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Fahrbericht Aprilia Caponord : Wie weit bis zum Nordkap?

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der Motorrad-Hersteller Aprilia tut sich schwer. Das könnte sich nun ändern. Die Caponord in der Rally-Variante kostet 16.390 Euro und stellt einen sehr ernstzunehmenden Beitrag im Reise-Enduro-Segment dar.

          Aprilia tut sich schwer. Der Motorradhersteller aus Venetien, Teil des Piaggio-Konzerns, ist seit geraumer Zeit ein Spezialist im Produzieren von Mauerblümchen. Kaum einer redet von Aprilia. Das ist der stolzen Marke, die so viel in den Rennsport investiert, nicht würdig.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          „Wir bauen tolle Motorräder - es weiß bloß niemand“, hört man es im Unternehmen murren. Piaggio müsste sich mal aufraffen, seine Tochter besser ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, heißt es, Aufmerksamkeit ankurbeln, den Handel aufmöbeln. Auch das Modell Caponord 1200 fristet ein Schattendasein. In Deutschland waren die Verkaufszahlen in den vergangenen zwei Jahren so mickrig, dass wir es nicht übers Herz bringen, sie hier zu nennen.

          Dabei war die Maschine mit ihrem 1,2-Liter-Zweizylinder einst hoffnungsvoll gestartet, um sich im wachsenden Markt der vielseitigen Straßenmaschinen im Enduro-Look Gehör zu verschaffen. Die Stimme dazu hätte sie: Wenige Motorräder lassen es so herrlich dunkel grollen. Doch da man praktisch nirgends eine Caponord sieht, bekommt man auch selten eine zu hören.

          Den Ton geben andere an: die GS-Typen von BMW, Ducati Multistrada, KTM Adventure. Eine Vielzahl weiterer Konkurrentinnen tummelt sich im Reise-Enduro-Segment, Tendenz steigend. Da wird es auch für die neueste Caponord-Variante mit dem Beinamen „Rally“ schwer.

          Aber man weiß ja nie. Die 16.390 Euro kostende Rally stellt einen sehr ernstzunehmenden Beitrag zum Thema dar. Mit Drahtspeichen- statt Gussrädern wirkt die Maschine reifer als die anderen Nordkaps. Schmalere Reifen und das 19-Zoll-Vorderrad (statt 17 Zoll) sind Zeichen gesteigerter Abenteuerlust, Givi-Hartschalenkoffer, Schutzbügel, LED-Zusatzscheinwerfer, größerer, höhenverstellbarer Windschild weitere frische Zutaten.

          Der charakterstarke V-Twin serviert nach wie vor 92 kW (125 PS, bei 8000/min) und 115 Nm (bei 6800/min). Sein Benzinverbrauch - heikles Thema bei manchen Aprilias - soll im Zuge dezenter Überarbeitung gesenkt worden sein. Beurteilen lässt sich das nach einer ersten Proberunde noch nicht. Wuchtigeren Durchzug in niedrigen und mittleren Drehzahlen kitzelten die Entwickler außerdem heraus. Drei Programme für unterschiedliche Leistungsentfaltung (Regen, Tour, Sport) stehen dem äußerst bequem untergebrachten Fahrer dank elektronischer Drosselklappensteuerung zur Verfügung.

          Hier trumpft Aprilia groß auf

          Überhaupt, die Elektronik: Hier trumpft Aprilia groß auf, Zweikanal-ABS, Traktionskontrolle (mehrstufig einstellbar), Tempomat sind vorhanden. Per Bluetooth lassen sich iPhone und Android-Gerät mit dem Bordrechner koppeln und als Zusatzdisplay nutzen für allerlei Datentinnef von der Anzeige der Schräglage bis zur Entfernung zum Nordkap.

          Auf dem Weg dorthin eröffnen elektronische und manuelle Einstellmöglichkeiten fürs Fahrwerk eine weite Spanne von knackig bis komfortabel. Die Caponord Rally ist ein wuchtiges Motorrad, kein Wiesel, ihr Gewicht von 275 Kilo (mit vollem 23,5-Liter-Tank) lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichwohl ist sie ein hübsches, hochdynamisches Spaß- und Reisemobil und in der Disziplin des Glattbügelns von schlechtem Asphalt überragend. Dafür sorgt ihr semiaktives Fahrwerk, das die Dämpfung innerhalb von Millisekunden den Geschehnissen anpasst.

          Überdies lässt sich die Vorspannung des Federbeins hinten auf Tastendruck elektromechanisch vierstufig verstellen. Das ist praktisch, um das Fahrzeug der Beladung (Fahrer, Sozius, Gepäck) anzupassen oder um bei der Solofahrt im Sinne zunehmender Agilität das Heck stufenweise anzuheben. Funktioniert exzellent.

          Für besagte Anpassung an die Beladung gibt es sogar - weltexklusiv - ein Automatikprogramm, das über eine aufwendige Sensorik das Gewicht der Zuladung erkennt und die Maschine ausbalanciert. Man stelle sich vor: Man verliert unterwegs Gepäck oder die Sozia - und muss trotzdem nicht anhalten, ja nicht einmal einen Knopf drücken, um das Fahrwerk an die plötzlich veränderten Beladungsverhältnisse anzupassen. Das macht die Caponord ganz von selbst.

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