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Elektrorad Qwic Premium : Ein Hoch auf den Tiefeinsteiger

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Elektrorad Qwic Premium Bild: Hersteller

Der Tiefeinsteiger, auch Schwanenhals oder schlicht Damenrad genannt, ist bequem. So wie das Elektrorad Qwic Premium. Es ist aber auch schwer.

          „Sie mag Tiefeinsteiger.“ Das klingt ein bisschen wie: „Sie ist beratungsresistent“. Denn unisono wollen Hersteller, Handel und natürlich auch der Beraterstab des Freundeskreises eine junge Frau eher auf ein etwas sportlicheres Fahrrad setzen: Da geht es nicht nur um Stil. Für einen Trapez-Rahmen, wenn nicht einen Diamantrahmen mit abgesenktem Oberrohr, also die Unisex-Variante, sprechen handfeste fahrdynamische Vorzüge. Der Tiefeinsteiger, auch Schwanenhals oder schlicht Damenrad genannt, ist bloß bequem, erkauft diesen Komfort vorzugsweise für Senioren beiderlei Geschlechts aber mit weniger Stabilität und einer schlechteren Gewichtsverteilung. Das trifft in verschärfter Form auf Elektrofahrräder zu. Wenn dann das Anforderungsprofil auch noch zu „Tiefeinsteiger, aber bitte nicht zu omahaft“ präzisiert wird, sollte man sich mal die Pedelecs von Qwic angucken.

          Die 2006 von Michiel Hartman und Taco Anema gegründete und rasch gewachsene Marke verheißt „Dutch Design E-Bikes“. Sie ist in den Niederlanden, Belgien und bei uns vor allem im Nordwesten im Fachhandel verbreitet. Die Modellpalette erscheint bis zur 45-km/h-Klasse und einem Falt-Pedelec variantenreich, konzentriert sich aber auf überwiegend von Motoren des großen chinesischen Herstellers Bafang unterstützte Stadt- und Tourenfahrräder. Verschiedene Modelle des hundert Seiten starken aktuellen Qwic-Katalogs könne er schon nicht mehr bekommen, erzählte ein Händler.

          Gefahren wurde das Tiefeinsteiger-Modell Qwic Premium MN7c (in der Grundversion mit 375 Wh-Akku rund 2400 Euro; empfehlenswerte 400 Wh Kapazität kosten 150 Euro Aufpreis). In mattem Schwarz und mit Weißwandreifen erschien dieses Pedelec vom ersten Moment an wie das idealtypische elektrische Hollandrad des Jahres 2019.

          Sie waren Räder fürs Flachland

          Manchmal wird das ja vergessen: Ganz am Beginn jener großen Renaissance des Fahrrads bei uns in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre stand die Begeisterung für das Hollandrad. Jawohl, diese bequemen schweren Mühlen, auf denen man gar nicht anders kann als aufrecht sitzend zu pedalieren, mit mehr schiebendem als stampfendem Tritt, galten für latzhosige Wohngemeinschaftler als das einzig standesgemäße Fahrzeug mit Abstandskelle und Atomkraft-nein-danke-Sticker. Sie waren qualitativ den Rädern aus deutscher Produktion haushoch überlegen und wurden von den deutschen Herstellern kopiert.

          Aber das blieb Optik. Der entscheidende Nachteil der guten Batavus-, Sparta- oder Gazelle-Modelle: Sie waren Räder fürs Flachland. Und so wurde das Hollandrad, das sich im Norden nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, von den Mittelgebirgen an nach Süden in Deutschland hinweggefegt von einem mit einigen Genen des Mountainbikes gesegneten Erfolgsmodell, dem Trekkingrad.

          Es werden kaum Fragen aufkommen

          Die Sitzposition auf dem Qwic Premium MN7c ist mit dem Begriff „saubequem“ fast untertrieben gewürdigt: Der Sattel, weich und breit, verlangt geradezu nach einem Gesäß, das diesen Namen verdient. Der Lenker sitzt so hoch, das starke, sich in den Träger der Batterie fortsetzende Sitzrohr ist so weit geneigt, dass bei korrekt eingestellter Sattelhöhe der Oberkörper wie in einem Sessel ein wenig zurückgelehnt erscheint. Auch wenn es die erste Fahrt mit dem M400-Antrieb von Bafang (80 Newtonmeter) ist, werden kaum Fragen aufkommen: Ein übersichtliches Display, linkerhand ein Bedienungssatellit mit unmissverständlichen Tasten.

          Lediglich fürs An-und-aus des Lichts muss man ein wenig länger drücken. In der mittleren von fünf Unterstützungsstufen setzt der Motor, der so aussieht, als habe man einen Boschmotor mit einem Shimano Steps gekreuzt, zügig, aber nicht brachial ein. Der Mittelmotor ist leicht asymmetrisch im Rahmen untergebracht und arbeitet mit vernehmlicher, aber gut erträglicher Akustik.

          Hydraulische Felgenbremsen (Magura HS11), die 7-Gang-Nexus-Nabe (mit oder ohne Rücktritt), das für NL typische Ringschloss und die gekapselte Kette ergänzen das Bild eines gut ausgestatteten Problemlos-Rads. Die plusminus 70 Kilometer durchschnittliche Reichweite mit dem 470-Wh-Akkupack sind eine glaubwürdige Katalogangabe. Das Rad ist sehr gut verarbeitet und fährt sich so, wie man draufsitzt: verführerisch bequem. Trotz des guten Drehmoments: Das Qwic Premium MN7c ist kein toller Kletterer und es ist schwer. Die erfreuliche Stabilität trotz des tiefen Durchstiegs hat eben ihren Preis: Knapp 25 Kilogramm verheißt der Katalog. Doch April, April: „exklusive Akku“. Typisch Hollandrad.

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