https://www.faz.net/-gy9-9hwzz

Fahrbericht Alfa Romeo Stelvio : Sogar Alfa ist jetzt eine SUV-Marke

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio überzeugt als Sportler. Bild: Hersteller

Der Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio überzeugt mit sportlichem Fahrverhalten auf hohem Niveau. Entsprechend saftig sind Verbrauch und Preis des SUV.

          3 Min.

          Auch wenn es schon geschrieben stand, muss es doch noch einmal erwähnt werden: Der Absatz der SUV wächst und wächst immerfort. Nun wurden in Deutschland im laufenden Jahr bis Oktober rund 587 000 „Sport Utility Vehicles“ neu zugelassen. Das ist ein Plus von erstaunlichen 25 Prozent. Zusammen mit den knapp 256.000 Geländewagen (stabil mit plus 2,3 Prozent) sind die hochbeinigen Autos inzwischen das größte Segment in der Zulassungsstatistik, vor der Kompaktklasse mit bislang gut 641.000 neuen Fahrzeugen. Die formale Trennung von Geländewagen und SUV seitens des Kraftfahrt-Bundesamtes gehört längst aufgehoben, sie verwischt etwas die Tatsachen. Das unbändige Wachstum beruht zu großen Teilen auf dem einfachen Fakt, dass das Angebot an Modellen immer größer wird und zudem längst Marken mitmischen, die ein SUV früher nur mit der Kneifzange angefasst hätten, wie Jaguar, Maserati, Lamborghini oder auch Alfa Romeo.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die italienische Marke aus dem Fiat-Chrysler-Konzern hat zwar traditionell viele Fans, aber nicht nur in Deutschland einen schweren Stand. Es fehlen neue, zündende Modelle, und das Angebot ist 2018 mehr als übersichtlich: Giulia und Giulietta sind nicht mehr so richtig frisch, der ältliche Kleinwagen Mito fristet ein Schattendasein, dann gibt es noch den schönen Nischensportler 4c und eben seit Frühjahr 2017 das SUV Stelvio. Das zündet schon ein wenig, bis Oktober sind in Deutschland 2489 verkauft worden, das waren mehr als die Hälfte aller neuen Alfas (4898).

          Den Stelvio gibt es zu Preisen ab 41.000 Euro, es stehen drei 2,2-Liter-Diesel mit 160, 190 oder 210 PS zu Wahl, zudem zwei 2,0-Liter-Benziner mit 200 oder 280 PS zur Wahl. Alle Triebwerke sind Turbos. Eine Sonderrolle spielt das jetzt von der Redaktion gefahrene Topmodell mit dem Beinamen Quadrifoglio (italienisch: vierblättriges Kleeblatt). Hier werden mindestens 89.000 Euro aufgerufen. Dafür gibt es aber auch einen mit Hilfe von Ferrari entwickelten Bi-Turbo-V6-Motor mit 2,9 Liter Hubraum, 510 PS und 600 Newtonmeter maximales Drehmoment. Die Leistung wird an alle vier Räder über eine Achtgang-Automatik geschickt, eine Elektronik sorgt dafür, dass zunächst alle Kraft an die Hinterräder kommt, erst wenn diese die Haftung verlieren, geht bis zur Hälfte an die Vorderachse. Außerdem kommt im Gegensatz zu den Normal-Stelvios ein Fahrwerk mit elektronischen Dämpfern und anderen Federn zum Einsatz. Alles in allem ergibt sich ein sportliches Fahrverhalten auf dem Niveau eines Porsche Macan. Mit einer Rundenzeit von 7:51,7 Minuten auf der Nürburgring-Nordschleife hat der Stelvio QV kurz nach seinem Markteintritt schon mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Seit kurzem ist der Alfa Stelvio QV aber nicht mehr das schnellste SUV auf der Nordschleife. Auf 7:49,4 Minuten hat der Mercedes-AMG GLC 63 S 4 Matic Ende November die Latte gelegt. Nun, wem wird es auf die 2,3 Sekunden ankommen?

