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Probefahrt Lotus Emira : Lotus’ Letzter

Sport und mehr: Bald will Lotus auch SUV anbieten. Bild: Hersteller

Auch Lotus ist auf dem Weg zum reinen Elektroauto-Hersteller. Bis es soweit ist, lässt der Sportwagen Emira mit seinen 400 PS den guten, alten Verbrenner noch einmal hochleben.

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          Lotus? Da war doch was: Sieben Formel-1-WM-Titel, der unvergessene Colin Chapman als Gründer, die Autos mit E wie Elan, Elite, Esprit, Europa oder zuletzt Elise, Evora und Excige. Und natürlich der Tesla Roadster, der sozusagen eine Elise auf Speed war und im Auftrag für Tesla im Werk in Hethel im Osten Englands 2500 Mal gebaut worden war.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach dem frühen Tod des Firmengründers 1982 war die Firma in unruhige Fahrwasser geraten, Lotus wechselte mehrmals den Besitzer, scheint aber jetzt, 74 Jahre nach dem Start, wieder in der Spur zu sein. Der neue Mehrheitseigner Geely, dem auch Volvo gehört, hat 500 Millionen Pfund locker gemacht, 100 Millionen davon sind schon mal nach Hethel in eine Werksmodernisierung geflossen. Dort sollen in diesem Jahr 3500 Emira Sportwagen gebaut werden. Zuletzt waren es 1500 Einheiten gewesen, die 2021 die Hallen verließen. Lotus hat bislang ausschließlich auf Sportwagen gesetzt, künftig will man sich auch SUV und Limousinen zuwenden und nur noch Elektroautos anbieten. Das SUV Eletre ist schon vorgestellt, es wird in China gebaut.

          Abgesang auf den Verbrenner

          Der Emira, der im August auf den Markt kommt, ist böse gesagt der Abgesang auf den Verbrenner, er soll aber noch einmal alle Tugenden auf sich vereinen, die im Kern da lauten: kompromisslose Sportlichkeit, ohne den Komfort völlig zu vernachlässigen. Der 4,41 Meter lange Zweisitzer ist ein Mittelmotorfahrzeug, im Heck ist ähnlich wie im Porsche Boxster noch Platz für einen kleinen Kofferraum mit 150 Litern. Der Motor, ein 3,5-Liter-V6, kommt wie die Getriebe (Automatik oder manuell, jeweils sechs Gänge) von Toyota. „Ein unheimlich robustes Triebwerk“, schwärmt Lotus. Mittels Kompressor und einigen anderen Kniffen machen die Briten aus 280 PS beachtliche 400, eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Von 0 auf 100 km/h sollen bei vollem Schub nur 4,5 Sekunden vergehen, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 288 km/h angegeben. Das maximale Drehmoment beträgt 420 Newtonmeter.

          Auf Testfahrten rund um Hethel. Bilderstrecke
          Probefahrt : Lotus Emira

          Produziert werden dieses Jahr ausschließlich First-Edition-Modelle, die besonders gut ausgestattet sind und kaum etwas vermissen lassen, ein Head-up-Display vielleicht, das ist gar nicht im Angebot. 96 000 Euro beträgt der Grundpreis für Deutschland, der deutlich sinken sollte, wenn Mitte 2023 als Alternative ein 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder aus dem Hause AMG hinter die Sitze kommt. Außerdem sollen dann Modelle mit abgespeckter Ausstattung vermarktet werden. Der Emira i4 ist stets mit einem AMG-Doppelkupplungsgetriebe gepaart. Er hat zwar 40 PS weniger, aber ein leicht höheres Drehmoment und ein etwas niedrigeres Gewicht. Auf der Rennstrecke dürften sich beide das Wasser reichen können, auch die Höchstgeschwindigkeit des i4 ist nur geringfügig niedriger.

          Auf einer ersten Probefahrt um Hethel und auf der hauseigenen, kleinen Rennstrecke zeigt der Emira einige Stärken. Auf der Straße ist er für einen Sportwagen überraschend komfortabel. Dazu gelingt der Einstieg einfach und die elektrisch verstellbaren Sitze sind bequem. Hinter ihnen ist noch etwas Raum für Gepäck, Lotus hat 208 Liter Volumen ausgerechnet.

          Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht und liegt gut in der Hand, die Lenkung ist präzise mit guter Rückmeldung. Die Bremsen seien die besten der Welt, behauptet Lotus vollmundig. Das mag etwas übertrieben sein, aber schlecht sind sie nicht. Im Angebot sind im Übrigen zwei Fahrwerksabstimmungen, Tour und Sport, wobei Letzteres nur für Kunden empfohlen wird, die tatsächlich auf die Rennstrecke wollen.

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