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Elektroräder : Das ändert sich mit dem E-Motor

  • -Aktualisiert am

E-Kompakträder zielen auf junge Städter, gefallen aber nicht nur denen: Blue Label Pony mit Riemen Bild: Hersteller

Neue Fahrradtypen für neue und jüngere Kunden, mehr Auswahl, mehr Spaß und mehr Nutzen: Das Thema Elektrorad ist immer noch für Überraschungen gut.

          Sie ist zehn Jahre jünger als ihr Partner und bei aller Fitness selbst nicht mehr die Allerjüngste. Aber nun, da der Mann ihres Lebens deutlicher schwächelt, kann sie sich endlich auf ein Elektrorad einlassen. So oder so ähnlich stellen sich viele die Kundschaft vor, die im Fahrradgeschäft nach – in diesem keineswegs seltenen Fall gleich zwei – Elektrorädern fragt: Silver-Ager, die noch nicht von den Radtouren lassen mögen, die sie vor 15 Jahren locker ohne Motor absolvierten. Tatsächlich werden, so berichten die Händler, die Interessenten für Pedelecs jedoch immer jünger. Und angesichts des sich gleichzeitig immer mehr in die Breite wandelnden Angebots kann man sich fragen: Was war zuerst da – die Findigkeit der Industrie, die Nische um Nische die verschiedensten Fahrrad-Bautypen elektrifiziert, oder aber die Wünsche jüngerer Kunden?

          Diese Frage stellt sich nicht nur beim durchaus umstrittenen E-Mountainbike oder dem modischen Fatbike mit elektrischem Hilfsantrieb. Nicht immer ist der Einsatz eines Motors so eindeutig indiziert wie bei einem Lastenrad. Warum soll man denn ein Faltrad, dafür gemacht, zusammengeklappt gehoben und auch ein Stück weit getragen zu werden, mit den zusätzlichen Kilos von Motor und Akku beschweren? Doch das erscheint nur jemandem widersinnig, der es nicht nötig hat, die Sache in der Praxis auszuprobieren. Es geht nicht darum, das Faltrad zu elektrifizieren, sondern das Elektrorad wird faltbar gemacht.

          Ein Fahrzeug, nicht bloß ein Fahrrad: Kalkhoff Integrale Bilderstrecke

          Mit bloßer Meinung lässt sich dem Phänomen Elektrofahrrad sowieso nur schwer bis überhaupt nicht beikommen: Wer heute noch tönt, er habe „den Motor nicht nötig“, sei „zu jung für den Motor“ oder wolle „Fahrrad fahren, nicht Mofa“, der hat nicht nur keine Ahnung, sondern dem lässt sich mit großer Sicherheit auf den Kopf zusagen, dass er es noch nie ausprobiert hat. Die Sache ist die: Das Fahrrad an sich hat einen unmittelbar von der Körperkraft seines Benutzers abhängigen Antrieb. Hinsichtlich Tempo und Reichweite ist es ein bloßer Multiplikator und keine auf Knopfdruck (oder vom Bleifuß kommandiert) Leistung erbringende Maschine. Bei gleichem Energieeinsatz kommt der Radfahrer – nicht unter allen Bedingungen, aber meistens – schneller weiter als jeder Wanderer und kann dabei mehr Last befördern.

          Vervielfachung der eigenen Kraft

          Das Elektrofahrrad (egal, ob es sich um ein bei 25 km/h abregelndes Pedelec oder ein bis 45 km/h unterstützendes Leichtkraftrad der Zulassungsklasse L1E handelt) ist ebenfalls nur ein Vervielfacher menschlich ins System eingebrachter Kraft – aber der Faktor dieser Multiplikation ist entschieden größer als beim Fahrrad ohne Motor. Die Vervielfachung der eigenen Kraft erlebt jeder: der altersbedingt nicht mehr so Leistungsfähige genauso wie jemand, der jung und sportlich den Berg allemal auch ohne die Motorunterstützung hinaufkäme. Das Fahrvergnügen, das ein Elektrorad bietet, besteht keineswegs nur darin, dank Motor wieder (oder noch) mit anderen mithalten zu können, sondern in einem ganz eigenen Fahrerlebnis.

          Das ließ sich jüngeren Benutzern zuerst mit dem elektrifizierten Mountainbike (MTB) demonstrieren. Nur wenige Hersteller verzichten noch auf entsprechende Modelle; etliche dagegen haben nicht nur ein elektrifiziertes MTB, sondern unterschiedlichste Ausführungen des E-MTB im Portfolio. In der Saison 2016 fächert sich das Angebot an Elektrorädern abermals weiter auf. Deutlich wächst die Zahl der Kompaktpedelecs, die auf jüngere Kunden in der Stadt zielen: Die haben vielfach weniger Raum zum Abstellen und sind auch in der S-Bahn dankbar dafür, wenn ihr Elektrorad nicht so voluminös und schwer ist, wie 28-Zoll-Elektroräder das sein können.

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