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Autos mit alternativem Antrieb : Mehr Gas geben!

Gas ist sauber und subventioniert, fragt sich nur, wie lange. Bild: Edgar Schoepal

Jenseits der Elektromobilität versprechen Erdgas und Autogas günstiges Fahren und gutes Umweltgewissen. Wie die Gasantriebe funktionieren und was man wissen muss.

          Weg vom vielgeschmähten Dieselmotor, hin zu alternativen Antrieben: So lautet für viele Autofahrer derzeit die Maxime, wenn sie nach einem Neuwagen suchen, der das Umweltgewissen beruhigen soll. Vielfahrer kennen die Vorteile des Diesels: seine besonders effiziente Verbrennung und hohe Wirtschaftlichkeit. Wer auf einen Benziner umsteigt, muss mit höheren Verbräuchen und höheren Kraftstoffkosten rechnen, von mehr CO2-Emissionen ganz zu schweigen. Hier wollen nun Fahrzeuge mit Gasantrieb geradezu die eierlegende Wollmilchsau sein: Sie versprechen günstige Mobilität mit geringen Kraftstoffkosten und niedrigen Emissionen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es gibt zwei Sorten Gas, und man muss sich für eine entscheiden, ein Wechsel innerhalb der Anlage ist nicht möglich. Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas) besteht zum größten Teil aus Methan und kommt in natürlichen Lagerstätten vor. Es ist leichter als Luft und wird im Fahrzeug gasförmig bei einem Druck von 200 bar in großen und schweren zylindrischen Tanks gespeichert. Auto- oder Flüssiggas (LPG, Liquified Petroleum Gas) aus Propan und Butan fällt in der erdölverarbeitenden Industrie an, es ist schwerer als Luft und gelangt flüssig mit 8 bis 10 bar in den Tank, der weniger voluminös als der Erdgastank ist.

          Mit der Verbrennung von Erd- und Autogas entsteht weniger CO2, heißt es bei den jeweiligen Lobbyverbänden. Der ADAC hat im vergangenen Jahr eine umfassende CO2-Bilanz aller Antriebsarten erstellt, dabei den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs berücksichtigt und die klimarelevanten Emissionen von der Quelle bis zum Fahrzeugtank einbezogen. In der Kompaktklasse erzeugt demnach ein Benziner 30.000 Kilogramm CO2 über 150.000 Kilometer. Diesel und Autogas liegen gleichauf bei 27.000 Kilogramm, Erdgas kommt auf 26.000 Kilogramm. Geht es um die Stickoxidemissionen (NOx), sind die Messungen des ADAC vor zwei Jahren interessant. Hier kam der VW Golf 1.2 TSI mit Benzinmotor auf 16, der Erdgas-Golf auf 21 und der Golf TDI mit Dieselmotor auf 37 Milligramm je Kilometer.

          Biomethan lässt sich uneingeschränkt im Erdgasauto nutzen

          Doch trumpfen die Erdgas-Befürworter mit einer weiteren Karte auf, nämlich die Einbindungsmöglichkeit für erneuerbare Energien. Biomethan entsteht aus Ausgangsstoffen wie Pflanzen, Gülle und Mist sowie organischen Reststoffen. Diese werden zu Biogas vergoren. Biogas kann zur Gewinnung von Strom und Wärme genutzt werden, oder man kann es weiter aufbereiten, indem es entschwefelt und das enthaltene CO2 abgeschieden wird. Dann entsteht Biomethan, das bei seiner Verbrennung nur so viel CO2 freisetzt, wie die verarbeiteten Pflanzen während ihres Wachstums gebunden haben. Biomethan lässt sich uneingeschränkt im Erdgasauto nutzen. An mehr als 100 Erdgastankstellen ist reines Biomethan erhältlich, und an jeder dritten der rund 850 Erdgaszapfsäulen wird Biomethan beigemischt.

          So wundert es kaum, dass die Erdgas-Lobby während ihrer CNG Mobility Days Ende Juni in Berlin sich und ihr Konzept lobte: Der Erdgasantrieb sei ein günstiger, bereits verfügbarer und nachhaltiger Klimaschutz. Erdgas sei ein wichtiger Baustein der Dekarbonisierung der Fahrzeuge, sagte Stephen Neumann, der Konzernbeauftragte für Erdgasmobilität bei Volkswagen.

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