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Elektrofahrrad von Victoria : Die Automatik weiß alles besser

  • -Aktualisiert am

Elektrorad von Victoria mit Automatik Bild: Pardey

An dem Elektrofahrrad E Touring 7.7 von Victoria erhält man den Komfort einer Automatik mit allem Drum und Dran für rund 3000 Euro aus einer Hand.

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          Wie nennt man das, wenn einem ein Komfort angedient wird, den man gar nicht haben möchte? Die beliebte Floskel von der „Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat“ lässt sich in diesem Fall leider nicht verwenden. Es wird schließlich immer mal wieder gefragt: Warum gibt es kein Fahrrad mit Automatik statt Gangschaltung? Darauf lässt sich nur wieder einmal antworten: Das gab es schon längst, und das gibt es auch heute in unterschiedlichster Gestaltung – rein mechanisch, aber auch elektromechanisch, mit den klassisch-üblichen Übersetzungssprüngen und sogar stufenlos. Es hat sich die Automatik bloß nicht durchgesetzt.

          Aber hier an diesem Elektrofahrrad von Victoria namens E Touring 7.7 (auf die Ziffern kommt es an in der Nomenklatur des Herstellers) erhält man den Komfort einer Automatik mit allem Drum und Dran für rund 3000 Euro aus einer Hand. Vom Weltmarktführer bei Fahrradkomponenten Shimano stammt der gesamte Antriebsstrang: Mittelmotor Steps E6100 (bis zu 60 Newtonmeter Drehmoment, 250 Watt, Unterstützung bis 25 km/h) mit einem 504-Wattstunden-Akku und dazu die vollautomatische Fünf-Stufen-Schaltnabe Nexus Inter-5 DI2. Dass auch die meisten übrigen Komponenten des Rades bis auf die Federgabel (Suntour SF19-NEX E25 NLO) und die Reifen (Schwalbe Marathon) auf den Namen Shimano hören, rundet den Eindruck einer stimmigen Ausstattung ab.

          Ob man nun auf die hydraulischen Scheibenbremsen, die Beleuchtung (Scheinwerfer Contec 80 Lux), die Lenkergarnitur von Ergotec oder den (arg weichen) Sattel von Selle Royal schaut: Alles ist grundsolide. Und genau das ist auch die Ausstrahlung dieses matt graubraun lackierten Rades schon beim ersten Anblick: nicht aufregend, aber auch nicht von schlechten Eltern. So kommt dieses Rad, so kommt die ganze, ziemlich umfangreiche Modellpalette der zum Distributor Hartje gehörenden Traditionsmarke Victoria daher.

          Vollautomatische Fünf-Stufen-Schaltnabe Nexus Inter-5 DI2 Bilderstrecke
          Ausprobiert : Elektrofahrrad von Victoria

          Die Automatik ist die Besonderheit, und, um es gleich zu sagen: Sie funktioniert ohne Fehl und Tadel. Man schaltet sie an dem einen der beiden Bediensatelliten rechts und links am Lenker ein und muss sich danach um das Schalten überhaupt nicht mehr kümmern. Man tritt einfach gemütlich vor sich hin, Shimano kümmert sich um den Rest. Vor dem Anfahren, das heißt auch nach jedem Stopp, hat man einen bequemen Gang zum Anfahren unter dem Pedal. Und sobald die Fahrt schneller wird, schaltet die DI2 kontinuierlich hinauf.

          Das macht sie offenbar lieber als das Herunterschalten; mit dem lässt sie sich meist etwas mehr Zeit, als gefühlt nötig wäre. Das Schalten geschieht gelegentlich mit einem Knacks, aber der tut wohl nichts zur Sache; es knackst auch hin und wieder, wenn man manuell schaltet. Die manuelle Wahl der fünf Gänge ist zum einen grundsätzlich möglich, also bei dauernd abgeschalteter Automatik. Man kann aber auch bei automatischem Betrieb jederzeit manuell eingreifen.

          Diese Funktion ist unbedingt nötig bei einem Fahrrad mit Schaltautomatik. Man stelle sich vor: Wir kommen im großen Gang und mit flottem Tempo eine ebene Straße entlang und werden gleich abbiegen in eine steil bergan führende Straße. In so einem Fall möchte man so viel Schwung wie irgend möglich nutzen, schaltet aber schon frühzeitig zurück, um gleichzeitig die Trittfrequenz zu erhöhen. Bei Automatikbetrieb müsste man nun aber abwarten, bis die Geschwindigkeit deutlich gefallen ist. Wegen der schon erwähnten Saumseligkeit der DI2 beim Herunterschalten wäre der Geschwindigkeitsverlust besonders ausgeprägt. Und nun kommt der Punkt, weswegen auch diese Automatik im praktischen Gebrauch nicht wirklich gefallen hat: Man schaltet manuell zurück, die Nabe tut wie befohlen, die DI2, auf Automatik gestellt, meint jedoch, die Geschwindigkeit sei für den Gang und die Trittfrequenz nicht passend, und schaltet nach ein paar Metern wieder hoch. Am Ende gab der Mensch als Erster auf und schaltete die Automatik ab.

          Weil das E Touring 7.7 ein Elektrorad ist, darf das Thema der Reichweite nicht fehlen. Die Angaben dazu im sehr schön aufgeräumten Display sind so ziemlich das Unzuverlässigste, was man auf dem Markt bekommen kann: Ein heftiges Schwanken zwischen Fabelwerten, mal fast 200 Kilometer verheißend und dann viel zu früh das baldige Aus kündend. Realistisch ist es, von einem vollen Akku im Mittelgebirge rund 80 Kilometer zu erwarten. Fazit: Ein solides Pedelec ohne besonderen Glamour, das mit einem Komfortmerkmal glänzt, das nicht für jeden Fahrstil taugt.

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