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Rammschutz von Raymarine : Locker bleiben!

Jetzt wird’s eng: Prestige 460 auf Parkplatzsuche. Bild: Hersteller

Je mehr Leute zuschauen, desto höher der Stresslevel beim heiklen Hafenmanöver. Nun präsentiert Raymarine den elektronischen Rammschutz. Bevor es kracht, übernimmt die Motoryacht selbst das Ruder.

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          Hebel nach vorn! 13 Tonnen setzen sich in Bewegung, genau in Richtung eines massiven Pontons, der 20 Meter voraus im Hafenbecken verankert ist. Innerlich läuten sämtliche Alarmglocken, aber die Raymarine-Leute bestehen darauf: Hebel weiter nach vorn! Die 700 000-Euro-Yacht hält auf den Ponton zu. Gleich wird es krachen. „Weiter!“, kommandiert eine Stimme von schräg hinten. Hebel nach vorn. Längst wäre der Moment gekommen für ein energisches Manöver des letzten Augenblicks zur Verhinderung des Crashs, Maschinen voll zurück. Aber: Hebel nach vorn. Nun wird der im Hintergrund wachenden Elektronik die Sache zu heiß. Sie greift ein, Maschinen rückwärts, der Koloss bremst ab. Als er zum Stehen kommt, die rechte Hand mit dem Hebel noch immer am Anschlag, ist der Bug nur noch einen halben Meter vom Ponton entfernt. Am Ende hat die Prestige 460 den Gehorsam verweigert. Genau so, wie sie es sollte. Welch eine Demonstration.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Rückwärts funktioniert das ebenso. Hebel nach hinten, die Prestige marschiert mit dem Heck zuerst in Richtung Steg. Unmittelbar davor stoppt sie von selbst, egal, ob mit dem Joystick noch das Kommando zur Rückwärtsfahrt gegeben wird oder nicht. Sie hält. Auch seitwärts lässt sich das Spiel treiben. Immer weiß die Yacht: bis hierher und nicht weiter. Warum weiß sie das? Weil sie besser sehen kann als andere Yachten. Augen und Sehnerven liefert das Unternehmen Raymarine.

          Der Spezialist für Marineelektronik in der Berufs- und Freizeitschifffahrt will zum Jahreswechsel damit beginnen, Serienyachten mit seinem neuartigen Docksense-System auszurüsten. Dabei handelt es sich um eine ziemlich revolutionäre Sache, einen elektronischen Rammschutz, vielleicht das nächste große Ding im Yachting nach der Einführung der Joysticksteuerung vor gut zehn Jahren.

          Der virtuelle Stoßdämpfer als hellblauer Rahmen um die Yacht herum. Bilderstrecke

          Der Siegeszug des Joysticks, von Volvo Penta mit seinem IPS-Antrieb eingeleitet, führte zu einer erheblichen Vereinfachung der bei vielen Hobbykapitänen gefürchteten Hafenmanöver. Per Joystick und Bordrechner wird der Einsatz der Antriebsmaschinen und der drehbaren Propellereinheiten unter dem Rumpf derart koordiniert, dass der Skipper schwere Yachten allein mit Daumen und Zeigefinger am Hebelchen auf der Stelle drehen, vorwärts, rückwärts, seitlich und diagonal bewegen kann – wie ein Dressurpferd.

          Eine feine Sache, bloß verhindert die bisher nicht, dass es zu Kollisionen oder zumindest zu Gebrüll und Tumult an Bord kommen kann, wenn die Person am Steuer sich beim Anlegen ungeschickt anstellt. Oder wenn sie mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hat, mit starkem Wind, mit Strömung oder mit tollpatschigen Helfern. Docksense baut auf der Joystick-Technik auf, greift dem Skipper in die Lenkung und bemächtigt sich des Gashebels, wenn es brenzlich wird, ähnlich wie die Notbrems- und Spurhalteassistenten der Autowelt. Wobei allerdings die von Wind und Wetter abhängigen Umstände auf dem Wasser die Aufgabe erschweren.

          Stereo-Kameras fürs räumliche Sehen

          Raymarine bestückt das Schiff mit Stereo-Kameras und greift dabei auf Entwicklungen seiner amerikanischen Muttergesellschaft Flir Systems zurück. Diese Spezialkameras fürs räumliche Sehen liefern die Grundlage zur Entfernungsmessung und Live-Analyse der Videobilder. Fünf davon waren auf der 14 Meter langen Prestige 460 verbaut, die Raymarine und der zur französischen Beneteau-Gruppe gehörende Motoryachthersteller Prestige jetzt vorführten: zwei am Bug, je eine an den Seiten und am Heck. Für eine lückenlose Beobachtung der Umgebung überlappen ihre Blickwinkel. Damit die Linsen nicht beschlagen, können sie beheizt werden. Im Stand-by werden sie von einer Klappe geschützt.

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