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Canyon Neuron On 6.0 : Das wirkt ganz schön vermessen

Der aufgesetzte Akku bedingt einen speziellen Flaschenhalter. Bilderstrecke

Der Shimano-Motor surrt lauter als die Frankfurter Straßenbahn, das muss man nicht mögen. Seine Auslegung indessen schon. Canyon geht ans Limit des Erlaubten, drei Stufen der Unterstützung gibt es. In der schärfsten ist der Antritt so vehement, dass der Oberkörper am Steilhang weit nach vorn gelegt werden muss, damit das Vorderrad nicht abhebt. Über Stock und Stein ist die Einstellung Trail die passende, und falls mal richtig Kilometer abgespult werden müssen oder die Waden trainiert werden sollen, nimmt man Eco. Das Ensemble ist fein abgestimmt, überzeugt durch gleichmäßigen, ruckfreien Antritt und macht Spaß mit seiner kraftvollen Unterstützung. Verärgert hat der Motor mit wiederholtem Warnstreik, die ursachenlose Fehlermeldung WO 13 ist bekannt, aber offenbar nicht behebbar. Aus- und Anschalten hilft meist, nicht immer. Dann muss der Akku raus und wieder rein, wohl dem, der im Wald den Schlüssel dabeihat.

In der Ebene sind locker 100 Kilometer Strecke mit einer Akkuladung drin, im harten Gelände kann nach 30 Kilometern Schluss sein. Auf die Reichweitenanzeige ist leider wenig Verlass, sie kalkuliert nach der letzten Anstrengung und ist sprunghaft. Einmal fiel sie humorlos von 7 auf 0 Kilometer, dann sind die Beine arg gefordert. Bis 25 km/h reicht die Unterstützung, darüber ist der Rollwiderstand bitter. Die aufs Gelände getrimmten Reifen wirken auf Asphalt wie Anker. Als höchst erfreulich erweisen sich das Fahrwerk und die Wendigkeit des Rads, es lässt sich prima um enge Kurven werfen und läuft mit seinen 29-Zoll-Rädern auch sicher geradeaus. Der Dämpfer hinten und die Fox-34-Gabel mit 130 Millimeter Federweg nehmen die meisten Anschläge mannhaft hin. Geschaltet wird über klassische Hebel, auch die Tatkraft des Elektromotors, was ungewohnt wirkt, im Alltag und unter Stress im Anstieg aber zielsicher funktioniert. Der Hebel befehligt gleichsam die Schiebehilfe. Unter Last schalten verursacht herzzerreißende Schläge, den Ritzeln sei das Mitleid gewiss, aber so ist das an jedem anderen E-Mountainbike auch.

Canyon fordert für sein Neuron On 3800 Euro, was absolut viel und relativ günstig ist, der bei klassischen Rädern vorhandene spürbare Preisvorteil scheint aber perdu. Giant etwa bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Wir würden einiges darauf verwetten, dass künftige E-Mountainbikes von Canyon mit geschliffenen Schweißnähten und in den Rahmen integriertem Akku kommen. Wer darauf Wert legt, wartet vielleicht eine Weile. Wer den rustikalen Auftritt mag, kann zugreifen. Er wird mit diesem vorzüglich gelungenen Rad mit hoher Wahrscheinlichkeit glücklich werden.

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