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Neue Mercedes C-Klasse : Ein-Liter-Auto mit Rollladensteuerung

Ganz wie die Großen: Die neue Mercedes C-Klasse im Stile von S und E Bild: Hersteller

Erste Probefahrt in der neuen C-Klasse von Mercedes-Benz. Der Plug-in-Hybrid kann nach Norm 100 Kilometer weit elektrisch fahren.

          2 Min.

          Die C-Klasse ist wahrscheinlich das Modell mit dem geringsten Auffrischungsbedarf im Portfolio von Mercedes-Benz. Dicht und munter sieht sie noch immer aus und ist doch in die Jahre gekommen, Geschmack und Technik schreiten halt stetig voran. Und so kommt jetzt in diesem Juni die neueste Generation auf den Markt, gleichzeitig als Limousine und als T-Modell genannter Kombi. Die Limousine schätzen die Chinesen, den Kombi die Deutschen, wohl dem, der beide Vorlieben bedienen kann.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          In Deutschland entscheiden sich zwei Drittel der Kunden für das T-Modell. Es folgt mit seinen 490 bis 1510 Liter Kofferraum an praktischen Talenten orientierten Gedanken, obgleich die C-Klasse noch nie ein Großraumfahrzeug war. Das wird sie auch jetzt nicht, aber es zwickt nicht mehr so arg, vor allem hinten. 4,75 Meter Länge, 1,82 Meter Breite und ein um 2,5 Zentimeter gewachsener Radstand zeugen von dem in der Tat spürbaren Drang, Knien und Ellbogen etwas mehr Freiheit zu gewähren. Wer trotzdem Verspannungen verspürt, hat hoffentlich die Massageeinrichtung in den Vordersitzen geordert.

          Design, Luxus und Nachhaltigkeit standen im Lastenheft. Ersteres findet seine Spiegelung in den größeren Modellen E- und S-Klasse, die Handschrift der Formengeber ist quer durch die Modellpalette sichtbar und kommt bei der Kundschaft gut an. Nur geht durch die Gleichmacherei eben Eigenständigkeit verloren. Wer die minder wichtig findet, wird auch am Innenraum seine Freude haben, hier zieht jene von Schärfe und Größe geprägte Bildschirmlandschaft ein, die neuerdings modern ist im Hause Daimler. Klassische Rundinstrumente haben ausgedient, es gibt die digitale Anzeigenwelt in üppig und sehr üppig.

          Klassische Rundinstrumente haben ausgedient, es gibt die digitale Anzeigenwelt in üppig und sehr üppig. Bilderstrecke
          Probefahrt : Mercedes C-Klasse

          Neben der Armada an sinnvollen und nervigen Assistenten sowie dem gewohnt hohen Sicherheitsniveau scheint uns von gewisser Bedeutung, auf Innovationen hinzuweisen, die wir so nicht erwartet hätten. Die an der Spitze der Sprachsysteme lauschende Schaltzentrale namens MBUX hat nun eine Smart-Home-Funktion. Die bringt den unschätzbaren Vorteil, noch im Anflug über WLAN und Aktuatoren die Raumtemperatur daheim einstellen zu können. Oder schon mal die Rollläden hochzuziehen. Bislang hat uns derlei nicht gefehlt, aber manche Unterversorgung wird ja erst klar, wenn der Mangel vor Augen geführt wird.

          So könnte es den Käufern auch ergehen, sobald sie das erste Mal einsteigen. Die mächtige Mittelkonsole und das ausgreifende Armaturenbrett kuscheln sich körpernah an den Fahrer, der seine Nervenbahnen neu justieren muss. Dank Hinterachslenkung steuert er zunächst eckig-eirig, nach Einübung zackig-zügig um Kurven. Obgleich nur mit 2,5 Grad statt wie in der S-Klasse mit 10 Grad Winkel am Heck mitlenkend, ist der Effekt frappierend. Abroll- und Fahrkomfort sind auf solidem, freilich eher sportlich ausgelegtem Niveau, was in dieser Klasse vermutlich gefragt sein wird.

          Ein Ausrufezeichen setzt Mercedes in der Motorenpalette. Nicht so sehr im klassischen Sinne, denn es sind trotz Hightech-Begleitung vor allem für die Abgasreinigung nur auch als solche akustisch vernehmbare Vierzylinder im Angebot, mit 1,5 oder 2 Liter Hubraum und 170 bis 265 PS zuzüglich kurzzeitig abrufbarem Overboost. Drei Benziner und zwei Diesel gibt es zum Start, Automatikgetriebe ist nun immer serienmäßig dabei, Allradantrieb im Benziner auf Wunsch. Das Zeichen setzen die an der Steckdose aufladbaren Plug-in-Hybride, es gibt einen mit Benzinmotor ab September und einen, Zitat aus der Entwicklung: „Knaller“, mit Diesel von 2022 an. Die kraftstoffliche Enthaltsamkeit wird im Alltag beachtlich sein, obgleich nicht auf dem nach WLTP-Norm ermittelten Niveau von 0,7 bis 1,1 Litern. Gleiches gilt für die aus 25,4 kWh gewonnene elektrische Normreichweite, die 89 bis 110 Kilometer beträgt. Jedenfalls dürfte das genügen, um zumeist elektrisch und in Urlaub ohne Reichweitenangst zu fahren.

          Die Preisliste beginnt gewohnt stramm mit 41 200 Euro für die Limousine und mit 47 000 Euro für den zunächst kräftiger befeuerten Kombi.

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