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VW Touran 2.0 TDI Comfortline : Mehr Mut zum Familienauto

Der neue Volkswagen Touran: Ein frischer Wind weht in der Neuauflage des Familien-Volkswagens. Bild: Hersteller

Minivans sind nicht mehr so gefragt. Alle Welt kauft SUV, doch wenn es um den Transport von Mensch und Material geht, ist man im Minivan viel besser aufgehoben. Der neue VW Touran setzt Maßstäbe.

          Bei VW werden alle froh sein, wenn das Jahr 2015 endlich zu Ende ist. Der Dieselskandal zerrt an den Nerven. Das waren noch Zeiten, als diese Zeitung vor 13 Jahren (28. Dezember 2002) über das Glück der türkischen Familie Turan berichten konnte, die seit 1972 in Deutschland lebte und seit Beginn der 1990er Jahre einen recht florierenden Handel mit gebrauchten Autoteilen betrieb. Weil Turan in der Türkei so häufig ist wie bei uns Meier, Müller oder eben Schmidt, ließen die Turans ihren Namen im Dezember 2000 beim Deutschen Patentamt als Wortmarke schützen. Erst kurz vor der Marktpremiere des VW Touran, der den Erfolgen der kompakten Minivans vom Schlage eines Renault Scénic oder Opel Zafira nacheifern sollte, wurde den Hausjuristen in Wolfsburg gewahr, dass sie ein Namensproblem hatten.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun, mit zwei neuen Touran, einem neuen Touareg und einem sechsstelligen Eurobetrag für die Abtretung der Markenrechte wurde das Problem aus der Welt geschafft. Peanuts im Vergleich mit Dieselgate. Natürlich nicht für die Turans. Das war wie ein Lottogewinn für die Familie. Für VW hat sich die Investition in den Namen aber gelohnt. 2003 kam der Touran, und wie fast immer, wenn sich VW in ein neues Marktsegment begibt, war der kompakte Minivan schnell Marktführer in Deutschland. Bis heute sind fast zwei Millionen Einheiten gebaut worden.

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          Größter Kritikpunkt am Touran war bisher immer das eher müde Design. Jetzt weht in der Neuauflage des Familien-Volkswagens ein frischer Wind. Klare Kante wird gezeigt, dennoch hat der Wagen Pep, und vor allem geht das scharfe Design nicht zu Lasten des Innenraums. Aus nur 4,53 Meter Länge holt der VW so ziemlich das Maximale heraus. Fast 2000 Liter Ladevolumen sind möglich. Und das Ladegut darf bis zu 1,80 Meter lang sein. Oder noch 90 Zentimeter länger, wenn auch die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn geklappt wird.

          In der mittleren Reihe gibt es jetzt drei bequeme, verschiebbare Einzelsitze, die sich jeweils mit einem Zug vollkommen plan zum Kofferraumboden zusammen- und auch wieder entfalten. VW verdient sich ein Lob, alles wirkt gut aufgeräumt, unter dem Kofferraumboden ist noch Platz für Kleinkram oder auch die Laderaumabdeckung. Die Ladekante ist niedrig, die Heckklappe schwingt weit nach oben. Erst 1,95-Meter-Riesen stoßen sich vielleicht den Kopf. Für 390 Euro Aufpreis schließt und öffnet die Klappe elektrisch, nur geschieht das quälend langsam. In der zweiten Reihe ist mehr als fürstlich Raum, auch der Mann oder die Frau in der Mitte sitzt gut. Ein kleiner Nachteil ist, dass man den mittleren Gurt aus der Decke fischen muss, er ist nicht am Sitz angebracht. Auf Wunsch kommt der Touran als Siebensitzer (640 Euro Aufgeld), unser Testwagen hatte aber nur fünf Plätze. Sind die Sitze sechs und sieben an Bord, schrumpft das Ladevolumen auf mickrige 137 Liter.

          Fahrerisch gibt es nichts auszusetzen am Familien-VW.

          Immer wieder beachtlich ist das hohe Verarbeitungsniveau der VW-Fahrzeuge. Dazu ist alles mit Sorgfalt und sinnvoll eingerichtet, überall gibt es Ablagen, selbst in der Decke. Gut, manches muss man bezahlen, wie die Ambientebeleuchtung für den Innenraum (185 Euro) oder die 230-Volt-Steckdose im Laderaum (126 Euro), anderes ist Grundausstattung wie die schwarz-glänzenden Dekoreinlagen für die Mittelkonsole, das Handschuhfach mit Kühlmöglichkeit oder die Klapptischchen an den Rückseiten der Vordersitze. Kein Wunder, dass der Touran kein Sonderangebot ist, auch wenn er mit einem Basispreis von 23.350 Euro lockt. Dann ist ein aufgeladener 1,2-Liter-Vierzylinder- Benziner mit 110 PS unter der Haube. Die drei VW-Ausstattungslinien Trend-, Comfort- und Highline sind schon Tradition, aber selbst in Highline findet sich auf der Aufpreisliste noch ausreichend Verführerisches.

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