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Preisschock an der Ladesäule

Von HOLGER APPEL
Foto: dpa

15.10.2019 · Elektroautos sollen die Zukunft sein. Doch in der Gegenwart erlebt der Reisende ein Wirrwarr an Tarifen und hohe Kosten.

Eine Reise ist unschätzbar, sie berichtigt, belehrt und bildet, wusste Goethe. Heute auf seinen Spuren wandelnd, kann dafür nur ein Elektroauto erste Wahl sein. Oder? Den progressiven Automobilisten holt die Realität ein. Wer unterwegs lädt, zahlt prohibitiv hohe Stromtarife. Die Preisgestaltung ist ein undurchdringlicher Dschungel. Und wer ins Ausland will, muss mit Überraschungen rechnen.

Beginnen wir mit letzterem: Es ist nicht sichergestellt, dass ein hier zugelassenes Elektroauto im Ausland Strom zapft. So geschehen mit einem Jaguar IPace, der in Belgien an der Haushaltssteckdose das Laden verweigerte, obwohl dort ein Stromnetz mit gleichen Eckdaten zur Verfügung steht. An der 20 Kilometer entfernten belgischen Schnellladesäule funktionierte es einwandfrei. Oder die Bretagne. Wer sich bis an die französische Küste durchgeschlagen hat, erschrickt. Nächste Schnellladesäule in 64 Kilometer Entfernung, meldet die App. Dortselbst kostet die Kilowattstunde freilich nur 22 Cent, was deutlich billiger ist als in Deutschland. Norwegen berechnet meist sogar 10 oder nur 5 Cent, womit sich, neben den staatlich gelenkten Kaufpreisen für Neuwagen, der relativ große Markterfolg dort erklären lässt.

In Deutschland hingegen sind die hohen Strompreise geeignet, die Lust auf das Elektroauto im Keim zu ersticken. Wer zuhause lädt, kommt mit rund 30 Cent je kWh noch recht glimpflich davon. Öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet fordern zwischen 39 und 49 Cent. Richtig teuer ist es an der Autobahn, wo am Schnelllader oft 65 Cent je kWh abgerechnet werden, manchmal sogar noch mehr. Wahlweise werden Pauschalbeträge gefordert. So kann eine Ladung, egal welche Menge gezapft wird, 24 Euro kosten. In der Regel fließen dafür 43 bis 50 kW je Stunde. Es gibt darüber hinaus die Abrechnung je Minute sowie Mischformen aus alledem. Manche Anbieter fordern einen pauschalen Startpreis und in der Folge Kosten je kWh, oder es werden die Kosten für Minuten je Standzeit und geladene kWh kombiniert.

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