https://www.faz.net/-gy9-9qfns

Spaßgerät Ryker : Flotte Dreier

Bulliger Auftritt: Die Breite des Ryker bringt viele Einschränkungen mit sich. Bild: Hersteller

Spaßgerät für abenteuerlustige Autofahrer: Der Ryker fährt auf nur drei Rädern. Im Gelände hat er nichts zu suchen, aber Schotterpisten sind sein Element.

          4 Min.

          Der erste Eindruck prägt zuweilen das ganze künftige Miteinander. Euer Merkwürden, da fehlt doch was? Nein, wir meinen nicht das linke Hinterrad, der Ryker wird von Can-Am als Dreirad verkauft, das muss so sein. Vermisst wird der Handhebel am Lenker vor dem Gasdrehgriff. Wer Zweiräder fährt, möchte spontan daran ziehen, um die Fuhre zum Stehen zu bringen, greift aber ins Leere. Stattdessen gibt es ein Pedal, auf das der rechte Fuß trampeln muss, um Wirkung zu erzielen, und sonst nichts. Das weist schon auf die Zielgruppe hin, der Ryker möchte von Autofahrern gekauft werden, die ihn mit ihrem Führerschein fahren dürfen, eine Handbremse zusätzlich wäre uns trotzdem lieber. Da nützt auch der Kipphebel nichts, der im Stand dafür sorgt, dass das Dreirad nicht davonrollt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Ryker ist der kleine Bruder des Spyder, der seit einem Jahrzehnt im Angebot, aber ein seltener Gast auf unseren Straßen ist. Beide sehen aus wie ein amputiertes Quad. Wie fährt sich so etwas? Seltsam. Das geht schon mit dem Startritual los. Plastikhülse mit Chip auf einen Knubbel unter dem Tank stecken, Gasgriff nach vorn drehen aktiviert den Anlasser. Der linke Fuß legt am Schalthebel unter Krachen den Rückwärtsgang ein, die automatische Kupplung antwortet beim Anfahren mit einem deftigen Schlag. Der Kollege Motorradfahrer will sich gar nicht erst daraufsetzen, er murmelt etwas von Schwachsinn, das Ding kombiniere die Nachteile von Zwei- und Vierrad: Stillstand im Stau, kein Parken am Fußweg, kein Schutz vor Wind, Regen und rüpelhaften Autofahrern, Helmpflicht. Und vor allem fehlt ihm wohl, dass er sich nicht in die Kurve legen kann.

          Der Kollege, der sich für fast alles begeistern kann, findet dagegen sein Gutes: Der Fahrer sitzt tief und bequem im Freien, lenkt mit einer Stange wie auf dem Motorrad und kann die Füße auf den Rasten lassen. Zwischen den zwei Schranken der hauseigenen Tiefgarage passt der Ryker gerade so durch, das spart Zeit. Dass keiner weiß, wohin mit der Parkscheibe, geschenkt – wir wollen ja fahren und nicht stehen. Ob es ein Vorteil ist, wenn vorn kein Nummernschild hängt, sei einmal dahingestellt. Und die Seitenneigung gibt es durchaus, nur halt aus der Sicht harter Motorradler in die falsche Richtung. In der Kurve hebt sich das innere Vorderrad weit aus der Federung – Obacht, gleich landet das Insekt auf dem Rücken, es fehlt ja das äußere Hinterrad, an dem es sich abstützen kann. Es kippt aber nicht. Gefühlt ist das spektakulärer als für den Zuschauer, der Anfänger ist stets etwas langsamer unterwegs als gedacht, das kommt der Sicherheit zugute. Der Eindruck liegt irgendwo zwischen Schneemobil, Motorrad mit Seitenwagen und starkem Quad, der Ryker ist aber (vorn) breiter und länger als jenes.

          Zwei Motorisierungen: Der sportliche 900 und der ... Bilderstrecke

          Mit der Zeit wird der Pilot mutiger, aber selbst in der flott angefahrenen Haarnadel ist der Reifen kaum dazu zu bewegen, den Bodenkontakt zu verlieren, vorher schiebt das Dreirad über die Vorderräder nach außen. Mit etwas Übung lassen sich ansehnliche Kurvengeschwindigkeiten erreichen. Derweilen freut sich der Fahrer über sportliche Ertüchtigung, stete Verrenkung in der Hüfte hält geschmeidig, der Gegenzug im Lenker kräftigt den Oberarm, das nervöse Zappeln in Geradeausfahrt hält ihn wach. Hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn zählen darob nicht zu den beliebtesten Übungen. Und noch eines lernt der Dreiradfahrer rasch: Durch Schlaglöcher mit einem der weich gefederten Vorderräder zu fahren, das dicke Rad hinten in der Mitte trifft sie sonst ganz gewiss und schickt derbe Schläge ins Kreuz.

          Weitere Themen

          Au dreia

          Trike von Harley-Davidson : Au dreia

          Wir hatten eine Verabredung mit der Teuersten aller Harleys. Doch am Tag vor unserer geplanten Proberunde kam ein Kollege aus Indien vom rechten Weg ab.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.