https://www.faz.net/-gy9-8w2d4

Opel Insignia Grand Sport : Ein bisschen Premium blitzt auf

Der Crossland X ist schon vorgestellt, jetzt folgt das neue „Flaggschiff“ Insignia in drei Varianten. Bild: Hersteller

Der Insignia Grand Sport ist das neue Flaggschiff bei Opel. Das Modell lässt eine große Lücke zum Astra. Auf ersten Probefahrten wusste die Limousine durchaus zu überzeugen.

          3 Min.

          Neue Zeiten bei Opel. Peugeot schickt sich an, die Rüsselsheimer Traditionsmarke zu übernehmen, gleichzeitig erfindet man sich neu. Das Jahr steht – unabhängig vom Abschied von General Motors – unter dem Motto „7 in 17“, also sieben neue Modelle. Der Crossland X ist schon vorgestellt, jetzt folgt das neue „Flaggschiff“ Insignia in drei Varianten: als Schräghecklimousine (Grand Sport), als Kombi (Sport Tourer) und später als etwas höhergelegtes Allrad-Modell. Den Anfang macht die Limousine, die Ende Juni in den Handel kommt, der Sports Tourer folgt einige Wochen später. Die Bestellbücher sind schon offen, die Produktion im Stammwerk hat in diesen Tagen begonnen.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Opel spricht selbst vom neuen Flaggschiff und zeigt den Wagen bei der Pressevorstellung im Werk im Umfeld der alten Oberklasse-Stars Kapitän, Admiral und Diplomat (KAD-Linie). Gleichzeitig soll der Insignia II aber nur Mittelklasse sein, also Nachnachfolger des Rekord, der einst vom Omega abgelöst wurde. Von der Größe her ist der neue Opel mindestens obere Mittelklasse, der Grand Sport ist 4,90 Meter lang, der Sport Tourer gar 4,99 Meter. Da klafft schon eine gewaltige Lücke zum Astra, der es auf 4,42 Meter Länge bringt. Allerdings war der jetzt abgelöste Insignia, von dem seit 2008 930 000 Einheiten, davon 200 000 in Deutschland, verkauft wurden, auch schon 4,84 Meter lang.

          Und preislich bleibt der große Opel gewiss Mittelklasse. Das Einsteigermodell kostet moderate 25 590 Euro, der Kombi ist jeweils 1000 Euro teurer. Das Topmodell stellt zurzeit der Kombi mit einem 2,0-Liter-Turbomotor-Benziner, Achtstufen-Automatik und Allrad dar. Er kostet 44 035 Euro in der hochwertigsten Ausstattung Innovation. Außerdem gibt es Selection, Edition und Dynamic.

          Den Anfang macht die Limousine, die Ende Juni in den Handel kommt Bilderstrecke
          Den Anfang macht die Limousine, die Ende Juni in den Handel kommt :

          Während der Sports Tourer als Diesel nur mit einem 2,0-Liter-Motor (170 PS, manuelles Sechsgang-Getriebe) zu haben ist, stehen für die Schrägheck-Limousine außerdem noch zwei 1,6-Liter-Turbodiesel mit 110 oder 136 PS zur Wahl. Die drei Benziner (260/165/140 PS) sind dagegen jeweils in beiden Varianten zu haben. Die beiden schwächeren Triebwerke haben 1,5 Liter Hubraum, der 165-PS-Motor ist komplett neu und aus dem 1,4-Liter-Astra-Motor abgeleitet. Alle Motoren sind Vierzylinder und haben Start-Stopp. Angetrieben werden die Vorderräder. Schneller als 200 km/h ist jeder Insignia, die Normverbräuche bewegen sich je nach Motorisierung zwischen 4,3 und 8,7 Liter.

          Eine reine Stufenhecklimousine mit abgeschlossenem Kofferraum hat Opel jetzt nicht mehr im Angebot, die Nachfrage sei zuletzt schlichtweg zu gering gewesen, heißt es. Und schon bisher waren 80 Prozent der verkauften Insignias Kombis. Das werde auch so bleiben, vermutet Opel und hofft außerdem, dass wie bisher knapp zwei Drittel der Kunden die teuerste Ausstattung bestellen. Ein hohes Ladetalent hat schon die Limousine, sie packt unter die große, flache Klappe rechnerisch 490 Liter Gepäck, maximal sind es gar 1450 Liter, wenn die dreigeteilte Rückbank komplett umgelegt ist. Der Sporttourer schafft 560 bis 1665 Liter und übertrifft damit den Vorgänger deutlich. Gegen Aufpreis öffnet hier die Klappe elektrisch, für die Limousine ist dieser Helfer nicht im Angebot.

          Dank komplett neuer Fahrzeugarchitektur ist es den Ingenieuren gelungen, den Insignia um bis zu 200 Kilogramm leichter zu machen. Der Luftwiderstandbeiwert zählt mit 0,26 zu den besten in dieser Klasse. Der Innenraum bietet mehr Platz als der des Vorgängers, das Interieur wirkt aufgeräumt, kommt aber in der Optik und Haptik nicht an die deutschen Premiumhersteller heran. Aber ein „bisschen Premium“ sei man schon, sagte ein Designer bei der Vorstellung. Wer noch mehr will, kann sich vom Herbst an bei „Opel Exclusive“ umtun, dort gibt es „mehr Leder, mehr Farben, mehr Räder“. Bemerkenswert ist das Angebot, den Insignia in jeder beliebigen Farbe lackieren zu lassen. Es wird sich zeigen, ob es Opel gelingt, seine Fahrzeuge derart hoch zu positionieren.

          Nichts vormachen lassen muss sich Opel auf jeden Fall bei den Assistenzsystemen, der aktiven und passiven Sicherheit und dem heute so wichtigen Infotainment. Das mit dem Astra eingeführte Matrix-Licht wurde erweitert, der Insignia ist der erste Opel mit einer aktiven Motorhaube für den Fußgängerschutz, und zu den vielen Assistenten gehört auch ein Head-up-Display.

          Auf ersten Probefahrten mit der Limousine wusste der neue Insignia durchaus zu überzeugen. Das Topmodell hat einen herzhaften Biss und eine sehr schön arbeitende Automatik, das aufwendige, neue Allradsystem bewährte sich auf kurvenreichen Strecken im Taunus. Man sitzt nun tiefer im Wagen, gewöhnen muss man sich an die Instrumente, die eine Mischung aus virtueller und analoger Darstellung sind. Aber es gibt sogar ein Voltmeter. Premium eben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen