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Fahrbericht Elektromoped FEDDZ : Hundert Kilometer für ein Brötchen

Bild: FAZ.NET

Das deutsche Elektromoped FEDDZ wuselt lautlos und sparsam durch die Stadt. Jeder, der damit unterwegs ist, wird ohne Unterlass angesprochen mit der Frage: Was ist das?

          3 Min.

          Das kann jedem passieren: Man kommt allmählich in die Jahre und stellt verblüfft fest, dass sich niemand mehr nach einem umdreht – falls das jemals der Fall war. So etwas lässt sich reparieren. Die Falten und der Bauchansatz dürfen bleiben, die fehlende Aufmerksamkeit wird ersetzt. Das Mittel der Wahl heißt FEDDZ, und die Erfahrung lehrt, dass jener, der damit unterwegs ist, ohne Unterlass und von jedem darauf angesprochen wird.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Was das ist? Ein Elektromoped. Darf man das denn auf der Straße fahren? Natürlich, siehe Kennzeichen. Das beantwortet zugleich die Frage, wie schnell es ist – 45 km/h, es gibt auch eine Mofaversion mit 25. Was verbraucht so etwas? Einen Appel und ein Ei. Was kostet es? Autsch, nächste Frage. Und wie weit fährt das? Kommt drauf an.

          Die Wissbegier rührt daher, dass niemand das skurrile Gefährt in gängige Kategorien stopfen kann. Das FEDDZ (der Name steht für „Fahre Elektrisch Durch Die Zukunft“) sieht, wenn es in Schwarz geordert wird, ehrwürdig aus wie eines der ganz frühen Motorräder, es passt zum Pfarrer in seiner Soutane. Aber frisch und poppig lässt sich auch bestellen. Und es fährt sich wie ein Pedelec, doch viel kraftvoller und ganz ohne Pedale. Stattdessen ruhen die Füße auf zwei nackten Aluminiumrasten, und dort bleiben sie auch. Der Fahrer kauert auf einer Sitzbank, die ein mit schickem Leder bezogenes Brett ist. Das ist nicht weiter schlimm, denn das FEDDZ besitzt elend lange Federwege und ist sanft bis unmerklich gedämpft. Das lässt sich, wie Sitzhöhe und Fußrasten, mannigfaltig einstellen.

          Bei Tachoangabe 49 km/h endet der Vortrieb sanft

          Vor dem Fahren steht das Anlassen, es geschieht mittels Chipkarte, zuvor muss der tief unten im Rahmen plazierte Akku gestartet werden – feinfühlig, sonst ist er gleich wieder aus. Das funktioniert, aber als einzige Diebstahlsicherung möchten wir es nicht empfehlen. Denn das ganze Gefährt wiegt einschließlich Akku nur 47 Kilogramm, weit weniger als die Hälfte eines Elektrorollers, von denen wir kürzlich einige getestet haben, notfalls lässt es sich also allein in den Kombi heben. So kommt es aber, dass man mit nur 2 kW Leistung ordentlich motorisiert unterwegs ist. Nach einem sanften Anlauf nimmt das Moped Fahrt auf, bei Tachoangabe 49 km/h endet der Vortrieb ebenso sanft, die Beschleunigung dazwischen reicht, um lässig im Verkehr mitzuschwimmen. Auch bergauf rennt das Vehikel tapfer, wenn es steil wird, geht ihm freilich etwas die Puste aus. Da es auch eine Version mit 2,4 kW Leistung im Radnabenmotor gibt, würden wir zu dieser tendieren.

          Der Anbieter des Mopeds nennt sich emo-bike, es ist eine Tochtergesellschaft des deutschen Elektromotorenbauers EMB, der auch eine Variante mit 3 kW zur Verfügung stellen kann. Damit wäre der Fahrer auch auf Waldwegen der König, wenn das nicht verboten wäre. Tatsächlich schert sich niemand darum, denn die Silhouette sieht nach Fahrrad aus, und Fahrer samt Moped sind leiser unterwegs als ein solches. Selbst auf den Fahrradwegen schimpft niemand, dort zu fahren empfehlen wir trotzdem nicht.

          In der Stadt wuselt man mit dem Ding herum wie mit keinem anderen motorisierten Zweirad. Parken dort, wo die Fahrräder stehen, ist kein Problem, einmal verfahren, wird das Ding locker über den Fußgängerweg geschoben und die Reise in anderer Richtung fortgesetzt. Es gibt viel Komfort und Platz für eine Tasche mit 23 Liter Inhalt aus dem Zubehör unter dem Rahmen und über dem Akku, das schicke Schweinsleder dürfte freilich mit der Zeit speckig werden. Notfalls wird einfach die Einkauftasche dort hingeklemmt, wenn die Wurst herausfällt, sieht es der Fahrer sofort. Es gibt eine Hupe, Blinker, gutes LED-Fahrlicht und einen Kippständer, der in ausgeklapptem Zustand verhindert, dass der Motor anzieht, alles wirkt solide verarbeitet und hochwertig. Wer will, kann sich aus dem reichhaltigen Programm sogar einen Anhänger montieren, was den Preis von 7800 Euro für die Basisversion weiter nach oben treibt.

          Und es gibt vier Fahrmodi, die mit Taster angesteuert werden können: Eco, Custom, Sport und Wheelie. Das Letztgenannte ist ein Scherz, tatsächlich ist das FEDDZ in allen Modi gleich schnell, die Unterschiede im Anzug sind überschaubar. Im schlicht gestalteten Rundinstrument, das gut zum Gesamtcharakter passt, ändert sich dann auch die Anzeige der geschätzten Restreichweite mit den Modi nicht übermäßig, sie wechselt sich in steter Folge mit den Gesamtkilometern und der zurückgelegten Strecke ab, außerdem gibt es Balken für den „Tankinhalt“.

          Rund 60 Kilometer sind versprochen. Die Anzeige steht auf voll, bis zu Hause sind es 24 Kilometer. Das stimmt optimistisch, also aufs Krad geschwungen und als erste Tat heimwärts gesegelt. Insgesamt sind rund 400 Höhenmeter zu überwinden, einen Kilometer vor dem Hola steht die Kiste ohne Vorwarnung, der Akku ist leer. Der Blick kurz zuvor hatte noch 20 Kilometer Reichweite suggeriert, warum das so schnell kippte, wissen wir nicht.

          Überhaupt war an unserem Testexemplar die Anzeige der Restkilometer eher über den Daumen gepeilt, da hilft auch die Smartphone-App nicht viel weiter. Kurz vor dem Ende wurden mal zehn, mal ein Kilometer angekündigt und hundert Meter weiter wieder zehn. Nach knapp fünf Stunden Laden ist der herausnehmbare Akku voll, wir sind mit einer Füllung dann genau 72 Kilometer weit gekommen. Erst kurz vor dem Ende wird das FEDDZ langsamer, beim Bremsen rekuperiert es. Der Akku (48 Volt) fasst 1,9 kWh, dem Netz entnommen wurden gut 2 kWh. Hundert Kilometer kosten also so viel wie ein Laugenbrötchen, wo gibt es das billiger?

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