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Model 3 : Der Tesla für die Mittelklasse

Das neue Model 3 von Tesla soll 35.000 Dollar kosten. Bild: Tesla

Tesla-Vorstandschef Elon Musk hat das neue Model 3 vorgestellt. Es ist für sein Unternehmen von immenser strategischer Bedeutung. Der Verkauf der Autos hat aber einen kleinen Haken.

          Der Elektroautobauer Tesla hat sein erstes strombetriebenes Fahrzeug für den Massenmarkt vorgestellt. Firmenchef Elon Musk präsentierte in den Tesla-Designstudios in Hawthorne bei Los Angeles in der Nacht zum Freitag das mit Spannung erwartete Model 3. Der Mittelklassewagen soll 35.000 Dollar kosten, hat in der Basisvariante eine Reichweite von gut 345 Kilometern pro Batterieladung und lässt sich in sechs Sekunden von null auf eine Geschwindigkeit von 60 Meilen (knapp 97 Kilometer) pro Stunde beschleunigen. Laut Tesla-Chef Musk sind binnen 24 Stunden bereits 115.000 Vorbestellungen eingegangen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Inszenierung des neuen Tesla-Autos hatte schon vor seiner Enthüllung angefangen. Tesla begann am Donnerstag morgen, in seinen Läden auf der ganzen Welt die Reservierungen für das Fahrzeug entgegenzunehmen. Vor vielen Geschäften bildeten sich Schlangen, ganz ähnlich wie es von Verkaufsstarts von Produkten des Elektronikkonzerns Apple bekannt ist, wenn auch nicht mit vergleichbaren Menschenmassen.

          Die Auslieferung des Mittelklassewagens soll Ende 2017 beginnen. Bilderstrecke

          Auch vor Tesla-Läden in deutschen Städten wie Hamburg oder Düsseldorf standen Menschen an. Elon Musk twitterte am Donnerstag morgen ein Foto mit einigen Dutzend Personen vor einem australischen Geschäft. Seit Donnerstagabend kann das Auto auch im Internet reserviert werden. Wer das Model 3 hierzulande vorbestellen will, muss 1000 Euro anzahlen, in den Vereinigten Staaten sind es 1000 Dollar. Einen Haken gibt es dabei: Die Auslieferung soll erst Ende 2017 beginnen.

          Mit dem Model 3 wird die Produktpalette von Tesla auf drei Fahrzeuge anwachsen. Das Unternehmen verkaufte bis vor kurzem nur die Limousine Model S, die in Amerika 75.000 Dollar kostet und in Deutschland sogar mehr als 80.000 Euro. Erst im vergangenen Herbst kam der noch etwas teurere Geländewagen Model X hinzu, den Tesla bislang aber nur in sehr kleinen Stückzahlen produziert. Den Roadster, mit dem Tesla einst bekannt wurde, gibt es seit 2012 nicht mehr zu kaufen.

          Das Model 3 ist für Tesla von immenser strategischer Bedeutung, denn mit ihm will Elon Musk sein Unternehmen endlich zu einem Hersteller für ein breites Publikum machen. Wegen der hohen Preise seiner bisherigen Modelle ist Tesla derzeit nur ein Nischenanbieter, im vergangenen Jahr wurden gerade einmal rund 50.000 Autos verkauft. Tesla versteht sich bislang selbst als Premiummarke und misst sich mit seinen Absatzzahlen an deutschen Herstellern in höheren Preissegmenten wie BMW oder Porsche.

          Seitenhieb gegen Tesla

          Mit dem Model 3 will Tesla nun ganz neue Käuferschichten erschließen, denen die bisherigen Autos zu teuer waren. Das neue Modell soll Tesla dabei helfen, bis 2020 einen Jahresabsatz von 500.000 Autos zu erreichen. Und die hohen Stückzahlen sollen dafür sorgen, das bisher defizitäre Unternehmen profitabel zu machen.

          Die Hoffnung, dass Tesla über seinen bisherigen Rang als Nischenhersteller hinauswächst, hat das Unternehmen zu einem Börsenliebling gemacht. Trotz seiner Verluste wird Tesla derzeit mit rund 30 Milliarden Dollar bewertet, in den vergangenen zwölf Monaten legte der Aktienkurs um rund 25 Prozent zu.

          Das neue Auto wird Tesla in eine Klasse mit ganz neuen Wettbewerbern bringen. Beispielsweise mit dem größten amerikanischen Autohersteller General Motors, der noch in diesem Jahr und damit vor dem Verkaufsstart des Model 3 das Elektroauto Chevrolet Bolt auf den Markt bringen will. Wie Teslas Modell soll der Bolt eine Reichweite von rund 320 Kilometern haben, und er soll auch auf einem ähnlichen Preisniveau liegen.

          Obwohl Tesla als Marke ein höheres Prestige als Chevrolet genießt, gibt sich GM selbstbewusst. Vorstandsvorsitzende Mary Barra nannte den Bolt kürzlich „das erste Elektroauto, das den Code geknackt hat, große Reichweite zu einem erschwinglichen Preis zu liefern.“ Das war ein klarer Seitenhieb in Richtung von Tesla, dessen Model 3 wohl länger auf sich warten lassen wird.

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