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Alltag im elektrischen BMW : Unser Leben mit dem i3

BMW i3 vor dem Fincahotel Amapola auf Mallorca Bild: Appel

Über Elektroautos gibt es viele Meinungen. Da trifft es sich gut, dass im Bekanntenkreis gleich zwei Trendsetter über ihre Erfahrung mit dem BMW i3 berichten können.

          Über Elektroautos gibt es jede Menge Meinungen, jedenfalls mehr als Erfahrungsberichte. Da trifft es sich gut, dass im Bekanntenkreis gleich zwei Trendsetter unterwegs sind, und zwar mit dem BMW i3 in der rein elektrischen Version. Der eine gehört dem Unternehmer Konstantin Kovarbasic, der damit täglich aus dem Taunus nach Frankfurt fährt und oft ins 40 Autobahnkilometer entfernte Wiesbaden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der andere gehört Jörg Hertzner, dem Inhaber des Fincahotels Amapola auf Mallorca, wo der elektrische BMW nicht nur Imageträger eines nachhaltigen Hotelbetriebs ist, sondern auch im Pendelverkehr zum Flughafen, zum Markt und auf die Kartbahn eingesetzt wird. Hertzner ist halbwegs talentierter Hobbyrennfahrer und nimmt seinen i3 entsprechend ran. Beide sind Vielfahrer, Kovarbasic hat 26 000 Kilometer auf dem Tacho, Hertzner nach zehn Monaten schon 17 000.

          Beide Eigner berichten von deutlich weniger Reichweite als die von BMW angepriesenen 160 Kilometer. Dem Hessen machen kühle Tage zu schaffen, allein die Heizung kostet 10 Kilometer. Kovarbasic fährt morgens mit 112 Kilometern Reichweite aus der Garage. Hertzners i3 weist zum Start 120 Kilometer aus und schert sich kaum darum, ob die Klimaanlage läuft oder nicht. Wohl aber beeinflusst die Mittelmeer-Hitze den Ladevorgang. Nach mancher Fahrt müssen die Akkus 20 Minuten abkühlen, bevor Strom fließt. Und tatsächlich geschafft hat Hertzner noch nie mehr als 98 Kilometer Strecke.

          Beide eint wiederum, dass die Autobahn ein Reichweitenkiller ist. Frankfurt-Wiesbaden und zurück schafft der i3 gerade so, einmal musste Kovarbasic einen Umweg fahren, da erreichte er nach 85 Kilometern seine im Büro installierte Ladesäule mit einem Kilometer Restreichweite. Immerhin ist die Anzeige offenbar genau. Im Winter ist er die Strecke auch schon ohne Heizung und mit Handschuhen gefahren aus Sorge, ihm werde der Strom ausgehen. Grundsätzlich allerdings achtet er nicht mehr auf den Kilometerzähler, und er hat noch nie an einer öffentlichen Ladesäule getankt, denn er kennt seine Routinen, die schafft der i3 immer.

          An der Haushaltssteckdose vergehen 8,5 Stunden, bis die leeren Akkus voll sind. Hertzner hat eine 9500 Euro (Spanien subventioniert die mit 2800 Euro und das Elektroauto mit 6500 Euro) teure Schnellladesäule von Mennekes gekauft, die ihre volle Wirkung verfehlt, weil der i3 den Stromfluss begrenzt. Es gibt verschiedene Anschlüsse, der schnellste ist eine Sonderausstattung, nach der Interessenten ausdrücklich fragen sollten. Nicht alle Verkäufer sind im Bilde, in diesem Fall ging die Beratung schief. Nachrüsten ist unmöglich. So flößt die Mennekes-Säule binnen einer Stunde Laden nur 15 Kilometer Reichweite ein, das ist dem eiligen Hotelier zu wenig.

          12,9 kWh je 100 Kilometer gibt BMW als Normverbrauch an, eine Illusion. Da sich jeder i3-Fahrer auf einem Portal mit der Gemeinschaft vergleichen kann, wissen beide, dass der tatsächliche Durchschnitt 15,5 kWh beträgt. Kovarbasic braucht 16,4, Hertzner 17,3 - meldet die Homepage. Unerklärlicherweise zeigen die Bordcomputer niedrigere Werte an.

          Frage an beide, ob sie den i3 wieder kaufen würden? Gleiche Antwort: „Ja, macht Spaß. Aber echte 200 Kilometer sollte er schaffen“.

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