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Elektroräder im Vergleich : Und vergib uns den Motor im Mountainbike

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Das Haibike Xduro Nduro Pro26 Bild: Hersteller

Bulls, Focus, Felt und Haibike stellen neue Modelle vor. Die Frage ist nicht mehr, ob mit E-Motor oder nicht. Sondern mit wie viel Power und Federweg sie unterwegs sind.

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          Welch ein Februar! Der Vorgarten steht voller Krokusse. Man kommt sich im Göttinger Stadtwald und auf dem Kerstlingeröder Feld vor, als sei man schon im Frühjahrstraining auf Mallorca. Und ist man tatsächlich dort, zieht man schwitzend die Jacke aus und lässt sich die Sonne auf die noch blassen Arme und Beine scheinen. Vier Tage Sonnenschein, mehr als vier Mountainbikes von den vier Marken Bulls, Focus, Felt und Haibike, und alle haben sie einen Motor, verschiedene Elektro-Antriebe und ganz verschiedene Charakteristiken.

          Unterwegs in der Halle und im Gelände

          Die ZEG mit ihrer Sportmarke Bulls macht an einem noch kühlen Morgen den Anfang des Reigens von Probefahrten in einer Halle in Rheinbreitbach. Dort stieben gewöhnlich Elektro-Enduros der Machart KTM Freeride E (30 PS, 45 Newtonmeter, 95 Kilogramm samt dem 300-Volt-Akkupack) über die festgestampfte Buckelpiste und durch überhöhte Kurven. Ist solch ein geschlossenes Enduro-Areal die Zukunft des Mountainbikes mit elektrischem Hilfsantrieb? Es gibt solche Befürchtungen (siehe Kasten unten) und sicher auch genau darauf gerichtete Bestrebungen, aber es wäre schade drum.

          Das Bulls Six50-E FS 3
          Das Bulls Six50-E FS 3 : Bild: Pardey

          Nicht, dass ein Six50E FS 3 von Bulls in der Halle etwa keinen Spaß machen würde. Das Fully mit 120 Millimeter Federweg vorn und hinten und dem „Performance Line“-Mittelmotor von Bosch an der Tretkurbel und 0,25 kW für rund 20 Kilogramm Fahrzeuggewicht (mit 400-Wh-Akkupack) macht jede Menge Laune zum Preis von rund 3700 Euro. Gefahren wird zunächst eine „verschärfte“ Variante - sozusagen Chip-Tuning: An der Motorleistung des zulassungsfreien Pedelecs, das sogar ohne Helm gefahren werden dürfte, was aber kein vernünftiger Mensch tun wird, ist nichts verändert. Aber wie der Antrieb seine Unterstützung der menschlichen Tretarbeit beisteuert, nämlich rascher und heftiger als bei der in die Läden gelangenden Version des Rades, das wurde radikalisiert. Der Unterschied ist deutlich: Auch die zahmere Version hilft einem zuverlässig die steile Rampe zu dem aufgeschütteten Plateau hinauf, aber man muss nicht so sehr aufpassen, dass ein Tritt zu viel zur falschen Zeit einem das Hinterrad seitlich wegschmieren lässt.

          Hersteller Focus bringt Mountainbikes mit neuem Antrieb

          Tags drauf stiebt an der Cala d’Or der Schotter, aufgewirbelt unter den 650B-Noppenreifen von Schwalbe, wenn der neue Antrieb Impulse 2.0 von Derby Cycle in den Modellen Jarifa (Hardtail) und Thron (Fully) der Marke Focus unterstützend eingreift. Eins der neuen Details an dem 36-Volt-Mittelmotor ist der „Shift Sensor“, der noch mehr als im Antriebsstrang der Montainbikes bei Rädern mit Nabenschaltung wie etwa dem kompakten Stadtrad Kalkhoff Sahel eine besondere Rolle spielt: Sobald man schaltet, wird dies erkannt, und der Motor unterbricht seine Tätigkeit für einen Sekundenbruchteil. Richtwert seien dafür, wurde gesagt, 250 Millisekunden.

          Das Focus Thron mit dem neuen Antrieb Impulse 2.0
          Das Focus Thron mit dem neuen Antrieb Impulse 2.0 : Bild: Pardey

          Die praktische Erfahrung zeigt auch hier: alles Einstellungssache. In dem einen Rad merkt man so gut wie nichts, man schaltet einfach, auch unter Last. In einem anderen Exemplar desselben Modells legt der Antrieb sozusagen eine deutlich spürbare Gedenksekunde ein, wenn man den Gang wechselt. Man darf dem allerersten Fahreindruck also keineswegs unkorrigierbar glauben. Noch etwas wurde an der von der Eigenentwicklung bis zur Herstellung als „hundert Prozent Made in Germany“ beworbenen zweiten Auflage des Impulse-Antriebs verändert: Die Rücktrittbremse, die Derby Cycle 2011 - natürlich nicht bei den Mountain Bikes, sondern bei den Elektrorädern der Marken Kalkhoff und Raleigh - einführte, greift nun weicher und besser dosierbar. Impulse 2.0 machte in dem Hardtail Jarifa einen knackigeren Eindruck als im Thron, von dem es eine bis 45 km/h unterstützende schnelle Variante mit Versicherungspflicht geben wird.

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