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die tücken der E-Mobilität : Elektro wagen?

Die Batterie ist das Problem

Womit wir bei der Umweltfreundlichkeit wären. Dazu gibt es einige wissenschaftliche Studien, deren Bekanntheit höher sein könnte. So hat sich die schwedische Energieagentur die Batterieherstellung genauer angeschaut und eine Klimabilanz aufgestellt. Demnach kann ein moderner Benziner 30.000 Kilometer weit fahren, bis er mit dem hohen CO2-Ausstoß der Akkuproduktion für den Nissan Leaf gleichgezogen hat, für den Tesla S sind es 100.000 Kilometer. Andere Schadstoffe wurden allerdings nicht berücksichtigt. Ob der Verbrenner oder das Elektroauto am Ende ökologisch besser dasteht, ist von vielen Faktoren abhängig; einzurechnen sind neben dem Betrieb und der Produktion des Fahrzeugs auch die Transportwege für die Energieträger und die benötigten Rohstoffe für die Akkus. Sowie die Bedingungen, unter denen die Materialien für die Akkus abgebaut werden. Angesichts der vielen Variablen zu behaupten, das Elektroauto sei grundsätzlich sauberer, zeugt also von Unkenntnis.

Wer jetzt noch nicht den Appetit verloren hat, kann sich mit weiteren ungelösten Problemen beschäftigen. Da wären zum Beispiel die stundenlangen Ladezeiten, die lange Strecken verhindern, sowie fehlende Ladestationen in der Stadt. In Deutschland gibt es rund neun Millionen Straßenlaternen, von denen viele mit Anschlüssen ausgerüstet sein könnten, wenn erst einmal dicke Leitungen gelegt sind – wer mag das bezahlen? Von den Rastplätzen an der Autobahn gar nicht zu reden. In der Praxis ärgern wir uns obendrein mit fummeligen Steckern, herumliegenden Strippen und dürftigen Heizleistungen herum. Erfreulich ist andererseits, dass der Elektromotor so schön anspruchslos ist. Er wird lange halten, überlässt aber das Altern den Batterien. Da diese das Teuerste am Auto sind, dämpft das den Wiederverkaufswert. Zum Geld sparen ist das Elektroauto auch aus einem anderen Grund nicht recht talentiert: Wenn ein Kleinwagen 20 kWh auf hundert Kilometer braucht, müssen wegen der Ladeverluste 22 aus dem Netz gezogen werden. Wer seinen Strom nicht billig selbst herstellt, bezahlt dafür 5,50 Euro. Mehr braucht auch ein Diesel nicht.

Elektromobilität ist nur etwas für Avantgardisten

Trotz all dieser Macken ist ein Elektrowagen eine gute Wahl – für die Stadt, weil er keine Abgase ausstößt. Doch sinkt die Luftbelastung schon seit Jahren auch ohne ihn.

Also schauen wir uns einmal unverdrossen auf dem Markt um. Und stellen fest: Derzeit gibt es kein einziges Elektroauto, das für die Mobilität breiterer Bevölkerungsschichten geeignet ist, denn es mangelt allerorten an der Alltagstauglichkeit. Entweder ist die Reichweite lächerlich oder der Preis viel zu hoch für den Durchschnittsbürger. Wuselige Stadtwagen mit Benzinmotor vom Format eines VW Up, VW Polo, Opel Corsa, Ford Fiesta oder Renault Twingo finden Käufer zu Preisen zwischen 10.000 und 15.000 Euro, dort ist mit Elektroantrieb nichts zu bekommen.

Elektromobilität ist deshalb immer noch etwas für Avantgardisten, die nicht auf den Euro schauen müssen. Eine deutliche Erweiterung des Angebots ist erst im kommenden Jahrzehnt zu erwarten, für diesen Zeitraum haben etliche Hersteller neue und leistungsfähigere Elektroautos angekündigt.

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