https://www.faz.net/-gy9-9s6o3

BMW 840d xDrive Cabriolet : Souveräne Hetz fast ohne Sport

  • -Aktualisiert am

Das BMW 840d xDrive Cabriolet Bild: Hersteller

Das BMW 840d xDrive Cabriolet ist souverän. Aber es fehlt der Furor. Leistung allein genügt nicht zur Persönlichkeit eines Sportwagens.

          2 Min.

          Glatt gerührte 108 000 Euro sind der Basispreis für das BMW 840d xDrive Cabriolet, mit Allradtechnik und Hightech-R6-Diesel. Ein paar Extras führten beim Testwagen zu knapp 125 000 Euros, nicht schlecht für einen Diesel. Mit dem R6-Benziner ausgerüstet, genügen dagegen schon 102 500 Euro, ohne Extras. Eine Hetz, wie der Bayer sagt, sind beide. In 15 Sekunden wird das Cabrio mit der Betätigung einer Hebeltaste auf der Mittelkonsole fast geräuschlos geöffnet und geschlossen, das funktioniert bis 50 km/h.

          Vier Sitze bietet das 4,84 Meter lange BMW-Cabrio, aber nur dem Anschein nach. Fein beledert wie vorne sind die hinteren Plätze, aber sitzen kann dort niemand, den wir kennen, es mangelt an freiem Raum. 350 Liter Ladevolumen gibt es hinter der ausreichend großen Klappe, auch ist eine Durchreiche in der hinteren Sitzanlage bereit. Fahrer und Beifahrer sind von einem mächtigen Mitteltunnel getrennt, dem der Wählhebel entwächst. Der prunkt mit einem gläsernen Knauf, den der Fahrer als Ausdruck bayerischen Übermuts akzeptiert. Automobiler Luxus mit exakter Verarbeitung ist anwesend: Fahrt-Informationen und Konnektivität in volldigitaler Darstellung, mit einem wirr gestalteten Instrumentarium, bei dem die Absicht des Andersseins zu erkennen ist.

          Um den entspannten Vortrieb des Cabrios kümmert sich jener Diesel, der uns noch gut aus dem 840 Coupé in Erinnerung ist. Auch in dem immerhin Zweitonner-Cabrio fühlt er sich wohl, verbrauchte bei uns zwischen 7,5 und 8,6 Liter Kraftstoff und war meist mit Murmeln von älteren Bergsteigererzählungen beschäftigt. Wird er voll gefordert, dann grollt er und grummelt und dreht etwas widerwillig hoch, bis gut 4500 Umdrehungen in der Minute geht das, aber es sind keine triumphalen Rufe über bayerische Herrlichkeit, fast jeder Wagen mit dem Pferd im Wappen klingt heiterer. Dabei quält die Erinnerung an höllisch-heiße BMW-R6 (ja, 635 CSi), die mit ihrer Lust am Drehen aus Coupés veritable Sportwagen machten.

          350 Liter Ladevolumen gibt es hinter der ausreichend großen Klappe. Bilderstrecke

          Doch Leistung fehlt im 840d natürlich nicht: 320 PS und das maximale Drehmoment von 680 Newtonmeter sind nach einem leichten Zucken im Fahrerfuß bereit, die ruhig schaltende Achtgang-Automatik trifft fast immer die richtigen Entscheidungen, und diese sind von hoher Hurtigkeit begleitet, um manuelle Betätigung kümmert sich der Fahrer angesichts der Zugmaschinen-Charakteristik des Motors nur ungern. Aus dem Stand werden 100 km/h in etwa 5,5 Sekunden erreicht, 250 km/h sind auch offen möglich, ging aber während unserer Testtage wegen allgemeiner Chaostage im öffentlichen Verkehrsraum nicht. Bei 220 km/h zieht es ohne Dach mehr als nur ein wenig im Fußraum, und es bauscht sich allerliebst das Dirndl der Beifahrerin.

          Allerdings führt wie das Coupé auch das 840-Cabrio dieses Missverständnis mit sich: Leistung allein genügt nicht zur Persönlichkeit eines Sportwagens. Zu hoch ist das Gewicht, zu groß und zu breit ist das Cabrio. Die Lenkung ist zwar präzise und ausreichend schwergängig, aber die Reaktionen des Fahrwerks auf Befehle vom Volant sind nicht wirklich träge, aber auch nicht von jugendlicher Leichtigkeit geprägt. Denn dieses ohne Klappern und Knirschen aus seinem Körper eilende Cabrio liebt die schnellen Schwünge durch weite Kurven und das souveräne Vorwärts- und Aufwärtsstreben in gut ausgebauten Verhältnissen der Alpenpässe.

          In engeren Biegungen mit kurzen Kurven verhält es sich eher seriös gediegen als knackig sportlich. Beim Fahrer entsteht das Gefühl, er müsse den schweren Wagen mit Muskelkraft durch die Kurven wuchten. Zwar gibt es mannigfache Möglichkeiten ins Motor-Getriebe-Fahrwerk-Geschehen einzugreifen, aber die Grundstimmung des abgeklärten Fahrens ohne den Furor der frühen Jahre bleibt dennoch. Wie erwartet miserabel ist die Übersichtlichkeit, des Fahrers Blick nach schräg hinten offenbart die Schönheit der Dachverkleidung. Ob der Benziner-R6 hier mit flotterer Drehfähigkeit besser passt? Oder gar der neue, kompaktere BMW Z4?

          Weitere Themen

          BMW X5 Plug-in-Hybrid Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : BMW X5 Plug-in-Hybrid

          Der neue BMW X5 Plug-in-Hybrid soll eine dreimal größere elektrische Reichweite haben. Einen großen Nachteil gibt BMW dem X5 aber ohne Not mit.

          Topmeldungen

          Lega-Chef Matteo Salvini hat bei seinem Besuch in Venedig eindringlich dafür geworben, die Hochwasserschutzmaßnahmen zu verbessern.

          Jahrhundertflut in Venedig : Tage des Alarms

          Immer wieder gibt es in Venedig heftige Überschwemmungen. Doch der italienischen Politik ist es bisher nicht gelungen, wirksame Vorkehrungen gegen Hochwasser zu treffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.