https://www.faz.net/-gy9-915as

die tücken der E-Mobilität : Elektro wagen?

Tesla taugt nicht als Massenmodell

Einen greifbaren Vorsprung könnte derzeit Opel haben, dessen Kompaktwagen Ampera verspricht schon jetzt bis zu 500 Kilometer Reichweite. Das ist eine Obergrenze, tatsächlich werden nach unserer Erfahrung wohl etwa 350 Kilometer erreicht, was in der Preisklasse um 40 000 Euro immerhin rekordverdächtig wäre. Das Problem: Opel ist trotz mehrfacher Ankündigungen noch immer nicht in der Lage, das Fahrzeug auch nur zur persönlichen Konfiguration anzubieten, geschweige denn, Auslieferungstermine zu nennen. Durch die Trennung von General Motors, wo der Ampera entsteht, ist es fraglich, ob Opel überhaupt in signifikanter Menge lieferfähig werden wird. Der neue Eigentümer von Opel, die französische PSA-Gruppe mit ihren Marken Peugeot und Citroën, hat sich vorgenommen, von 2019 an neue elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Womöglich geht der Ampera in dieser Neuausrichtung unter.

Spätestens jetzt denkt jeder an Tesla, wo in diesen Tagen das Model 3 an die ersten Kunden ausgeliefert wird. Mit ihm will der amerikanische Hersteller die Tür zum Massenmarkt aufstoßen. Die Basisversion kostet 35 000 Dollar, umgerechnet knapp 30.000 Euro. Ob dieser Preis bei der Einführung in Europa gelten wird, ist nicht bekannt. Auch ist offen, wann Tesla die ersten Model 3 nach Europa schicken wird. Die Lieferzeiten in Amerika reichen jetzt schon bis Ende 2018. Und zu dem genannten Preis gibt es nur die Standardversion, die mit einer Batterieladung rund 350 Kilometer weit fahren kann. Eine zweite Version mit knapp 500 Kilometern Reichweite und besserer Beschleunigung soll 44.000 Dollar kosten. Darin sind Extras nicht enthalten. Das von Tesla überschwänglich Autopilot genannte System mit Fahrassistenzfunktionen erfordert 5000 Dollar zusätzlich. Noch einmal 3000 Dollar muss zahlen, wer ein Model 3 will, das auf später mögliches autonomes Fahren vorbereitet ist. Und Schwarz ist der einzige Lack zum Nulltarif, andere Farben kosten 1000 Dollar extra. Je nach Ausstattung kann der neue Tesla also mehr als 50.000 Dollar kosten, damit taugt er wiederum nicht zum Massenmodell.

Es tut sich etwas, auch bei den deutschen Autobauern

Volkswagen wird erst ab 2020 richtig Strom geben, die jetzt angebotenen elektrischen Versionen von Up und Golf sind zum Vergessen. Bis zum Jahr 2022 erscheinen vier Modelle, vom Kompaktwagen in der Größe des Golf bis zum Kleinbus. Sie werden im Gegensatz zum heutigen E-Golf ein eigenständiges Design haben und sich von den konventionell angetriebenen Modellen klar unterscheiden. Die sogenannte ID-Familie verspricht Normreichweiten von 400 bis 600 Kilometern. Im Jahr 2022 soll die Technik so weit sein, 700 Kilometer Reichweite sicherstellen zu können. Auf dem Papier, wir werden sehen, wie die Praxiswerte sind. Allen gemein ist die Hoffnung, die Ladezeiten irgendwann etwa durch Anlagen mit 100 kW Leistung dramatisch verkürzen (das werden die Akkus nicht mögen) und die Fummelei mit dem Kabel durch induktive, also kontaktlose Aufladung ersetzen zu können. Allerdings sind auch hier Preisschilder zu erwarten, die etwa denen eines gut ausgestatteten Diesel entsprechen. Volkswagen nennt noch keine Tarife, aber wer für den elektrischen ID aus der Generation Golf rund 30 000 Euro erwartet, dürfte nicht allzu falsch liegen.

Weiter oben in der Preisskala wird sich einiges tun. Mercedes-Benz wird in den Markt mit seiner EQ-Baureihe einsteigen, Audi kommt mit eigenen Modellen ebenso wie Porsche mit einem Sportwagen, Jaguar hat ein elektrisches Auto im Luxusformat angekündigt. Und auch BMW will, nachdem nach der Pionierleistung mit dem i3 der Schwung erlahmt ist, wieder mitmischen. 2018 erscheint der i8 Roadster, der freilich nur für homöopathische Stückzahlen gut ist. Ende 2019 beginnt im Werk Oxford die Produktion des batterieelektrischen Mini. 2020 folgt das elektrische SUV BMW X3. Von 2021 an soll der rein elektrische iNext als technologische Speerspitze im Werk Dingolfing gebaut werden.

Es tut sich also etwas, auch bei den deutschen Autobauern. Das macht Hoffnung, dass das Elektroauto bald für viele Zwecke tauglich sein könnte. Neben dem Verbrennungsmotor, der uns noch einige Jahrzehnte begleiten wird.

Topmeldungen

Coronakrise : Kein „Tschernobyl-Moment“

Chinas Führung kämpft gegen unliebsame Informationen über das Coronavirus. Jetzt hat Staatschef Xi gesprochen. Das zeigt, dass die Lage ernst ist. Problem: Wenn Xi im Spiel ist, muss alles besser werden – zumindest offiziell.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.