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Erste Probefahrt: Audi A3 Sportback : Die neue Form des Anspruchs

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Das Gesicht der Marke: Audi A3 Sportback mit dem kräftigen Kühlergrill Bild:

Vorsprung durch Technik: Der etwas angestaubte Audi-Werbespruch erhält unerwartete Aktualität. Denn mit dem neuen Audi A3 Sportback demonstriert das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen hohe technische Kompetenz und High-Tech-Vielfalt.

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          Vorsprung durch Technik: Der etwas angestaubte Audi-Werbespruch erhält unerwartete Aktualität. Denn mit dem neuen Audi A3 Sportback demonstriert das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen hohe technische Kompetenz und High-Tech-Vielfalt. Verkaufsstart für den Sportback ist auf dem deutschen Markt der 3. September.

          Der auf dem zweitürigen Heckklappen-A3 basierende Sportback ist in 28 Versionen zu haben, der Kunde kann wählen zwischen Saug- und Turbotriebwerken, zwischen Benzinmotoren mit Saugrohr- oder direkter Einspritzung und Dieseltriebwerken mit Pumpe-Düse-Technik; er kann sich für Front- oder Allradantrieb entscheiden, und für die Kraftuntersetzung stehen manuelle Getriebe mit fünf oder sechs Gängen sowie eine sechsstufige Automatik (Tiptronic) und das VW-spezifische Direktschaltgetriebe (DSG) mit sechs Gängen bereit. Dazu fügen sich drei Ausstattungslinien (Attraction, Ambition, Ambiente), die sich vor allem in optischen Details bemerkbar machen. Eine Klimaanlage kostet für alle Varianten 1390 Euro Aufpreis.

          Audi sieht den neuen Sportback nicht als Antwort auf den jüngst präsentierten Einser-BMW. Dieser wurde nur mit vier Motorversionen vorgestellt, und auch seine technische Konfiguration kann mit der Technik-Breite der Audi-Offerte nicht mithalten. Das wird sich zwar bald ändern, aber zunächst hat Audi bei Kunden, die sich gern der Qual der Wahl unterziehen, den Kühler vorn. In der Preisliste liegen die beiden Konkurrenten in der Kompaktklasse eng beieinander. Audi beginnt mit dem A3 Sportback 1.6 (75 kW/102 PS) bei 19 700 Euro, der Einstiegs-BMW 116i (85 kW/122 PS) kostet 19 800 Euro; mit dieser Leistung wartet der Sportback 1.6 FSI auf, zum Preis von 20 950 Euro, allerdings mit sechs und nicht mit fünf Vorwärtsgängen wie der Einser-BMW. 110 kW (150 PS) und Sechsgangschaltgetriebe gibt es im Sportback 2.0 FSI und im 120i, der Audi kostet 22 950 Euro, der BMW kommt auf 23 600 Euro. Bei den Dieseln steigt Audi mit dem 1.9 TDI (77 kW/105 PS) für 21 650 Euro ein, BMW beginnt mit dem 118d (90 kW/122 PS) für 21 900 Euro. Mehr als 103 kW (140 PS) gibt es beim Sportback nicht aus Dieseltechnik, BMW lockt da im 120d mit 120 kW (163 PS). Der Sportback 2.0 TDI ist für 23 450, der 120d für 24 400 Euro zu haben.

          Zwei Motoren hat Audi im Angebot, die in der Kompaktklasse ohne Widerpart sind: Im Sportback geht jetzt der neu entwickelte Zweiliter-Benziner-Turbo mit direkter Kraftstoffeinspritzung ans Werk, ein Motor, wie es ihn mit dieser Technik nirgendwo gibt auf der Welt. Die sanft laufende, sich bullig ins Zeug legende und flink hochdrehende Maschine bringt 147 kW (200 PS) und bietet ein Drehmoment von 280 Newtonmeter zwischen 1800 und 5000 Umdrehungen in der Minute. Damit kommt der Sportback aus dem Stand in 7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 236 km/h. In Verbindung mit dem DSG kostet der Sportback 2.0 TFSI zwar heftige 29 000 Euro, er hält aber sowohl extrem stürmische als auch ausreichend komfortable Eigenschaften bereit. Mit dem bekannten 3,2-Liter-Sechszylinder (184 kW/250 PS) kostet der Sportback 3.2 quattro 32 050 Euro. Die schwächeren Sportback-Varianten sind alle von ausreichender Lebendigkeit, die bekannten TDI-Motoren verbinden hohe Durchzugskraft mit niedrigem Verbrauch, halten aber auch weniger Laufkultur bereit als gute Common-Rail-Selbstzünder.

          Der Sportback übernimmt in der A3- Familie mehrere Rollen. Er ist der Viertürer, der Kombi (Avant) und gleichzeitig ein Coupé. Diese Aufgaben versucht vor allem das Design zu bündeln. Zudem ist der Sportback der erste A3 mit dem neuen Audi-Gesicht, das mit einer riesigen Kühlerschnauze im Chromrahmen so dominant wirkt, wie mancher es von dieser dezenten Marke nicht erwartet hätte. Doch Audi will künftig noch stärker Flagge zeigen und nimmt dabei offensichtlich einen aggressiveren Auftritt nicht nur in Kauf, sondern fördert ihn sogar. Allerdings ist der restliche Karosseriekörper des Sportback eher konventionell-zurückhaltend als spektakulär geformt. Daß der Audi ein Kraftwagen ist, deutet er mit Wülsten an den Kotflügeln, den knappen Überhängen und dem coupéhaft flachen Dach über einer relativ hohen Gürtellinie an. Aber Schlichtheit ist nach wie vor das Programm in der Karosserieschneiderei von Audi. Er soll eher von innen nach außen wirken. Sein Leergewicht beginnt mit dem 1.6 bei 1245 Kilogramm.

          Auf einer Länge von 4,29 Meter (83 Millimeter mehr als der Zweitürer) und bei einem Radstand von 2,58 Meter werden ausreichende, aber nicht verschwenderische Platzverhältnisse geboten. Der Passagierraum hat die charakteristische Intimität nicht abgelegt, Wachstum bei Beinfreiheit und Schulterbreite gibt es im Millimeterbereich, die für den Fond eingeplanten Passagiere dürfen jetzt etwas üppiger sein. Konzentriertes Design und Materialwahl sind auch im Sportback dazu geeignet, den Maßstab für diese Klasse zu bilden. Der Audi Sportback gehört nach den Kriterien der "gefühlten Qualität" zur Spitzenklasse. Der fein verkleidete Gepäckraum ist variabel, sein Ladevolumen beträgt je nach Zustand der Rücksitzbank 370 bis 1120 Liter.

          Auch als Sportback hat der A3 seine Agilität nicht abgelegt. Die elektromechanische Servolenkung arbeitet auch bei den Frontantriebsversionen nahezu ohne Antriebseinflüsse. Unter Abwesenheit jeglicher Nervosität wirkt sie so direkt, als greife des Fahrers Hand direkt an die Räder. Nachteile des Frontantriebs sind im Bereich bürgerlicher Leistungen nicht auszumachen, erst bei den stärkeren Turbos, egal ob Benziner oder Diesel, wird die Lenkung unruhig, die Traktion ist mitunter in Frage gestellt. So fein der Audi A3 Sportback technisch und optisch antritt: die Preisentwicklung geht zügig nach oben. Sich mit dem 3.2 quattro in die Nähe von 40 000 Euro zu begeben fordert nur einen kleinen Ausflug in die Zubehörliste.

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