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Fahrbericht Elektro-Schwalbe : Schwalbenkönig

Steht unter Strom: Die Elektro-Schwalbe wird jetzt auch mit kräftigem Antrieb angeboten. Bild: Wille

Die meisten Elektroroller sind lahm. Aber die Schwalbe gibt es jetzt in Schnell. Wir zeigen Ihnen den Vogel.

          Beginnen wir mit der Vergabe der Sympathiepunkte. Da bekommt die Elektro-Schwalbe 100 von 100 möglichen. Dem Reiz einer Vespa bietet sie Paroli, wenngleich sich hier nicht italienischer Charme entfaltet, sondern jener der DDR. Es wäre übertrieben zu sagen, dass am Lenker der Schwalbe sofort Heißhunger auf einen Broiler aufkommt, doch die nostalgische Wirkung ist enorm. Deshalb die Traumnote.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Allerdings müssen wir ein Auge zudrücken. Unser Testfahrzeug – es traf mit lediglich 12 Kilometern auf dem Tacho ein – wies einen leicht verdrehten Lenker auf. Der zeigte in Geradeausfahrt stets ein paar Grad nach rechts. Da muss während der Montage etwas schiefgegangen sein. Oder beim Transport. Nehmen wir mal an, dass es sich um einen Einzelfall handelt, und bleiben dabei: 100 Punkte.

          Wo einst Blech war, trägt die Elektro-Schwalbe Kunststoff, doch hat ihr Retro-Kleid ansonsten große Ähnlichkeit mit dem, was bei Simson in Suhl gefertigt wurde. Kotflügel und Karosse sind herrlich retro. Ebenso der Modell-Schriftzug, die großen Speichenräder, der eckige Scheinwerfer, Ochsenaugen-Blinker an den Lenker-Enden und der eher dekorative als nützliche Gepäckträger überm Rücklicht.

          Aber es hat sich ausgeknattert und ausvibriert. Kein Wölkchen pufft mehr aus. Das DDR-Kleinkraftrad hat sich in einen modernen Elektroroller verwandelt, den die Govecs AG aus München in Breslau fertigt. War bisher nur eine auf 45 km/h Höchstgeschwindigkeit begrenzte Elektro-Schwalbe verfügbar, gibt Govecs nun richtig Strom. Mit der Variante L3e sind 90 km/h möglich. Jedoch reicht dafür der Autoführerschein nicht. Wer die Schwalbe fliegen lassen will, benötigt die A1-Lizenz muss zudem tief in die Tasche greifen: 6990 Euro plus Nebenkosten werden verlangt, für ABS (Standard ist eine Kombibremse) weitere 290 Euro. Ein Hauptständer schlägt mit 120 Euro zu Buche. Den braucht man, weil die serienmäßige Seitenstütze zu kurz ausfällt, die Schwalbe damit sehr schräg steht und sich beim Parken unnötig breit macht.

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          Zu schwer, zu mächtig, hört man es gelegentlich meckern. Finden wir nicht. Die Schwalbe ist genau richtig, groß genug, dass sich auch Figuren von einsachtzig gut aufgehoben fühlen. Sie hebt sich damit wohltuend vom üblichen Schrumpfdesign aus China ab. Das laut Werksangabe 135 Kilo wiegende Zweirad zieht auffallend stabil seine Bahn, taucht vertrauenerweckend in die Kurve hinein, verhält sich stets neutral. Am erfreulichen Fahrverhalten dürfte die Bereifung erheblichen Anteil haben. Die Pneus der Sorte K 66 von Heidenau aus Heidenau kleben klasse, laufen fein geradeaus, geben Rückmeldung und leisten durch ihre Herkunft – Heidenau liegt am südöstlichen Stadtrand Dresdens – einen Beitrag zum Traditionsgeschmack der Schwalbe.

          LED-Licht rundum steuert eine zeitgemäße Note hinzu. Eine App verbindet Roller und Smartphone, merkwürdigerweise jedoch nur solche mit Android-Betriebssystem. Wer Apple-Geräte bevorzugt, guckt in die Röhre. Dass die Ochsenaugen abstehen, muss beim Manövrieren im Stadtgewühl bedacht werden. Die Sicht in den Rückspiegeln ist vorbildlich, die Wirkung der Bremsanlage gleichfalls. Die Federung reagiert bockig auf kurze, harte Stöße, erledigt ihre Aufgaben insgesamt jedoch sehr ordentlich. Unpraktisch sind die separaten Schlösser für Zündung und Sitzbank, ein schlüsselloses System täte der Schwalbe gut. Der Durchstieg zwischen Beinschild und Sitz fällt ziemlich hoch aus, was das Auf- und Absteigen erschwert, aber zu erklären ist.

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