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Elektroroller im Test : Auf Schritt und Tritt

Doc Pro: Elektroroller für knapp 800 Euro Bild: Hersteller

Erst treten, dann fahren: Der Doc Pro ist eine Art Pedelec ohne Pedale. Er hat Chancen, zugelassen zu werden - aber als Mofa. Solange es eben ist, macht der Elektroroller Spaß.

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          Wenn der Staat nicht weiß, wie er mit neuer Technik umgehen soll, gebiert das Merkwürdigkeiten. Kürzlich haben wir uns verschiedene elektrisch betriebene Radfahrzeuge angesehen, die alle zwar nicht schneller sind als ein Pedelec, denen aber bisher die Zulassung versagt bleibt. Der Grund ist einfach: Man muss nicht mittreten und kann es auch nicht.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun schneit uns ein Elektroroller für knapp 800 Euro ins Haus, bei dem das anders ist. Am Lenker links findet der Daumen einen Gashebel ähnlich dem eines Quads. Sobald das Gerät am großen Druckknopf unten vor der Lenkstange angeschaltet ist, die blauen Balken für die Batterieanzeige leuchten und der Hebel betätigt wird, passiert - nichts. Denn im Gegensatz zu anderen seiner Zunft setzt sich der italienische Roller namens Doc Pro nur dann in Bewegung, wenn der Fahrer ihn mittels eines kräftigen Fußtritts in Bewegung setzt, gerade so, wie wir das als Kinder gemacht haben.

          Bei mehr als Schrittgeschwindigkeit nimmt der Roller Fahrt auf, treten ist dann nicht mehr nötig. Die reicht bis zu 20 km/h laut Anbieter, nach unserer Messung war es etwas weniger. Die angegebene Strecke von 20 Kilometer (allerdings mit dem Zusatz „bis zu“) wird auch nicht erreicht, aber bergab rekuperiert der Doc Pro. Wenn der Lithium-Akku mit 4,4 Ah und 36 Volt leer ist, muss der Roller für rund zweieinhalb Stunden an die Steckdose.

          Der Motor hat 300 Watt

          Am Hebel lässt sich das Tempo leicht auf Schrittgeschwindigkeit verringern und wieder steigern. Könnte sein, dass der Gesetzgeber damit zufriedengestellt ist und den Doc Pro einem Pedelec gleichstellt - oder auch nicht, denn der Motor ist mit 300 Watt dafür etwas zu stark. Eine Entscheidung über die Einordnung elektrischer Tretroller steht nach Angaben des Anbieters noch aus, eine Zulassung mit Nummernschild als Mofa wäre wohl möglich.

          Zusätzlich gibt es einen Knopf, mit dem die Höchstgeschwindigkeit auf freudlose sechs km/h reduziert werden kann - so schnell respektive langsam dürfen zulassungsfreie Fahrzeuge fahren. Das ist nach Angaben des Importeurs für die Fußgängerzone gedacht. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, dürfe der Roller aber nicht auf einfachen abermaligen Knopfdruck wieder schneller laufen.

          Die Zulassungspflicht gilt erst recht für eine geplante Variante namens Nilox DOC Fighter. Durch Karbonteile ist dieser Roller sieben Kilo leicht, und er kann bis zu 35 km/h schnell sein. Die Reichweite wird mit 30 Kilometer angegeben, der Preis soll bei knapp 1500 Euro liegen.

          Der von uns gefahrene Dox Pro wird mit dem hinteren Kotflügel gebremst, der mitsamt der ständig brennenden Rücklicht-LED auf den acht Zoll kleinen Reifen gedrückt wird. Das funktioniert brauchbar. Der Doc Pro ist für einen Elektroroller klein und nur 13 Kilo schwer; mit einer Länge von knapp einem Meter und zusammengefaltet passt er in den Kofferraum. Dazu wird ein Hebel unten am Lenkkopf gezogen, worauf der Lenker nach hinten und das Vorderrad nach oben klappt. Die Lenkstange liegt dann waagerecht und dient als Griff, auf Hinterrad und Bauchplatte steht der Roller stabil.

          Und wie fährt er sich? Schön wäre ein Freilauf für die Fahrt ohne Motor. Die kleinen Räder und der geringe Nachlauf machen den Doc Pro etwas zappelig, aber man gewöhnt sich bald daran und genießt mit moderatem Wandertempo die Welt. An Steigungen geht dem Motor allerdings rasch die Puste aus. Solange es eben ist, macht der Doc Pro Spaß. Uns kam er für kurze Wege gerade recht.

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