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Automobilindustrie : In Zukunft zählt jedes Auto-Gramm

Kalt begehrt: Die Klimaanlage arbeitet nur bei Bedarf Bild: Hersteller

Der CO2-Ausstoß muss sinken. Das treibt die Automobilindustrie zu bisweilen irrwitzig anmutenden Ideen. Der Kunde soll davon natürlich auch profitieren. Und zahlen.

          5 Min.

          Die Jungs aus der Dessous-Abteilung können einem ein bisschen leid tun. Den lieben langen Tag dürfen sie sich mit Unterwäsche beschäftigen, doch an Victoria’s Secret denken sie hier höchstens im Traum. Der Ingenieur kleidet seine meist eher nüchterne Kleinarbeit inoffiziell gern mal in verführerische Bilder, und deshalb nennen sie in der Autoindustrie jene Truppe, die an neuen Fahrwerken tüftelt, die Unterwäsche-Abteilung. Das klingt ein wenig halbseiden, doch ist natürlich jedem klar, dass ohne ein perfektes Fahrgestell jeder Verführungsversuch ins Leere läuft.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Misslich nur: Derzeit interessiert sich in der Öffentlichkeit niemand dafür. Was lehren die Lehrer in der zehnten Klasse Gymnasium? Ressourcenverbrauch, Erderwärmung, Abgasemissionen von Industrie und Automobil. In Deutsch, Geschichte und Erdkunde. Gezeigt werden Grafiken über das Bevölkerungswachstum, den Zuzug in die Metropolen und Bilder vom Toyota Prius, weil der als Hybridpionier und Klimaretter gilt.

          Begleitet wird der Trend von politischen Vorgaben, die zwischen falscher Profilierungssucht und echtem Umweltnutzen liegen, in jedem Fall aber die Regeln setzen. Hinzu kommt ein gesellschaftliches Phänomen, der schier unaufhaltsame Boom des Smartphones.

          „Ohne Vernetzung werden Autos künftig unverkäuflich sein“

          Daraus zieht die Autoindustrie ihre Konsequenzen und setzt zwei Topthemen: Abgasreduktion und Vernetzung. Sie jagt mit dem Auto jedes Gramm CO2 und entwickelt den Apples und Googles dieser Welt so schnell nach, wie sie eben kann. Mit bisweilen irrwitzig anmutendem Aufwand, nicht nur bei den Herstellern. Schon zittern die Werkstätten, wer all die komplexe Technik warten und reparieren soll. Enormer Schulungsbedarf ist programmiert. Wir sind hinter die Kulissen gestiegen und haben uns von Europas größtem Autohersteller VW zeigen lassen, woran Ingenieure und Ingenieurinnen tüfteln.

          Hierzu zwei Eckwerte: Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, mahnt: „Jedes Gramm CO2, das wir in Europa in der Flotte einsparen, kostet unseren Konzern fast 100Millionen Euro.“ Und: Bis zum Jahr 2018 sollen alle Fahrzeuge aus dem VW-Konzern serienmäßig vernetzt sein, denn „ohne Vernetzung werden Autos künftig unverkäuflich sein“, ist sich das Management sicher.

          VW will das Zehnganggetriebe

          Motor und Getriebe bieten große Stellschrauben, um gute Leistung und geringen Verbrauch unter einen Hut zu bringen. In zwei bis drei Jahren will VW das erste Zehn-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) der Welt einführen. Es dürfte seine Premiere im nächsten VW Phaeton und im Audi A8 feiern, für Benziner und Diesel einsetzbar sein, bis zu 550 nm aushalten und stets mit Allradantrieb gekoppelt werden.

          Der Clou: Die Größe bleibt zum derzeit eingesetzten Getriebe mit sieben Gängen ebenso gleich wie der Radsatz. Mittels Leistungsumlenkung auf eine zweite Triebwelle entsteht eine Vorübersetzung. So wird es auch möglich, kürzer übersetzte Gänge zum Anfahren oder fürs Gelände und länger und damit sparsamer übersetzte für Reisegeschwindigkeiten anzubieten.

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