Sanitärbereich gegen den Wohnraum abschließt, der Lokus ist also zu, wenn die Tür offen ist.

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