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Fahrbericht BMW K 1600 GT : Das lässt sich alles regeln

Die BMW K 1600 GT ist ein Sechszylinder-Superluxus auf zwei Rädern Bild: Hersteller

BMW schickt die K 1600 GT mit prallem Assistenz-Paket auf die Reise. Die Rakete fährt jetzt auch rückwärts. Gibt es eigentlich etwas, das diesem Fahrzeug jetzt noch fehlt?

          4 Min.

          Die Entwicklungsgeschichte der BMW K 1600 verlief folgendermaßen: Die Autoleute des Konzerns entwarfen mal wieder ein neues Modell und waren dabei auch schon ziemlich weit vorangekommen, als einer von ihnen bemerkte, dass sie zwei Räder zu wenig eingeplant und den Rückwärtsgang vergessen hatten. Ein großes Malheur, so etwas war noch nie vorgekommen in München. Die ganze Arbeit schien für die Katz gewesen zu sein. Doch dann kam ein kluger Kopf auf die Idee, das Projekt zur Vollendung hausintern von der Auto- an die Zweiradabteilung weiterzugeben. So entstand ein Motorrad, das mehr Zylinder, mehr Leistung, mehr Ausstattung hat als viele Autos.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Vielleicht war es auch anders mit der Entwicklungsgeschichte. Auf jeden Fall nimmt die K 1600 seit 2010 eine herausragende Stellung im Markt ein. Der gewaltige Tourer ist das einzige Serienmotorrad mit einem Reihen-Sechszylindermotor. Seitdem die Honda Gold Wing mit ihrem Sechszylinder-Boxer nicht mehr angeboten wird, ist die BMW sogar das einzige Sechszylinder-Motorrad überhaupt, sieht man von der Horex VR6 ab, um die es nach wiederholten Versuchen einer Wiederbelebung der Marke abermals sehr ruhig geworden ist. Um die BMW ist es alles andere als ruhig.

          Beim Druck auf den Anlasserknopf bellt sie erstmal ihre Umgebung an. Wie gehabt, das hat sich durch die Euro-4-Abstimmung des zur Saison 2017 überarbeiteten Modells nicht geändert. Das einzigartige Klangspektrum des Sechsers reicht von samtweichem Gesäusel bis zu einem beängstigend zornigen Geräusch in hohen Drehzahlen, wie es sonst nur von einem Schwarm Überschall-Hornissen in Angriffsformation zu hören ist.

          Der Weg vom Luxustourer zum Superluxustourer führt über eine lange Liste der Sonderausstattungen. Bilderstrecke
          Der Weg vom Luxustourer zum Superluxustourer führt über eine lange Liste der Sonderausstattungen. :

          160 PS (118 kW) Höchstleistung liefert das 1649-Kubik-Triebwerk bei 7750 Umdrehungen, beziehungsweise: schüttelt lässig aus dem Ärmel. Das Drehmoment-Angebot beginnt dort, wo es bei den meisten Motorrädern schon aufhört, bei etwa 120 Newtonmeter, und erreicht bei 5250 Umdrehungen seinen Gipfel von 175 Nm. Höchsten Reisekomfort serviert der 330-Kilo-Koloss mit dem Schub einer Rakete, verlangt dafür in der Regel aber auch sechs Liter Benzin auf 100 Kilometer. Stockender Stadtverkehr ist nicht die Stärke der GT. Alarmierende Schwerfälligkeit beim Rangieren und beim Stop-and-go verflüchtigt sich allerdings, wenn sie Fahrt aufnimmt. Knifflige Kurvenkombinationen durcheilt sie erstaunlich leichtfüßig. Über die Autobahn zieht sie wie ein Strahl, liegt selbst deutlich jenseits von Tempo 220 bockstabil.

          Harte Gasannahme, ruckige Lastwechsel und nicht immer geschmeidige Schaltvorgänge waren wunde Punkte des bisherigen Modells. Hier haben die BMW-Mannen nachgearbeitet. Die äußerst behutsamen Reaktionen des Motors auf die Kommandos mit dem elektronischen Gasgriff fallen vom ersten Meter an auf. Egal in welchen Fahrmodus von Rain über Road bis Dynamic, egal, wie grobmotorisch der Fahrer am Griff hantiert: Die Elektronik glättet und dosiert behütend. Das ist faszinierend einerseits und gewöhnungsbedürftig andererseits, weil sich das recht synthetisch anfühlt. Zielt man beispielsweise in eine Kurve hinein, ist zu spüren, wie der Rechner im Sinne sanften Lastwechselns im Schiebebetrieb die Drehzahl leicht anhebt, auf Kosten des Motorbremsmoments. Rollt man mit gezogener Kupplung vor einer roten Ampel aus, muss man achtgeben, den Gasgriff auch wirklich bis zum Anschlag zu schließen; tickt man ihn nur ein bisschen an, heult das Sechszylinder-Paket auf. Nach einer halben Tankfüllung hat man sich an derlei gewöhnt. Unterm Strich: erheblicher Fortschritt.

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