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Elektroroller von Trinity : Beim Jupiter, ein Chinakracher

E-Roller mit Macken, aber flott. Bild: Weber

Der Elektroroller von Trinity soll Autobahntempo und hohe Reichweiten ermöglichen. Das geht, die Verarbeitung dürfte allerdings besser sein.

          2 Min.

          Möglicherweise trügt das Empfinden, wenn man selbst zu den Betroffenen gehört. Aber könnte es sein, dass immer mehr Männer mit grauen Bärten auf Motorrollern unterwegs sind? Die Leichtkraftroller lassen sich noch mit dem alten Autoführerschein bewegen und sind ausreichend flott, um aus dem Windschatten von Lastwagen hervorpreschen zu können, sie dienen als Spritsparmodell. Die Streicheleinheiten für das ökologische Gewissen der in die Jahre gekommenen 68er Protestler – Mensch, habe ich wieder wenig verbraucht – lassen sich freilich noch toppen: mit dem fast gleichen Vehikel, aber elektrisch. Soweit man der Ansicht ist, so etwas sei umweltfreundlicher, jedenfalls kostet aber der Strom im Vergleich so gut wie nichts.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nur gibt es an flotten elektrifizierten Zweirädern nicht viel Auswahl, und wenn, dann kann sich das Sparen kaum jemand leisten. Eine Ausnahme von der Regel war ein paar Tage in der Redaktion zu Gast, sie nennt sich Jupiter und soll 120 km/h schnell sein. Der mehr als 170 Kilo schwere Brocken wird vom Anbieter Trinity für 5900 Euro verkauft; er wird in China gebaut, aber nach deutschen Vorgaben, deshalb betrachtet sich Trinity als Hersteller. Dafür bekommt der Kunde einen Lithium-Akku mit 5,76 kWh, 7,2 kosten 900 Euro mehr und 8,6 nochmals 900. Er ist fest eingebaut, zum Laden braucht der Jupiter also eine erreichbare Steckdose. Als Verbrauch werden 5,22 kWh auf 100 Kilometer angegeben.

          Im Hof steht die mittlere Version, der erste Eindruck ist zwiespältig. Einerseits schmucke Details wie Schräubchen aus Edelstahl, andererseits schlampige Verarbeitung mit billigem Plastik, hakelnde Schalter, erschreckende Spaltmaße und Gabel-Standrohre, kaum dicker als ein Strohhalm. Die Sitzposition ist wegen stark angewinkelter Knie für große Leute gewöhnungsbedürftig.

          Mit mehr als 170 Kilogramm ein schwerer Brocken.

          Wie fährt sich das? Zunächst einmal rückwärts zum Rangieren, das erfordert etwas Übung, der Knopf ist aber höchst willkommen. Und vorwärts dann viel besser als gedacht. Als Dauerleistung stehen 12 PS zur Verfügung, das ist der Maßstab für die Einstufung, kurzzeitig liefert der Motor aber deren 22. Damit setzt sich der Jupiter nach einer winzigen Verzögerung sanft in Bewegung. Nach unserem Geschmack etwas zu sanft, an der Ampel schneller als die meisten Autos ist der oberste der Götter allemal. Wenn der Tachometer die 40 erreicht, geht es erfreulich zügig von dannen, der Vortrieb endet erst bei knapp 130, das waren bei unserem Exemplar in Wahrheit einen Tick weniger als die versprochenen 120. Unter voller Last nimmt die Elektronik bald Leistung zurück, gefühlt entspricht das der zweiten der drei Stufen, ausreichend noch zum Überholen von Lastwagen, die erste taugt nur für Stadtfahrten. Auf der Autobahn wird der Fahrer zum Nervenbündel, nach einer Viertelstunde sind von den zehn Balken der Batterieanzeige nur noch drei übrig, bald blinken zwei. Doch kaum beruhigt sich die Gashand, erholt sich wundersam die Anzeige und klettert wieder auf vier oder gar fünf Balken. Gemessen haben wir bei strammer Fahrt mit hohem Autobahnanteil 6 bis 6,5 kWh, mit dem mittleren Akku kommt man also 120 Kilometer weit. Als wir nachladen wollten, war der unter einer Klappe montierte Stecker hinter dem Plastikgedöns verschollen – ein langer Drahthaken brachte ihn wieder zum Vorschein. Von leer bis voll vergehen gut vier Stunden.

          In Kurven liegt der Jupiter ruhig. Beim Bremsen wird rekuperiert, die Wirkung vorn war lausig, ABS gibt es nicht. Kleine Räder und der Radnabenmotor machen Schlaglöcher zum Erlebnis, die weiche Sitzbank gleicht das zum Teil wieder aus. Unter ihr gibt es Platz für einen Helm. Das Licht ist funzelig. Wer mit den genannten Macken leben kann, bekommt einen flotten Elektroroller zum relativ niedrigen Preis. Ein Ersatzakku kostet fast so viel wie der Roller selbst, Trinity gibt drei Jahre Garantie. Der Kollege, der viele hat kommen und gehen sehen, ist skeptisch – mal abwarten, ob es den Anbieter in zehn Jahren noch gibt. Der ist nach eigenen Angaben seit sieben Jahren auf dem Markt, hat in Deutschland 30 Händler und 120 Servicestationen. Etwas Risiko fährt zum Schnäppchenpreis mit.

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