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Elektrofahrräder : Sportive Härte oder komfortable Harmonie

  • -Aktualisiert am

Sportlich: Das Koga E-Xite liebt die Straße Bild: Pardey

Sollen alle sehen, dass es ein Elektrofahrrad ist, oder sollen sich Hilfsmotor und Akku unsichtbar machen?

          3 Min.

          Spätsommer, Frühherbst, das ist an sonnigen Tagen für viele die allerbeste Zeit fürs Radfahren: Zwei Fahrten mit zwei Pedelecs, zwei ganz verschiedene Marken, zwei verschiedene Motoren derselben Marke, zwei nur in etwa ähnliche Preise, aber auch zwei verschiedene Modelljahre und zwei deutlich unterschiedliche Zufriedenheiten. Konkret: Gefahren wurden das Sinus Ena 10 von Staiger, Modelljahr 2016, und das E-Xite des niederländischen Herstellers Koga, das im Frühjahr 2017 zu haben ist. Gefahren wurde in Göttingen und um Göttingen herum, wo Süd-Niedersachsen hübsch hügelig ist und keineswegs so platt, wie man sich das jenseits des Weißwurstäquators vorstellt.

          Reden wir ganz kurz über die Marken: Koga, vor Urzeiten mal Koga-Miyata, das ist nun schon seit den siebziger-Jahren ein Synonym für allerbeste Montagequalität mit einer Bugwelle wie ein Flugzeugträger. Koga ist ein Hersteller von vorwiegend sportiven Rädern, aber auch einer, der immer wieder ohne falsche Nostalgie das Hollandrad auf den Stand der Technik gehoben hat. Wohl noch etwas älter, aber ehedem und lange Zeit regional auf Südwestdeutschland beschränkt, bäumt sich das Pferd von Staiger auf. Inzwischen hat es seinen Stall bei der Schweinfurter Winora Group, die inzwischen ihrerseits genauso wie Koga zur niederländischen Accell Group gehört. Die Holländer hatten wohl die Kraft, einen eigenen Elektroantrieb zu entwickeln. Aber in Heerenveen genauso wenig wie in Sennfeld bei Schweinfurt gab es schließlich beim Thema Elektromotor ein Vorbeikommen am Reutlinger Platzhirsch Bosch.

          Harmonisch: das Sinus Ena 10 von Staiger
          Harmonisch: das Sinus Ena 10 von Staiger : Bild: Pardey

          Wie das Leben so spielt, führte ohne Karte und Navi die schon frühherbstliche Fahrt mit dem Koga E-Xite durch den Wald hinauf zur Burg Plesse nördlich von Göttingen. Eine wunderschöne Tour zu einem Ziel mit toller Aussicht über das Tal der Leine, aber auf den Schotterwegen hinauf genauso wie anschließend hinab nach Bovenden zeigte sich: Ein echtes Trekkingbike, das mit elektrischer Unterstützung durch dick und dünn geht, ist dieses Rad nicht. Das E-Xite liebt die Straße, will den glatten Asphalt, denn da lässt sich mit ihm und dem starken Bosch-Motor (Performance Line CX) ordentlich Tempo machen. Auf schlechterem Untergrund fehlt diesem Sportrad so gut wie jeglicher Komfort: Die starre Carbongabel hopst nervös, und der Hauptrahmen haut so richtig in die Schlaglöcher hinein. Auf glatter Bahn aber: Wunderbar! Ein schnurrender Renner, ein schnelles Rad wie Samt und Seide. Gefahren wurde die rund 3700 Euro teure und sportlichere Modellvariante E-Xite mit der Zehn-Gang-Kettenschaltung Shimano SLX und hydraulischen Scheibenbremsen Magura MT2. Dreihundert Euro günstiger und mehr als bloß einen Gedanken wert ist das Modell E-Xite N8 mit der Acht-Gang-Nabenschaltung Shimano Nexus Premium, den hydraulischen Felgenbremsen Magura HS11, vor allem aber der am Gabelschaft ansetzenden Dämpfung Feathershock.

          Zum allgemein ziemlich überschätzten Thema Reichweite schweigt des Sängers Höflichkeit, nicht etwa, weil die allzu bescheiden wäre, sondern weil sie von so vielen Faktoren, ganz besonders aber von der Fahrweise abhängt. Nur so nebenbei: Im Gegensatz zu einem Auto mit leerem Benzintank lässt sich ein Elektrorad mit leerem Akku notfalls noch bis ans Ende der Welt fahren. Statt solch eines Horrorszenarios, das sich in der Wirklichkeit meist als gar nicht so schlimm herausstellt, nun der Umstieg, und zwar auf das Sinus Ena 10 von Staiger. Anders als Koga, wo man den 500-Wattstunden-Akku konventionell aufs Unterrohr des Rahmens setzte und dem den Motor mehr an- als einfügte, hat Staiger versucht, beides mit dem Fahrrad geradezu zu verschmelzen.

          Hier ein roter Farbakzent und da noch einer

          Statt mehr oder weniger runden Rahmenrohren einfach etwas anzuschrauben, wurden Alu-Gussteile entwickelt, die Motor und Akkupack nicht nur halten, sondern sozusagen umgreifen. Das führte zu einer Optik, die einerseits überaus harmonisch wirkt, andererseits aber das Rad noch etwas schwerer aussehen lässt, als es mit knapp 25 Kilogramm tatsächlich schon ist. Innen verlegte Züge, hier ein roter Farbakzent und da noch einer, das hat am Ena 10 den Chic der Aufgeräumtheit. Der wiegt aber nicht so recht die Biederkeit des Auftritts auf.

          Keine Frage, das Sinus Ena schaut braver, um nicht zu sagen behäbiger aus als Kogas Sprinter. Wenn man das Rad von Staiger dann fährt, stellt es sich aber als viel agiler als gedacht heraus. Und mit der Federgabel vorn (RockShox Paragon Gold, 50 Millimeter Federweg) und der gefederten Sattelstütze unterm Allerwertesten kann man es auch munter holprige Waldwege entlangtraben lassen. Unterm Strich: Signifikant schneller unterwegs ist man im Schnitt mit der CX-Variante des Bosch-Motors im Koga keineswegs, denn ohne CX brettert das Sinus Ena von den hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen ungebremst auch dort entlang, wo man den Renner aus Heerenveen aus Gründen des Komforts ein wenig zügelt. Obwohl die optische Erscheinung das Gegenteil anzunehmen nahelegt: zu Preisen von rund 3300 Euro an ist das echte elektrische Trekkingbike das Sinus Ena.

          Nein, die beiden Räder lassen sich nicht wirklich vergleichen: Bosch-Motor ist nicht einfach Bosch-Motor, und matt-schwarz ist nicht einfach matt-schwarz. Das Koga E-Xite ist ein sportliches Rad für Flottfahrer auf der Straße, das Sinus Ena 10 bietet zwar nicht so viel Drehmoment, dafür aber mehr Alltagsnutzen.

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