          Mit einer Länge von 4,70 Meter und einem Kofferraumvolumen von 525 bis 1600 Liter kann der Alfa auch die Rolle eines Familien-SUV spielen. Bilderstrecke

          Wie aber der Stelvio fährt, hat der Fahrer nicht nur im Fuß, sondern auch in der Hand. Mittels eines Drehschalters in der Mittelkonsole kann er verschiedene Modi einstellen, von ganz sanft – dann werden mitunter auch drei der sechs Zylinder abgeschaltet – bis zum „Race“-Modus –, außerdem gibt es noch „Normal“ und „Dynamik“. Bei „Race“ geht es hart zur Sache, der Motor dreht noch höher, die Automatik schaltet noch zackiger, die Lenkung wird noch direkter, alles ist auf maximale Sportlichkeit ausgerichtet. Härtere Schaltrucke müssen dafür in Kauf genommen werden. Riesige Schaltpaddel bieten sich zur manuellen Bedienung an, sind aber eigentlich überflüssig. Sie stören im Alltag beim Bedienen, wenn geblinkt oder gewischt werden soll. In knapp vier Sekunden knallt der Alfa unter mächtigem Getöse auf Wunsch aus dem Stand auf die 100 km/h. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h haben wir aufgrund der montierten Winterreifen nicht überprüfen können. Wir zweifeln nicht daran.

          Diesen Reifen schreiben wir auch zu, dass der Stelvio bei Tempi jenseits der 220 km/h auf der Autobahn doch etwas nervös wurde und dass die Bremsen relativ Mühe hatten, den 1,8 Tonnen schweren Wagen aus 100 km/h in angemessener Kürze zum Stehen zu bringen. Draußen waren es freilich 16 Grad im November, das mögen Winterpneus gar nicht.

          Mit einer Länge von 4,70 Meter und einem Kofferraumvolumen von 525 bis 1600 Liter kann der Alfa auch die Rolle eines Familien-SUV spielen, auf der Autobahn liegen im größten Gang auch nur knapp 2500 Umdrehungen bei familienfreundlichen 140 Tacho an. Allerdings ist der Federungskomfort stets von der eher harten Seite, und an der Tankstelle ist schon ein arger Obolus zu zahlen, solange man es nicht bei den 140 belässt. Der Normverbrauch (NEFZ) von 9,0 Liter (210 g CO2/km) ist im Alltag unerreichbar. Im Regionalverkehr kamen wir auf 13,4 Liter Superbenzin, in der Spitze waren es sogar 15, im Schnitt 14,6 Liter auf 100 Kilometer. Für alle, die den Diesel so gern totreden: Diese Redaktion fuhr den Stelvio Diesel in seiner stärksten Ausführung mit 210 PS und Allradantrieb mit nur 8,2 Liter auf 100 Kilometer (F.A.Z. vom 8. Dezember 2017). Allerdings war das Triebwerk arg polterig, da ist der Benziner schon deutlich angenehmer.

          Zufrieden und zugegeben positiv überrascht waren wir von der gebotenen Qualität im Innenraum, abgesehen von dem völlig veralteten Navi. Auch auf der Rückbank ist ausreichend Platz. Das Ausstattungsniveau ist relativ hoch, es gibt aber zum Beispiel kein Head-up-Display. Dafür aber das schöne Rot in Perleffekt für 2800 Euro, und mit ein paar anderen Extras wie elektrisch verstellbaren Vordersitzen mit Sitz- und Lenkradheizung für weitere 1500 Euro kam der Testwagen dann auf 96.430 Euro. Ein stolzer Preis für ein schnell-stolzes SUV.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Gegner protestieren in London

          Brexit-Abstimmung verschoben : Johnsons Chancen

          Abermals ist es den Brexit-Gegnern gelungen, den Ausstiegsprozess aufzuhalten. Es klingt widersinnig, aber Johnson ist seinem Ziel, einem Austritt Ende des Monats, dennoch ein Stück näher gekommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.