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Fahrbericht DS 3 E-Tense : Prickelnde Momente

  • -Aktualisiert am

Menage à trois: Der DS 3 hat enge Verwandte bei Opel und bei Peugeot. Bild: Hersteller

Im elektrischen DS 3 E-Tense sind knapp 300 Kilometer Reichweite gut für den Alltag. Trotz seiner engen technischen Verwandtschaft zu den anderen PSA-Gesellen soll er als eigenständiges Premium-Modell auftreten.

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          Diese Verbindung sollte prickeln wie Champagner: Raffinierte Elektro-Mobilität und mutige Exklusivität. Tatsächlich fächelt ein feiner Hauch von Zukunft mit elitärer Interpretation von sinnlichem Fahren heran. Das beginnt schon vor dem Start: Lautlos gleiten bei Annäherung die Türgriffe aus ihrer Ruhestellung. Das ist eine delikate Begrüßung. Jeder hofft, sie mögen auch wieder eingezogen werden, was sie tatsächlich auch tun. Geboten wird das natürlich in einem französischen Auto aus dem Programm einer noch jungen Nebenmarke: Unter der Buchstabenkombination DS liefen einst göttinnengleiche Citroën-Limousinen im Zeichen des Doppelwinkels. Schließlich wurde im mütterlichen PSA-Konzern eine Edelmarke vermisst und DS dazu erklärt, seit 2016 existiert DS in der amtlichen deutschen Zulassungsstatistik. Aktuell besteht DS auf dem deutschen Markt aus zwei Baureihen, dem kompakten DS 3 und dem größeren DS 7, beides viertürige Crossback-Versionen im zivilen SUV-Gewand und mit eigenständigem Design sowie dem Einsatz von Technik aus dem PSA-Konzern.

          Das ist auch für den seit Jahresanfang erhältlichen, rein elektrisch angetriebenen DS 3 Crossback E-Tense verbindlich. Trotz seiner engen technischen Verwandtschaft zu den anderen PSA-Gesellen Opel Corsa E sowie Peugeot E 208 soll der DS 3 Crossback als eigenständiges Premium-Modell auftreten. Dafür sprechen zurzeit vor allem ein paar eigenwillige Design- und Ausstattungs-Details sowie eine ambitionierte Preisgestaltung: Mit dem DS Connect Nav bei einem Grundpreis von 38.390 Euro kam der E-Tense-Testwagen in der zweitbesten Ausstattungslinie „So Chic“ auf 39.240 Euro. Eine günstigere DS-3-Alternative mit Elektroantrieb gibt es nicht. Damit sind die elektrischen Corsa E und der E 208 in ihren Basisversionen jeweils rund 8000 Euro billiger, ohne Berücksichtigung unterschiedlicher Ausstattungen. Noch günstiger lockt die DS-3-Benzinversion mit Achtgang-Automatik und 130 PS: 29 590 Euro Grundpreis locken. Es geht ein 1,2-Liter-Dreizylinder ans Werk, der immerhin 230 Newtonmeter maximales Drehmoment bieten kann. Diese Werte übertrifft der E-Tense deutlich: 100 kW (136 PS) liegen an und ein sofort zur Verfügung stehendes Maximal-Drehmoment von 260 Nm. Das verleiht dem 1,6 Tonnen schweren Auto gehörige Mengen an französischem Temperament. Bei unseren Fahrprüfungen waren 100 km/h aus dem Stand in knapp zehn Sekunden erreicht, 150 km/h Tacho-Spitze sind realistisch. Aber sie sind für den DS-Connaisseur unnötig, denn er begnügt sich mit geschmeidigen 130 km/h und delektiert sich an anderen Eigenschaften und Eigenheiten.

          Die viertürige Crossback-Version im zivilen SUV-Gewand. Bilderstrecke

          So fügen sich das ruckfreie Fahren (weil ohne Getriebestufen), das angenehme Federungsverhalten, fast in der Nähe eines schwereren Wagens, das tückenfreie Kurvenkratzen des Fronttrieblers und sogar die Konsumgewohnheiten der Elektrotechnik zu einer äußerst harmonischen Einheit.

          Wobei die optimistische WLTP-Messung zum Verbrauch und der elektrischen Reichweite keineswegs störend ist: An die versprochenen 320 Batterie-Kilometer rückten wir nur einmal bei unserer Sparfahrt heran. Bei 16,6 kWh für 100 Kilometer wurde eine Reichweite von 301 Kilometer signalisiert. Im Durchschnitt kamen wir auf 18,4 kWh auf 100 Kilometer, daraus errechneten sich 272 Kilometer als Reichweite, was eine glaubwürdige Ansage für den Alltag ist. Meist haben wir den DS E-Tense in der heimischen Garage an der 230-Volt-Steckdose aufgeladen. Das kann schon mal fast zehn Stunden dauern, aber über Nacht ist das die bequemste Möglichkeit. Am liebsten rollt der E-Tense in der Null-Stellung des Fahrpedals frei entkoppelt dahin. Das Rekupieren gelingt nur in einer einzigen Stufe. Doch die Designer-Bemühungen im Innenraum bieten jede Menge prickelnder Momente.

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