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Fahrbericht Cadillac XT4 : Das einzige Eisen im Feuer

Solist: Nur elf Händler in Deutschland verkaufen den XT4 Bild: Hersteller

Die amerikanische Marke Cadillac hat immer noch einen sehr guten Ruf. Allerdings ist das Vertriebsnetz in Deutschland sehr dünn. Und im Angebot ist nur das SUV XT4. Das kann sich aber sehen lassen.

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          Cadillac hat es schwer auf dem deutschen Markt. Die Luxusmarke, die zum General-Motors-Reich gehört, hat nach dem Verkauf von Schwestergesellschaft Opel an Peugeot keine Heimat mehr in Europa. Die Modelle CTS, CT5, CT6, XT5 und der riesige Escalade wurden nach mehr oder weniger zaghaften Versuchen, die amerikanischen Autos in Eigenregie zu vermarkten, zusammen mit dem Chevrolet Camaro im vergangenen Jahr vom Markt genommen. Ein Eisen im Feuer hat man aber doch noch: den Cadillac XT4, der zurzeit in Deutschland von nur elf Händlern verkauft wird, die zudem noch für die Corvette zuständig sind. So gesehen, sind das die Restposten der einstigen GM-Herrlichkeit in Europa.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber der XT4 verdient durchaus Beachtung. Mit einer Länge von 4,60 Meter ist er in der Mittelklasse einzuordnen, Platz gibt es reichlich, sowohl vorn als auch auf der Rückbank und im 637-Liter-Kofferraum. Das alles ist in eine wirklich schicke Schale verpackt, schon die Leuchtengrafik sowohl vorn als auch hinten ist ungewöhnlich. Der XT4 sticht aus der Masse heraus und spricht so gewiss alle an, die ein SUV fahren wollen, das man nun wirklich nicht an jeder Ecke sieht.

          Doch könnte man sich auf das Wagnis einlassen? Wenn man den zu erwartenden Wertverlust außer Acht lässt, ist der XT4 ein konkurrenzfähiges Auto. Und das nicht nur wegen des guten Raumangebots und des gelungenen Designs. Zunächst ist die Verarbeitungsqualität auf einem Niveau, das man so nicht kennt aus amerikanischen Autos. Dazu ist der Ausstattungsumfang sehr hoch, auch was Assistenzsysteme angeht.

          Das SUV gefällt durch seine markanten Linien. Die Heckklappe öffnet elektrisch. Bilderstrecke
          Fahrbericht : Cadillac XT4 350T AWD

          Alles, was wichtig ist, hat der Cadillac dabei: Head-up-Display, kamerabasierten Innenspiegel, Verkehrszeichenerkennung, adaptiven Tempomaten, Fußgängerwarnung, Notbremssystem, Totwinkel-Warner und so weiter. Allerdings warnt der Caddy schon sehr früh vor etwaigen Kollisionen, und auch der Spurhalteassistent nervt mitunter, lässt sich aber mit einem Knopfdruck abschalten. Ohnehin ist der XT4 erfreulich wenig digital. Die Instrumente sind physisch vorhanden, und für alles Wichtige gibt es Knöpfe, auch dafür, wie schnell und wie hoch die elektrische Heckklappe öffnen soll.

          Nicht weniger als neun Gänge hat die sanft schaltende Automatik, dazu verdient das Allradsystem eine nähere Betrachtung: In der Regel werden die Vorderräder angetrieben, nach Vorwahl per Knopfdruck wird über gleich drei Kupplungen die Hinterachse in die Kraftverteilung einbezogen. Eine Kupplung trennt die Achse im 2WD-Modus komplett, zwei weitere Kupplungen ersetzen das Hinterachsdifferential, das Drehmoment wird den Rädern selektiv zugeteilt. Das funktioniert prima, der XT4 ist ein sehr fahraktives Auto und keine träge amerikanische Kiste, wie man sie sonst kennt. Dazu arbeitet die elektrische Servolenkung sehr präzise.

          Ins gute Gesamtbild fügt sich zunächst der neue 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner ein, der 230 PS und ordentliche 350 Newtonmeter Maximal-Drehmoment bietet. Er tritt jetzt neben den gleich großen Diesel (174 PS/381 Nm) sozusagen als weitere Variante. In der Spitze sind abgeregelte 210 km/h möglich, der Spurt aus dem Stand auf 100 km/h kann in 8,3 Sekunden erfolgen. Als „Premium Luxury“ haben der Diesel und der Benziner mit 47 580 Euro exakt den gleichen Preis, nur vom Benziner gibt es eine abgespeckte Basisvariante (aber mit AWD) für 39.990 Euro.

          So gut uns der XT4 auch gefallen hat, leider kostet der hohe Benzinverbrauch von im Schnitt 11,7 Liter Super auf 100 Kilometer viel Sympathie. Wer den Wagen scheucht, kommt sogar in die Nähe von 14 Liter. Dann vielleicht doch den Diesel nehmen, der aber ein rauher Geselle sein soll. Oder auf den großen, vollelektrischen Lyriq warten, der 2022 als nächstes Cadillac-Modell sein Glück in Europa versuchen darf.

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