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Fahrbericht Elektroroller : Ein guter Kumpel

Elektroroller von Kumpan Electric Bild: Hersteller

Elektroroller fallen im Verkehr nicht auf. Erst wenn der Fahrer lautlos davon saust, sind ihm die Blicke sicher. Unterwegs mit einem Elektroroller von Kumpan.

          Es ist grün! Gasgriff schnell bis zum Anschlag aufdrehen, und hinterher. Doch die 50er Vespa zieht knatternd davon. Der Elektroroller von Kumpan Electric mag es nicht nur lautlos, sondern auch gemütlich. Im Gegensatz zum Niu N1s Civic, der vor wenigen Wochen im Test einen enorm spritzigen Antritt an Ampeln bewies, beschleunigt der „1954L“ eher sanft.

          Die behutsame Beschleunigung entspricht seiner äußeren Erscheinung. Der Elektroroller ähnelt einer klassischen Vespa, Kumpan Electric spricht vom „klassischen Design der 50er Jahre“. Der Roller ist zudem ein Zweisitzer, der als solcher auch gute Dienste leistet.

          Der Elektroroller ähnelt einer klassischen Vespa, Kumpan Electric spricht vom „klassischen Design der 50er Jahre“. Bilderstrecke

          Will der Fahrer nach getaner Fahrt den Helm wie üblich unter dem Sitz verstauen, ist der Platz besetzt. Dort steckt der Akku, nebendran das Aufladegerät. Der Akku hat einen Energiegehalt von 1479 Wattstunden, eine Kapazität von 29 Amperestunden und eine Spannung von 50,7 Volt; er wird an einer üblichen Haushaltssteckdose aufgeladen. Das dauert etwas mehr als fünf Stunden, das Ladegerät gibt in dieser Zeit gemessene 1,57 Kilowattstunden ab. Dass er laut Hersteller „innerhalb von vier Stunden wieder vollständig aufgeladen ist“, stimmt nicht.

          Wie zu erwarten sind die 50 Kilometer Reichweite, mit denen der Hersteller wirbt, im Alltag nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht, wenn er überwiegend in der Stadt gefahren wird. 31 Kilometer hat der Akku im Schnitt durchgehalten. Das bedeutet für den Pendler vom Frankfurter Nordend ins Gallusviertel, dass genug Energie für drei Arbeitstage zur Verfügung steht.

          Wer weiter fahren will, kann einen zweiten oder dritten Akku unter den Sitz packen. Sie können parallel geschaltet werden, dann entladen sie sich gleichmäßig. Oder der Fahrer stöpselt das Kabel um, wenn ein Akku leer ist. Der Vorteil: Die Ersatzbatterie lässt sich im Büro oder zu Hause laden, während man unterwegs ist. Da die Kraftspender mit einem Gewicht von zehn Kilogramm recht schwer sind, liefert Kumpan Electric gleich einen Riemen mit, um sich den grünen Klotz für den Transport umhängen zu können.

          Jeder weitere Akku kostet 1000 Euro

          Das Problem ist aber weniger das Gewicht als der Preis. Jeder weitere Akku kostet 1000 Euro. Das ist etwa ein Viertel des Preises des 1954L, der von 3850 Euro an zu haben ist. Packt man beim Kauf zwei Ersatzakkus mit drauf, ist man schon bei knapp 6000 Euro. Wem ein Elektroroller so viel wert ist, hat jedenfalls eine Menge Spaß.

          Der Kumpan zeigt sich trotz seiner Größe hinreichend wendig. Mit der Boost-Taste leistet der Elektro-Motor 2,8 kW. Dann nähert sich die Geschwindigkeit 50 km/h. Das reicht für den Stadtverkehr. Wie schnell man fährt, ist bei Sonnenschein auf dem Display allerdings nicht zu erkennen, geschweige denn die Angabe, wie weit man bisher gefahren ist.

          Geht es leicht bergauf, hält der Kumpan die Höchstgeschwindigkeit recht konstant. Energie ist also genug da. Wie viel und wo sie der Kumpan einsetzt, ist eine Frage der Programmierung. So sei es auch möglich, mit Hilfe der Software die Anfangsbeschleunigung zu verändern. Dann müsste unser Duell mit der Vespa wiederholt werden.

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