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Lacuba Evo von Bulls : Das Tarnkappen-Elektrorad

Eher unscheinbar: Motor und Akku sitzen gut versteckt im gar nicht sonderlich massiven Rahmen. Bild: Hersteller

Muss man einem Elektrorad immer gleich den Motor und den Akkupack ansehen? Nein, nicht, wenn der Antrieb von Brose aus Berlin kommt.

          Der Eindruck, den man von diesem Fahrrad erhält, hängt stark von der Herangehensweise ab – ob man nämlich von links oder von rechts kommt. Üblicherweise nähert sich der Radfahrer seinem Fahrzeug wohl linker Hand, meistens jedenfalls, wenn er aufsteigen und fahren will. Will man das Fahrrad jedoch auf dessen Schokoladenseite betrachten oder fotografieren, kommt man von rechts, denn auf dieser Seite läuft die Kette, und man blickt auf Schaltung und Kurbelgarnitur. Wer sich nun mit dem fotografischen Blick dem Lacuba Evo aus der Green-Mover-Serie von Bulls nähert, dem entgeht womöglich, bis er mit der Nasenspitze darauf stößt, dass es sich um ein Elektrofahrrad handelt.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Gewiss, das Unterrohr des Rahmens (Aluminium 7005) wirkt ziemlich wuchtig, aber das hat man auch schon anderswo gesehen – und dort steckte kein 650-Wattstunden-Akku drin, der für etwa 200 Kilometer reichen soll. Lang und schlank wird diese vom Spezialisten BMZ stammende Komponente des Brose-Antriebs von unten her in den Rahmen geschoben und mit einem abschließbaren Hebel verriegelt. Der Akku ist mit einer Auflage gegen Steinschlag geschützt und weist zwei magnetische Buchsen für das Laden auf, das dank einer Klappe entweder im Rahmen oder nach dem Herausnehmen erfolgen kann. Trotz der großen Kapazität des Akkus ist der Vorgang einer kompletten Ladung in etwas über vier Stunden erledigt.

          Verschmelzung mit dem Fahrradrahmen

          Am unteren Ende des Akkus sitzt in der Flucht des Rahmenrohrs schräg nach oben orientiert der Motor von Brose. Der in Coburg ansässige Autozulieferer (unter anderem Zentralverriegelungen, Türsysteme, motorische Sitzverstellungen und Lenkungsmotoren) baut ihn in seiner Berliner Niederlassung. Mit 3400 Gramm gehört Broses Pedelec-Motor, entwickelt aus einem dreimal so großen Lenkungsmotor, zu den kleinsten und leichtesten Fahrradmotoren. Hinter dem doppelten Kettenblatt, wie es sich an anderen Antrieben gar nicht montieren lässt, beim Lacuba Evo aber eine 20-Gang-Kettenschaltung (Shimano Deore XT) möglich macht, verschwindet der Motor praktisch vollkommen. Auch von der anderen Seite betrachtet, verschmelzen Motor und Akkupack mit dem Fahrradrahmen: Da ist nichts drauf-, dran- oder druntergeschraubt.

          Der Motor steuert bis zu 300 Prozent der aufgewandten Muskelkraft bei – abrufbar in drei Unterstützungsstufen.

          Zu dem dezenten Erscheinungsbild des immerhin kernige 90 Newtonmeter Drehmoment entwickelnden Mittelmotors (250 Watt, 36 Volt, Wirkungsgrad 75 bis 82 Prozent) passt ungemein gut, dass er der leiseste Motor des Marktes ist. Unterwegs übertönen ihn häufig die Abrollgeräusche der Reifen, und auch keine störenden Vibrationen, etwa in den Pedalen, verraten, dass er arbeitet. Dieser ruhige Lauf ist unter anderem auf die Kraftübertragung mit einem Zahnriemen innerhalb des Motors zurückzuführen.

          Seine Steuerung bietet drei Unterstützungsmodi auf Tastendruck mit dem Bedienteil am Lenkergriff. Das wie auch das abnehmbar auf dem Lenkervorbau sitzende Display mit inverser Darstellung ist übersichtlich und ohne allen Schnickschnack gestaltet. So bleibt am Lenker zwischen den ergonomisch geformten Lenkergriffen genug Platz für einen mit 60 Lux ausgezeichnetes Fahrlicht gebenden LED-Scheinwerfer (Fuxon F-160 EB mit Sensor und Tagfahrlicht), die Bremshebel der hydraulischen Scheibenbremsen (Shimano BR-M447) und sogar eine putzig kleine Klingel. Einzig der dicke Gelsattel (Selle Royal Lookin Moderate) wäre am Lacuba Evo eine Komponente, deren Austausch in Erwägung gezogen würde; aber das ist einfach Geschmackssache. Der i-rack-Systemgepäckträger hat sich hingegen in der Alltagspraxis bewährt.

          In den drei Unterstützungsstufen steuert der Motor bis zu dreihundert Prozent der aufgewandten Muskelkraft an Leistung bei. Sanft, aber sogleich spürbar, doch nicht mit heftigem Bumms erschreckend setzt der Motor ein. Und von 25 km/h an verabschiedet er sich ebenso kultiviert. Das heißt nicht etwa, dass die Unterstützung lahm wirken würde, ganz im Gegenteil. Mit dem kraftvollen Brose-Motor lassen sich auch Steigungen von zehn oder zwölf Prozent mit zügigen 20 km/h erklimmen. Aber wie die Optik, so das Fahrgefühl: Die Sportlichkeit des für den Alltag und die größere Tour gedachten Lacuba Evo, das etwa 3500 Euro kostet, hat etwas Dezentes. Und: Ganz ohne Motorunterstützung gefahren bleibt dieses Fahrrad ein Fahrrad.

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