https://www.faz.net/-gy9-7mylv

Elektroräder im Vergleich : Und vergib uns den Motor im Mountainbike

  • -Aktualisiert am

Das neue Haibike-Modell ist schon ausverkauft

Für das Freeride- oder Enduro-Bike von Haibike ist jedes Werben überflüssig: Das 6500 Euro teure Xduro Enduro Pro ist beim Hersteller schon ausverkauft. Das Fully mit vorn und hinten fabelhaften 180 Millimeter Federweg (Fox 36 Talas RC2 und Fox CTD X) und dem Perfomance-Line-Motor von Bosch wird als Alternative zum Gipfelerklimmen mit dem Lift angepriesen: „No lift, but fun!“ Den wahren Fahrspaß entwickelt das Rad in halsbrecherischen Abfahrten, bei denen es mehr verkraftet, als sich der Probefahrer traute. In zahmerem Gelände bewegt, ist es ein sehr leicht zu handhabendes Bike mit einer ausgesprochen angenehmen Sitzposition. Komplett neu entwickelt wurde der Hinterbau mit dem zum Patent angemeldeten „Sprocket Equalizing System“: Eine Umlenkrolle reduziert trotz des kleinen Motor-Ritzels und des großen Federwegs Antriebseinflüsse wie etwa Pedalrückschlag. Gut gefallen hat an dem Rad auch das dicke Paket der elf Ritzel einer Sram XX1 im Hinterrad.

Jafira, die Hardtail-Variante der Marke Focus, ebenfalls mit dem Antrieb Impulse 2.0
Jafira, die Hardtail-Variante der Marke Focus, ebenfalls mit dem Antrieb Impulse 2.0 : Bild: Pardey

War das Nduro von Haibike von der Technik her betrachtet etwas ganz Besonderes, so war das ungewöhnlichste Mountainbike mit Elektromotor tags zuvor das Lebowsk-e von Felt gewesen. Der Name dieses Fatbikes des deutsch-amerikanischen Herstellers spielt auf den „Dude“ in der Filmkomödie „The Big Lebowski“ an. Das Rad verkörpert die Mode, die gerade mit Macht aus den Vereinigten Staaten zu uns herüber kommt und für viele abkupfernde Hersteller spätestens auf der Eurobike im Sommer zum Pflichtprogramm gehören wird. Ein völlig ungefederter Mountainbike-Rahmen, dessen Hauptaufgabe es ist, mit geradezu riesigen Durchlässen die vier Zoll breiten Ballonreifen zu beherbergen. In denen steckt - wenn sie erstaunlich schlapp aufgepumpt sind - aller Federweg, den das Rad zu bieten hat.

Wie andere Fat-Bikes sieht das Lebowsk-e beinahe zum Fürchten schwerfällig aus. Wer sich drauftraut, erlebt, dass das von Felt ebenfalls mit der Performance Line von Bosch in Kombination mit der XX1 von Sram motorisierte Rad nichts weniger als behäbig ist. In Anbetracht der Reifendimensionen möchte man es geradezu wendig nennen. Und dieses Rad marschiert durch Schnee, Matsch und grundlose Pfützen genauso wie es geradlinig über Schotter, Sand, Wurzelwerk, Äste oder loses Laub rollt: unerschütterlich. Selbst auf Untergründen, die dem Fahrer unangenehm sind, vermittelt es ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, das denken lässt, es stütze sich auf mehr als zwei Räder. Dass die breiten Reifen enorme Mengen von Schmutz und Steinchen fassen und bei erster Gelegenheit von sich schleudern, sei nur nebenbei angemerkt. Allerdings sind die großen Zerstörungen der Waldwege, wie sie das Foto nebenan zeigt, nicht dem noch preislosen seriennahen Prototypen des wohl im Sommer in die Läden kommenden Lebowsk-e anzulasten. Das waren Holz rückende Forstfahrzeuge und keine Biker.

Das Felt Fatbike Lebowsk-e im Gelände
Das Felt Fatbike Lebowsk-e im Gelände : Bild: Pardey

Nicht übertreiben

„Wir müssen darauf achten, dass wir die Faszination Mountainbike weiter leben dürfen.“ Als ehemaliger Mountainbike-Profi, Enduro-(Motorrad)-Fahrer und Berater von Bulls weiß Gerrit Gaastra genau, wovon er spricht. Das Mountainbike mit E-Motor macht enorm Spaß und mobilisiert auch Menschen, die ohne Hilfsmotor kaum auf einem Fahrrad im Wald unterwegs wären. So steigt die Zahl der Radfahrer im Gelände, und sie dringen in Höhen und Lagen vor, in die sie vorher ohne Motor niemals gelangt wären - um als tollkühne Downhill-Fahrer ins Tal zu donnern. Diese Entwicklung birgt einiges Konfliktpotential. Die Hersteller kennen die Thematik. Doch der Markt für eine neue Spielart des Sports ist da, die Nachfrage ist trotz saftiger Preise enorm - manche Hersteller melden ihre 2014er-Modelle schon jetzt als ausverkauft. Kein Hersteller will da auf E-Mountainbikes verzichten. Was also tun? Vor allem: Miteinander reden - statt dass die einen illegal Sprungschanzen im Wald bauen und die anderen Bäume quer über unerlaubte Trails fällen. Das Bewusstsein für verantwortungsvolleren Umgang mit E-Mountainbikes muss geschärft werden. Die Sportler haben es durch ihr Verhalten selbst in der Hand, ob das Mountainbike auch künftig in freier Natur seine Faszination entfalten darf. „Wir müssen aufpassen, dass es uns nicht irgendwann so ergeht wie den Enduro-Fahrern, die nur auf abgesperrten Arealen fahren dürfen“, warnt Gerrit Gaastra. (Susanne Braun)

Weitere Themen

Auf ein Taycan Cross Turismo Video-Seite öffnen

Porsche : Auf ein Taycan Cross Turismo

Porsche ist mehr als zufrieden mit dem Markterfolg des rein elektrischen Taycan. Und wem die sportliche Limousine schlicht zu unpraktisch ist, dem soll jetzt der Taycan Cross Turismo auf die Sprünge helfen.

Topmeldungen

Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

Grüne : Baerbock will als Kanzlerin Flugreisen verteuern

Solaranlagenpflicht für Neubau, Kurzstreckenflüge sollen obsolet werden: Annalena Baerbock kündigt ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an, sollte die Grüne im September Kanzlerin werden.
Israel unter Beschuss

Israel unter Beschuss : Ein normaler Albtraum

Der abscheuliche Terror, dem Israel ausgeliefert ist, hat tiefe Wurzeln, die nicht allein mit Gewalt und Einschüchterung zu beseitigen sind. Wann sind wir bereit, uns unsere Fehler einzugestehen? Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.