https://www.faz.net/-gy9-a1yj5

Elektro-SUV Aiways U5 : Von schlechter Laune keine Spur

  • -Aktualisiert am

Der Nächste, bitte: Der Aiways U5 kommt im September Bild: Hersteller

Chinesische Hersteller drängen auf den deutschen und den europäischen Markt. Für September ist nun der Aiways U5 angekündigt. Bestellt wird im Netz.

          2 Min.

          Teuer, geringe Reichweite, dürftige Ladeinfrastruktur: Das sind die Kritikpunkte der Elektroauto-Skeptiker. Und tatsächlich sehen sie sich durch die wenigen Elektroautos europäischer Hersteller bestätigt, die hohen Preise familiengerechter Stromer schrecken ab. Die Ausnahme ist der Renault Zoe, bald kommt der VW ID 3. Dazu wollen jetzt auch chinesische Hersteller auf den deutschen und den europäischen Markt. Auf den Messen der vergangenen Jahre haben sie schon ihre Elektromobile der Kompakt- und Mittelklasse gezeigt. Für September ist nun der Aiways U5 angekündigt. Das SUV soll rund 35.000 Euro kosten.

          Eine erste Probefahrt soll zeigen, ob der U5 Aussichten hat, im Markt zu bestehen. Einen Startknopf gibt es nicht, reinsetzen, Schlüssel dabeihaben, und es kann losgehen. Den Drehschalter in der Mittelkonsole kennen wir von Jaguar und Land Rover. Wir wählen die Fahrstufe D, betätigen das Fahrpedal, und nach knarzendem Lösen der Parkbremse kriecht der U5 los. Mit leicht unwilligem Knurren. Von schlechter Laune aber keine Spur: Auf beherzten Druck aufs Fahrpedal legt der 1,75 Tonnen schwere Aiways los, leichtfüßig bis 60 km/h. 315 Newtonmeter maximales Drehmoment sind mehr als genug.

          Aber beim Sprint aus dem Stand auf 100 km/h vergehen knapp 10 Sekunden. Auf der Autobahn ist bei 160 km/h Schluss. Reisegeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h seien ohnehin nicht zu empfehlen, hören wir von einem Tesla-Fahrer. „Sonst kommst du nicht weit.“

          Einen Startknopf gibt es nicht, reinsetzen, Schlüssel dabeihaben, und es kann losgehen. Bilderstrecke
          Probefahrt : Elektro-SUV Aiways U5

          Angetrieben wird der U5 von einem Synchronmotor an der Vorderachse. Bis zu 125 kW (170 PS) werden bereitgestellt. Das reicht für familienfreundliche Fahrleistungen, bei akzeptabler Reichweite. Ein 359 Kilo wiegendes 63-kWh-Batteriemodul im Aluminium-Unterboden liefert die elektrische Energie. Aiways zufolge ist die Sandwich-Konstruktion mit integrierter Wasserkühlung patentiert. 400 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung werden versprochen. Wir unterbrechen unsere Fahrt nach 346 Kilometern bei acht Prozent Energiereserve zum Nachladen.

          Allein, das Stromziehen unseres Vorserien-U5 klappt an diesem Tag in Deutschland noch nicht zuverlässig. Es hapert an der Kommunikation zwischen Ladesäule und Auto. Anscheinend spricht der U5 noch mit zu starkem chinesischen Akzent. Das Problem sei erkannt und werde über ein Software-Update behoben, beteuert Aiways.

          Auf der Suche nach der chinesischen Seele des U5 werden wir bei Funktionalität und Ausstattung fündig. Die Beinfreiheit hinten ist einmalig in dieser Fahrzeugklasse und folgt dem Wunsch vieler Chinesen, im Fond das heimische Wohnzimmer in kleinerem Maßstab abzubilden. Schlichte, jedoch keineswegs billig anmutende Armaturen sowie zahlreiche Ablagen spiegeln chinesischen Pragmatismus wider. Auch die ausgedehnten Wartungsintervalle: Ein erster Service ist erst nach 100.000 Kilometern fällig.

          Bestellt wird ausschließlich übers Internet, ausgeliefert durch die Elektronik-Kette Euronics. Für die Wartung wird auf die Werkstattkette ATU verwiesen. Aiways verspricht flexible, individuell gestaltbare Leasingverträge. Bald wird sich zeigen, was aus dem nächsten Versuch einer chinesischen Marke in Europa wird. Bisher hielt sich der Erfolg bekanntermaßen in Grenzen.

          Weitere Themen

          Einfacher und doch nicht leicht

          Lade-Infrastruktur für E-Autos : Einfacher und doch nicht leicht

          Die Lade-Infrastruktur für Elektroautos ist stark gewachsen. Nun liegen die Herausforderungen eher im Alltäglichen als an der Technik – von schlecht ausgeschilderten Ladestationen bis zu umständlichen Zahlungsmethoden.

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.
          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.